Annika Lasarzik © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

was passiert, wenn die eigene Filterblase platzt? Wenn man mit Andersdenkenden diskutiert oder, für den Anfang, einfach mal zuhört? Das wollen Philip Faigle und Oliver Hollenstein am 4. Mai live ausprobieren: In Anlehnung an die Aktion "Deutschland spricht" bringen sie bei "Hamburg spricht" jeweils zwei Menschen unterschiedlicher Meinung zusammen, damit die sich über Hamburger Streitthemen austauschen. Das ist eine von 20 Veranstaltungen bei der sechsten Langen Nacht der ZEIT. Marc Widmann spricht mit Bürgermeister Peter Tschentscher, Sportsenator Andy Grote diskutiert mit HSV-Präsident Marcell Jansen und der Rollstuhlbasketballerin Mareike Willer über die Sportstadt Hamburg, Kilian Trotier interviewt Schauspielerin Sibel Kekilli. Zugegeben, ich hoffe sehr, er entlockt ihr ein paar Details über die "Game of Thrones"-Dreharbeiten. Anmelden können Sie sich unter www.zeit.de/zeitnacht. Vielleicht sehen wir uns!

Weiter unten finden Sie übrigens den neuen Teil unserer kleinen Fortsetzungsreihe zum Verkehr im Hamburger Süden.

Und nicht vergessen, Sie erreichen uns unter: hamburg@zeit.de.

Haben Sie einen schönen Tag!

Annika Lasarzik

Aktuelles

© Axel Heimken/dpa

Bürgerschaft diskutiert 100 Jahre Frauenwahlrecht

In historischen Kostümen haben SPD-Abgeordnete der Bürgerschaft gestern vor dem Rathaus für mehr Gleichberechtigung von Männern und Frauen demonstriert. Mit der Aktion erinnerten sie an die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. Auch in der Aktuellen Stunde im Rathaus ging es um dieses Thema. Es gebe Grund zu feiern, aber auch Grund zum Heulen, sagte die SPD-Abgeordnete Gabriele Dobusch und verwies auf die unterschiedliche Bezahlung und den niedrigen Frauenanteil in Unternehmensvorständen und Parlamenten. Die Grünen warben für eine Quote. Die CDU zeigte sich überrascht, dass der SPD kein aktuelleres politisches Thema für die Aktuelle Stunde einfiel.

© Axel Heimken/dpa

Taxi-Demo und neuer Spartarif bei mytaxi

Etwa 300 Taxis fuhren gestern hupend durch die Stadt. Sie protestierten gegen die Liberalisierung des Fahrdienstmarkts und gegen aufkommende Konkurrenz – wie durch den VW-Dienst Moia, der am Montag startet. Nun stellte auch der Hamburger Dienstleister mytaxi ein bundesweit einmaliges Angebot vor: Erstmals können in Hamburg ab heute Taxifahrten per App zu einem Festpreis gebucht werden. Dieser ist abhängig von der Entfernung und prognostizierten Dauer der Fahrt, auch die Nachfrage und eine Bereitschaft zum Warten werden einkalkuliert. Voraussetzung: Man muss zustimmen, die Fahrt mit anderen zu teilen, also möglicherweise nicht allein im Taxi zu sitzen und einen kleinen Umweg zu fahren. Die Fahrt ist dann billiger als bislang. Mehr als 1200 Fahrer in Hamburg machen mit.

                                                                                                  Marc Widmann

Trainerwechsel bei St. Pauli: Kauczinski geht, Luhukay kommt

Paukenschlag beim FC St. Pauli: Das Vereinspräsidium hat nach einer Serie von vier sieglosen Spielen hintereinander gestern sowohl Trainer Markus Kauczinski als auch Sportchef Uwe Stöver beurlaubt. Der neue Trainer heißt Jos Luhukay, ist Niederländer und arbeitete zuletzt in England bei Sheffield Wednesday. Er soll heute bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Den Posten von Stöver übernimmt bis zum Sommer Geschäftsführer Andreas Rettig. "Der Phrasendrescher geht!", meint Kollege Moritz Herrmann zum Wechsel – seinen Kommentar zu Kauczinskis Entlassung lesen Sie hier.

Kreative dürfen ihr Viertel selbst weiterentwickeln

Das ist ein Sieg für die Kreativen in den Zinnwerken in Wilhelmsburg: Der zuständige Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) soll gemeinsam mit den jetzigen Nutzern einen Plan für die Sanierung und den dauerhaften Betrieb der ehemaligen Fabrik als Kreativzentrum entwickeln. Das hat der Hauptausschuss der Bezirksversammlung beschlossen. Der Bezirk will sich zudem bei der Bürgerschaft um Planungsmittel bemühen. Und zuletzt soll alles, so wird im Antrag betont, bitte schnell gehen. Damit dürfen die Kreativen, die in den vergangenen Jahren die alte Fabrik wiederbelebt hatten, bleiben und selbst über die Zukunft mitbestimmen. Zwischendurch waren die Kreativen auf die Barrikaden gegangen, nachdem sie sich an einem Ideenfindungsprozess der städtischen Kreativ Gesellschaft nicht ausreichend beteiligt fühlten.

In einem Satz

In der Affäre um Freikarten für ein Rolling-Stones-Konzert im September 2017 wurde das Verfahren gegen Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) eingestellt, nachdem er eine Geldbuße von 3000 Euro gezahlt hatte +++ Weil die Beschäftigten der Bodendienste des Hamburger Flughafens das Verhandlungsergebnis zwischen ver.di und der Arbeitgeberseite abgelehnt haben, drohen kurz vor Ostern wieder Streiks am Airport +++ Die Hamburg Towers bekommen 4,5 Millionen Euro vom Bund für den Bau eines neuen Sportzentrums in Wilhelmsburg +++  Ein 21-jähriger Fußgänger wurde in der Mönckebergstraße von einem Linienbus angefahren und lebensgefährlich verletzt +++ Die Zahl der Drogentoten ist im vergangenen Jahr von 11 auf 18 gestiegen

Was heute auf der Agenda steht

Die A 7 in Richtung Süden zwischen Eidelstedt und Stellingen ist wieder frei +++ Im Grünspan startet das Hamburg Burlesque Festival +++ Finanzsenator Andreas Dressel nimmt an einer Diskussionsveranstaltung des Vereins Poppenbüttel Hilft teil

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Die Hebamme

Natürlich macht es Spaß, darüber zu spekulieren, wem das Baby ähnlich sieht. Da mache ich auch gerne mit. Die Natur hat es ja so eingerichtet, dass die Kleinen am Anfang aussehen wie die Väter. Das entspricht auch meinen Beobachtungen. Oft ähneln sich die Stellung der Augen oder die Mundpartie. Erst neulich hatte ich ein Baby vor mir liegen, das einfach genau den gleichen Gesichtsausdruck draufhatte wie sein Papa.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Bodo Marks/dpa

Was stört am Verkehr im Süden?

Gestern lasen Sie an dieser Stelle, was unsere Leserschaft über den öffentlichen Nahverkehr in Wilhelmsburg denkt. Kurz: Busse und Bahnen kommen oft verspätet und sind ebenso oft überfüllt, ein Ersatzverkehr wird gerade an solchen Tagen eingerichtet, an denen man ihn so gar nicht gebrauchen kann.

Die Fähre – fährt sie, fährt sie nicht …?

Jetzt schauen wir, wie angekündigt, aufs Wasser: Der schönste Weg von und zur Elbinsel ist die Fähre 73. Man schippert durch Ecken, an denen der Hafen so richtig schön nach Hafen aussieht. Möwen, Salzgeruch, Industriecharme, pompöse Konzerthäuser (also mindestens eins), alles da. Doch die Fähre fährt relativ selten, am Wochenende gar nicht. Für eine Erweiterung des Fahrplans setzt sich seit Längerem eine Initiative aus Wilhelmsburg ein.

"Die Fähre 73 fährt nur alle 20 bis 40 Minuten und nicht bei Hochwasser zum Anleger Ernst-August-Schleuse, eine längere Laufstrecke entfernt vom Reiherstiegviertel. Der Bus, der dort hält, ist nicht mit dem Fahrplan der Fähre koordiniert. Am Wochenende fährt die Fähre gar nicht, obwohl eine Bürgerinitiative das seit Jahren fordert und Wilhelmsburg auch von vielen Touristen besucht wird."

"Wieso wird die Fähre 73 nicht auch am Wochenende eingesetzt, wenigstens wenn Ersatzverkehr ist?"

"Ich wohne sehr gerne in Wilhelmsburg. Sehr gerne! Am Verkehr stört mich am meisten, dass die Fähre nicht am Wochenende fährt."

"Die Hadag behauptet immer noch, es gäbe am Wochenende keine Nachfrage nach der Fähre 73. Das ist nicht schlüssig, denn gerade am Wochenende hat man Zeit, die Pläne an den Fahrplan anzupassen, es sind Ausflügler unterwegs."

Und wie sieht es in Harburg aus?

Für Unmut im Stadtteil sorgen die Pläne der Bahn, einen Großteil der Fernzughalte am Bahnhof ab dem kommenden Jahr wegen Sanierungsarbeiten zu streichen. Auch die Politik hat das Thema auf dem Zettel: SPD, Grüne und FDP brachten gestern in der Bürgerschaft einen gemeinsamen Antrag ein, wonach alle ICE-, IC- und EC-Züge, die den Harburger Bahnhof durchfahren, künftig auch dort halten sollen.

Folgende Meldung erreichte uns von einer Mitarbeiterin der Technischen Universität Hamburg in Harburg:

"Während Harburgs Binnenhafen-Gebiet boomt, stellen wir fest: Für uns als TUHH, die wir attraktiv für Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Mitarbeiter und internationale Gäste sein möchten, ist die Infrastruktur ein wesentlicher und schwacher Faktor. Die Anbindung von Hamburg nach Harburg und umgekehrt könnte schnell sein, allerdings mussten wir in den letzten fünf Jahren durch Bauarbeiten und viele Störungen einen ewigen Schienenersatzverkehr in vollen Regionalzügen oder Bussen in Kauf nehmen. Nur zwei S-Bahn-Linien, die Hamburg mit Harburg verbinden, sind zu wenig. Fernzüge oder ICEs in Harburg nicht halten zu lassen ist keine Lösung."

Die Veddel haben wir natürlich auch auf dem Schirm, daher sei hier noch folgende Mail zitiert:

"Wir wundern uns auf den Elbinseln. Auch darüber, dass wir jetzt in diesem überfüllten Zug über die Elbbrücken fahren, wo wir, die Nase an die beschlagene Waggontür gepresst, auf die neu erbaute U4-Station Elbbrücken schauen, die majestätisch und gänzlich menschenverlassen im Ödland eines noch nicht erbauten Stadtviertels steht. Bei der Erweiterung der Zukunftslinie U4 wird ein großer Bogen um die Veddel gemacht. Warum?"

Kleiner Spoiler: Wir sammeln nicht nur Beschwerden, sondern auch konstruktive Lösungsvorschläge.

Doch das war’s für heute, wir bleiben dran!

© Markus Birzer/dpa

Wie kann Hamburg besser werden, Herr Schellhorn?

"Bürgerbeteiligung sollte in Hamburg neu gedacht werden. Es gibt gerade auf dem Dulsberg zu viele Menschen, die von der Politik desillusioniert sind. Sie könnten wir vielleicht durch neue Formen der Bürgerbeteiligung ansprechen. Warum nicht zum Beispiel ein Format nach dem antiken griechischen Losverfahren einführen? Zufällig ausgewählte Bürger besprechen dabei ein konkretes Projekt oder die Zukunft des Stadtteils. Das ist sicher aufwendig. Aber einen Versuch wäre es wert."

Martin Schellhorn war am 20. Februar beim Kneipengespräch in Dulsberg dabei. Sagen Sie uns unter https://www.hamburgbessermachen.de doch auch mal, was nicht gut läuft in der Stadt – und was man ändern sollte.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Mittagstisch

Gutes indisches Buffet

Das vor einigen Wochen neu eröffnete Mr Ranas Buffet fährt ein recht seltenes Konzept: Die eine Seite des kleinen, unprätentiös eingerichteten Lokals beheimatet ein Eiscafé, die andere ein regelmäßig wechselndes indisches Buffet, von dem man sich mittags nach dem All-you-can-eat-Prinzip für 7,90 Euro nach Lust und Laune bedienen kann. Angeboten werden sieben verschiedene, vor allem hähnchenlastige Gerichte (Hähnchenbrust in Mangosauce, Hähnchenbrust mit Champignons in Curry-Sahnesauce, Chicken Jalfrezi, aber auch Vegetarisches wie etwa Kichererbsen in Ingwer-Tomatensauce sowie zwei Sorten Pakoras). Es schmeckt gut, einigen Gerichten, speziell den Pakoras, merkt man allerdings das lange Warmgehaltenwerden an. Dafür sind Letztere umso schärfer gewürzt, das macht Laune. Fazit: Wer es beim Essen nicht unbedingt gemütlich haben muss und im neuerdings um die Mittagszeit übervollen und teuren Ottensen nach einer neuen Anlaufstelle sucht – und dazu noch gern Fleisch ist –, der kann hier in der Tat mal vorbeischauen.

Ottensen, Mr Ranas Buffet, Bahrenfelder Str. 110–116, Mittagstisch Mo–Fr 11–16 Uhr

 

Nina Thomsen

 

Was geht

Lesung mit Fernweh: Afrikanische Djembé-Rhythmen klingen durch Eppendorf. Auftritt Wolf-Ulrich Cropp: Mit Federn am Abenteurer-Hut erzählt der Schriftsteller von seinen jüngsten Reisen. "Im Schatten des Löwen" ertrug er die Hitze, "Jenseits der Westwelt" lernte er, nach einem Leben in friedvoller Zukunft zu schürfen.

Bethanien Höfe, Martinistraße 41–49, 19 Uhr, 12 Euro

Was bleibt

Mensch, Wolf: Kaum ein Tier ist den Ängsten und Sehnsüchten der Menschen so nahe wie der Wolf. Er gilt als Nomade, der ungefragt Grenzen überschreitet, als Raubtier, Forschungsobjekt, Märchen- und Mythenfigur. Die Ausstellung "Von Wölfen und Menschen" durchleuchtet kulturgeschichtliche Auseinandersetzungen mit Wolf-Mensch-Beziehungen, aktuelle Diskurse in Populärkultur, Kunst und Wissenschaft.

Markk, Rothenbaumchaussee 64, Ausstellung bis zum 13.10.2019

Tipps für Kids

Mini: Der kleine Gorilla befreit jede Nacht Elefant, Löwe, Giraffe und Hyäne und folgt dem Zoowärter bis ins Bett. Mit Blick auf Details der Bilderbuchvorlage "Gute Nacht, Gorilla" erzählt das Theater Mär vom wunderbaren Gefühl, gemeinsam geborgen zu sein. Bewegungstheater für Kinder ab drei Jahren.

Sprechwerk, Klaus-Groth-Straße 23, 16.4.,11 Uhr, 17.4., 9.30/11 Uhr, 18.4., 11 Uhr, Ostermontag, 15 Uhr, Kinder VVK 7,10 Euro, Erwachsene VVK 11,70 Euro

MiniMediMaxi I Mit Sonne im Rücken radelt es sich besonders fix. Deshalb läutet der alljährliche Fahrradflohmarkt auf Gut Karlshöhe die Saison der Zweiräder, Roller, Skateboards und Inliner ein. Runde Sache für die ganze Familie.

Gut Karlshöhe, Karlshöhe 60d, Sa, 10–12 Uhr, Eintritt frei

MiniMediMaxi II: Der böse Wolf, das dumme Huhn, der störrische Esel. Stimmen diese Klischees? In Märchen aus aller Welt übernehmen Tiere häufig ganz andere Rollen. Beim 11. Märchenfest erzählen Vorleser tierische Geschichten für Erwachsene und Kinder. "Wolf, Bär und Fledermaus, geh’n im Märchen ein und aus!"

Markk, Rothenbaumchaussee 64, So, 10.30–17 Uhr, Beginn zu jeder vollen Stunde, Kinder ab 6 Jahren 4 Euro

Hamburger Schnack

In Finkenwerder. Ungefähr zehn Personen laufen gemächlich die Brücke runter zur Fähre 62. Von oben ruft jemand: »Leute, nun macht mal zügig, der Kapitän hat gleich Feierabend und will aufs Sofa!«

Gehört von Traute Pfeiffer

Meine Stadt

Wer sich schon immer fragte, wie der Weihnachtsmann die Zeit bis zum nächsten Fest verbringt... © Wilfried Schramm

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Der Phrasendrescher geht. Der FC St. Pauli trennt sich von Trainer Markus Kauczinski. Der Grund für die Entlassung liegt nicht auf dem Platz, sondern eher in der (allzu heißen) Luft.