Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

es klingt wie ein TV-Krimi: Eric P. stand noch am Anfang seiner Laufbahn als Polizist, als er in einer Kiezkneipe Mehrad K. kennenlernte. Es war der Anfang einer steilen Karriere – als Verbrecher. Während Eric P. beruflich Verbrechen aufklärte, beging er privat selbst welche. Anfangs stand er Schmiere, hörte den Polizeifunk ab, während seine Kumpels Geldautomaten knackten. Später fälschte er einen amtlichen Durchsuchungsbeschluss und wurde in seiner Polizeiuniform zum Einbrecher. Nur durch einen Zufall flog der heute 31-Jährige auf. Gestern hat ihn das Landgericht wegen schweren Bandendiebstahls, Amtsanmaßung und Bestechlichkeit zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Warum der junge Polizist in die Kriminalität abrutschte und wieso seine Strafe nicht höher ausfällt, erzählt unsere Gerichtsreporterin Elke Spanner hier.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Ihr Oliver Hollenstein

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

AKTUELLES

Weniger Passagiere, aber mehr Verspätungen am Flughafen

© Daniel Bockwoldt/​dpa

17,23 Millionen Passagiere, 156.388 Starts und Landungen – das ist die Bilanz des Hamburger Flughafens für 2018. Damit sank sowohl die Zahl der Gäste als auch die der Flugbewegungen leicht. Der Flughafen selbst spricht von einer Konsolidierung auf hohem Niveau, in den Vorjahren war der Flughafen stark gewachsen. Der Gewinn schrumpfte 2018 um ein Fünftel auf 36 Millionen Euro, vor allem die Air-Berlin-Pleite und Flugausfälle hätten das Geschäft belastet, hieß es. Weiter gestiegen ist 2018 allerdings die Zahl der verspäteten Flüge. 1174 Flüge kamen nach 23 Uhr an, obgleich da eigentlich bereits ein Flugverbot gilt. Das waren 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Flughafen verweist allerdings darauf, dass die Zahl der Nachtflüge in den ersten Monaten dieses Jahres deutlich gesunken sei.

Verfassungsschutz warnt vor islamistischem Fußballclub

Am Samstag hat der Adil e.V. in der Kreisklasse B1 spielfrei – ob danach noch andere Teams gegen den Verein spielen wollen, muss sich zeigen. Denn der Verfassungsschutz warnt vor dem Fußballclub aus Wilhelmsburg. Er fürchtet, der Verein rekrutiere Mitglieder für die seit 2003 verbotene islamistische Organisation Hizb-ut Tahrir (HuT), die ein weltweites Kalifat und die Scharia einführen will. In einem internen Strategiepapier der HuT aus dem Jahr 2015/16 sei die Rede von der Gründung eines Fußballvereins, um neue Mitglieder zu finden. Bei der Gründungsversammlung des Adil e.V. im April 2016 sind laut Verfassungsschutz mehr als die Hälfte der Mitglieder der HuT zuzurechnen gewesen, auch der dreiköpfige Vorstand gehöre der Organisation an, genauso wie viele Spieler.

Will keiner im Paloma-Viertel bauen?

© Daniel Bockwoldt/​dpa

Der Streit um das Areal der ehemaligen Esso-Häuser an der Reeperbahn droht wieder aufzuflammen. Heute endet die Ausschreibungsfrist für die Baugemeinschaften, die einen Teil der öffentlich geförderten Wohnungen auf dem Gelände bauen sollen. Schon zwei Mal musste die Frist verlängert werden. Möglicherweise findet sich auch dieses Mal keine Baugemeinschaft, die im Paloma-Viertel bauen will. Das wäre ein Schlag für den bislang als vorbildlich geltenden Beteiligungsprozess. Vier Jahre lang hatten die Aktivisten aus dem Stadtteil mit dem Investor und der Stadt debattiert, bis im Mai 2018 eine Lösung gefunden war und ein städtebaulicher Vertrag unterzeichnet wurde. Das Grundstück sei einfach zu teuer, deswegen finde sich niemand, sagen die Stadtteilaktivisten der PlanBude. Der Investor, die Bayerische Hausbau, beharrt aber auf dem Preis, der sei schließlich erst vor einem Jahr in großer Einigkeit vertraglich so ausgemacht worden.

In einem Satz

Das für den 14. April geplante Konzert des US-Sängers R. Kelly ist auf Druck des Bezirksamts Nord abgesagt worden, der Sänger war Ende Februar wegen sexuellen Missbrauchs in den USA angeklagt worden +++ Bei einem Wohnungsbrand in Ohlsdorf ist eine junge Frau schwer verletzt worden, sie war offenbar aus einem Fenster im ersten Stock gesprungen, um sich vor den Flammen zu retten +++ 15 große Hamburger Unternehmen wollen sich unter der Schirmherrschaft von Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) verbünden und bis 2022 Zehntausende Tonnen Kohlendioxid einsparen +++ In einem Parkhaus am Flughafen hat die Polizei einen 34-Jährigen festgenommen, der in den vergangenen Monaten in den Parkhäusern des Flughafens 80 Autos aufgebrochen haben soll

Was heute und am Wochenende auf der Agenda steht

Die "Fridays for Future"-Demo beginnt heute um 10 Uhr auf dem Gänsemarkt +++ Der Bürgermeister und mehrere Senatoren besuchen heute Abend das Jahresessen des Konsularischen Korps +++ Am Samstag trifft sich die Linke zum Landesparteitag +++ Der FC St. Pauli gastiert am Samstag in Kiel +++ An der Sporthalle üben 200 Helfer diverser Rettungsorganisationen die Zusammenarbeit bei einem simulierten Busunfall mit 60 Personen +++ Am Sonntag besucht Sportstaatsrat Christoph Holstein die Deutschen Jugend Einzelmeisterschaften im Squash

WAS SIE INTERESSIEREN KÖNNTE

Alltagsreporter: Der Polizist

Fernsehkrimis schaue ich nur selten. Die Ermittlungsarbeit da ist einfach grauenhaft! "Tatort" habe ich früher öfter mal geguckt, aber das nervt mich inzwischen auch. Schon das Handwerkszeug stimmt nicht, wie man mit einer Waffe in der Hand eine Wohnung betritt etwa oder nur ein einfacher Funkspruch. Noch schlimmer sind Polizeiserien aus Hamburg wie "Notruf Hafenkante". Da betreut ein kleines Revier die ganze Stadt – von Poppenbüttel bis nach Blankenese. Und wer den Fall aufnimmt beim ersten Einsatz, ermittelt bis zum Ende, egal bei welchem Delikt. Das hat echt wenig mit dem Alltag hier zu tun!

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Wie der Vorgänger der Barbie-Puppe in Hamburg erfunden wurde

© Christoph Gunkel

Lange Beine, schmale Taille, üppige Oberweite, Schmollmund: Die Comicfigur, die der Hamburger Karikaturist Reinhard Beuthin in den Fünfzigern für die erste Ausgabe der "Bild"-Zeitung zeichnete, erinnert verdächtig an eine andere weltberühmte Blondine. Doch "Lilli" war vor allem ein lasziver Männertraum, mit zotigen Sprüchen auf den Lippen. Wie wurde aus dem frivolen Accessoire der Wirtschaftswunderzeit eine Modepuppe für Kinder – die ihre deutsche Vorlage schon bald vom Markt verdrängen sollte? Wie aus Lilli Barbie wurde, hat Christoph Gunkel für die April-Ausgabe der ZEIT:Hamburg recherchiert

Führungen durch Loki und Helmut Schmidts Haus beginnen

© Daniel Reinhardt/​dpa

Auf dem Schreibtisch liegen noch immer Bücher, grüne Filzstifte und eine silberne Schatulle, gefüllt mit Zigaretten. Es wirkt fast so, als habe der 2015 gestorbene Altbundeskanzler Helmut Schmidt seinen Arbeitsplatz gerade erst verlassen. Von 1961 an lebte Schmidt mit seiner Ehefrau Loki am Neubergerweg in Langenhorn. Hierhin lud er ausländische Staatschefs wie Valéry Giscard d’Estaing und Weltpolitiker wie Henry Kissinger ein. Das Haus wird entsprechend dem Testament des Paares unverändert als Gedächtnisort bewahrt. Heute startet die erste öffentliche Führung. Pro Monat stehen allerdings nur 24 Plätze zur Verfügung. Die ersten Führungen bis Ende Juni waren innerhalb weniger Minuten ausgebucht.

Wie kann Hamburg besser werden, Frau M.?

© Kilian Trotier

Mich macht wütend und traurig, dass so viele Bäume in der Stadt gefällt werden. Immer hat das Bauen Vorrang! Mittlerweile wird das so effizient gemacht – man sieht nach zwei Tagen nicht mehr, dass an der Stelle 20, 30, 60 Jahre ein Baum gestanden hat, den ich nie wieder in dieser Größe erleben werde und der mir im Alltag fehlt. Und die Insekten und Vögel fehlen gleich mit. Ich wünsche mir Schutz mit Fantasie für jeden dieser alten Bäume. In Venedig habe ich mal eine Fotoausstellung gesehen, mit Bildern, wie in der ganzen Welt Bäume erhalten und ins Stadtbild integriert wurden, mit Gurten gesichert, mit Gestellen gestützt, von Gebäuden umbaut. In Tokio war das zum Beispiel. Davon sollte Hamburg lernen. Büsche und Gründächer können kein Ersatz sein, das ist doch klar.

Stefanie M. war am Sonntag beim "Hamburg besser machen"-Kneipenabend der ZEIT in Osdorf. Sagen Sie uns unter https://www.hamburgbessermachen.de, was nicht gut läuft in der Stadt – und was man ändern sollte.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Lesevertiefung

Drei Buchempfehlungen fürs Wochenende ...

RomanSchriftsteller sei kein Beruf, behauptet der Sachbearbeiter im Arbeitsamt. Um zu seinem Stempel zu kommen, beginnt der Antragsteller, eine Geschichte zu erzählen, aus der viele andere entstehen. Böse und verspielt, witzig und traurig – eine eindrucksvolle Lektüre über das Leben in Israel. Tomer Gardi: Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück. Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer. Droschl, 20 Euro

Kinderbuch Der Bär wundert sich, der Wald ist fast leer. Vom Habicht erfährt er, dass die Tiere in der Stadt ihr Glück versuchen. Leckeres Essen und keine Jäger, das klingt gut. Der Bär macht sich auch auf den Weg. Was aber, wenn er zu sehr auffällt und zu ungeschickt ist, um in der Stadt zu überleben? Mit vielen farbigen Illustrationen. Katja Gehrmann: Stadtbär. Moritz Verlag. 10,95 Euro, ab 6 Jahren.

Sachbuch Nobelpreisträger Karl v. Frisch war der Entdecker der Tanzsprache der Bienen. Die vorliegende Neuauflage des bereits 1927 erschienenen Buches informiert nicht nur über deren Kommunikation, sondern – verständlich und unterhaltsam — auch über alles andere Wissenswerte rund um die Bienen. Karl von Frisch: Aus dem Leben der Bienen. Czernin Verlag, 24 Euro

… ausgewählt von Frauke Eikmeier; Bücherkoje ; Mitte

Was geht

Typisch Insekt: Wofür braucht der Mensch eigentlich Insekten – was kümmern uns Schmetterlinge, Ameisen und Bienen? Faktencheck mit den Insektenforschern Martin Husemann und Martin Kubiak: "Insektensterben – Fakten, Ursachen und Lösungsansätze".

Centrum für Naturkunde, Bundesstraße 52, 17.30 Uhr

Typisch Comedy: Warum stopfen Frauen immer neue Klamotten in ihren Schrank, während Männer nur fünf Unterhosen, Hemden und Schlips haben? Wie, das sind Klischees? Das will Sonja Gründemann auf keinen Fall auf sich sitzen lassen; "Typisch Frau?!", Musik-Comedy.

Goldbekhaus, Moorfuhrtweg 9, 20 Uhr, 15 Euro

Was kommt

Lesung ohne Dach: Obdachlose haben in der Regel keine Lobby. Die Ausstellung "Schattenseiten in den Städten – Vom Leben am Rande der Gesellschaft in Hamburgs Mitte" stellt sie gerade deshalb in den Mittelpunkt. Zur Eröffnung lesen Autorin Susanne Groth und Arne Vogt, langjähriger Layoutleiter im Spiegel Verlag, aus ihrem gleichnamigen Bildband.

Kulturschloss Wandsbek, Königsreihe 4, Eröffnung, Lesung, Vernissage: Sa, 16 Uhr, Spenden erbeten

Pflanzen ohne Ende: Beim Hamburger Pflanzenmarkt duften Stauden, Obstbäume, Blumen und Kräuter. Außerdem gibt es Marmeladen und Säfte von der Streuobstwiese des Guts Karlshöhe, Olivenöle, Pflanzenseifen und Treibholzfundstücke.

Gut Karlshöhe, Karlshöhe 60d, So, 10–16 Uhr, 1 Euro, Kinder frei

Hamburger Schnack

Bahnhof Dammtor, Gleis 4. Ein Reisender höflich zu einer Reisenden: "Dann sind Sie also für ein schönes Wochenende nach Hamburg gekommen!?" Die Reisende, ganz sachlich: "Nee, einfach nur ein Wochenende..."

Gehört von H. Philippsen

Meine Stadt

Am Wochenende ist Sonne angesagt! Da zeigen wir Ihnen doch direkt noch ein Frühlingsfoto – hier vom Hamburger Michel. © Christiane Mekhchoun

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Das Doppelleben des Eric P. Ein Polizist machte gemeinsame Sache mit einer Rotlichtbande – jetzt wurde er zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Was trieb ihn zu dem Doppelleben?

Blond, schlank, ein Lächeln aus Plastik: Ein Hamburger Zeichner erfand das frivole Vorbild der Barbie – durch einen Zufall. Für Abonnenten.