Sigrid Neudecker © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Herbst 2017 stellte unser Autor Stefan Buchen seine erste Anfrage an das Staatsarchiv Hamburg. Er wollte Einblick in die Strafakten des Hanseatischen Oberlandesgerichts aus der NS-Zeit. Immer wieder wurde er vertröstet, die Dokumente seien unbearbeitet und daher der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Anfang des Jahres durfte er sie endlich einsehen. Buchen arbeitete sich durch 460 Strafverfahren, die auch jetzt noch, Jahrzehnte später, erschüttern. Die Akten zeigen nicht nur, mit welcher Bereitschaft die Bevölkerung damals denunziert hat, sondern auch, wie willig die Hamburger Justiz das NS-Regime unterstützte. Die neue Ausgabe der ZEIT erscheint zwar erst morgen, aufgrund der Brisanz der Dokumente stellen wir die Titelgeschichte allerdings schon heute online. Digitalabonnentinnen und -abonnenten können sie hier lesen, alle anderen finden sie von morgen an im Hamburg-Teil der aktuellen ZEIT.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihre Sigrid Neudecker

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

© Markus Scholz/dpa

Immobilien in und um Hamburg werden teurer

Häuser und Wohnungen in und um Hamburg sind im vergangenen Jahr wieder teurer geworden. Durchschnittlich 4483 Euro kostete der Quadratmeter einer bestehenden Eigentumswohnung in Hamburg zuletzt, das war etwa doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Für eine neu gebaute Wohnung mussten die Hamburgerinnen und Hamburger im Schnitt 5260 Euro pro Quadratmeter zahlen. Das geht aus einer Erhebung des Forschungsinstituts F+B für die Bausparkasse LBS hervor. Noch stärker steigen die Preise derzeit im Umland – für Bestandswohnungen zuletzt im Durchschnitt um neun Prozent auf 2295 Euro. Ein Ende der Preisentwicklung ist der Studie zufolge nicht in Sicht. Der Bedarf an Immobilien werde durch das Angebot absehbar nicht gedeckt.  

                                                                                        Oliver Hollenstein

© Axel Heimken/dpa

HSV im DFB-Pokal gegen RB Leipzig ausgeschieden

War ja klar. Der HSV gurkt sich durch die zweite Bundesliga, spielt gegen Abstiegskandidaten Unentschieden oder verliert sogar in letzter Minute, und wenn es gegen einen Bundesligisten geht, wenn niemand etwas von dieser Mannschaft erwartet, spielt sie stark. Nach der ersten Halbzeit stand es 1:1, die Sensation war zumindest möglich nach einem herrlichen Tor von Bakery Jatta. Am Ende ist das Ergebnis jedoch eindeutig: 1:3 verliert der HSV im Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig, auch wegen vergebener Chancen wie jener von Khaled Narey, der hier auf unserem Bild eine typische Handbewegung macht. Noch wichtiger als das Resultat war, dass die Mannschaft gekämpft hat gegen einen Gegner, der aktuell das drittbeste Team des Landes ist. Der Traum vom Pokal ist nun trotzdem ausgeträumt. Jetzt steigt der Druck, in die erste Bundesliga aufsteigen zu müssen.

                                                                                          Kilian Trotier

Schanzenanwohner wollen keine Clubs vor der Tür

Die Musikclubs Astrastube, Waagenbau und Fundbureau, die durch den Abriss der Sternbrücke ihren Standort verlieren, werden auch beim S-Bahnhof Sternschanze kein neues Zuhause finden. Nachdem vor allem Kulturschaffende die drohende Heimatlosigkeit der Clubs beklagt hatten, wollte die Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg) auf dem Grünstreifen unterhalb der S-Bahn-Gleise ein Kulturhaus errichten. Das Bezirksamt Altona startete daraufhin eine Umfrage unter der Bevölkerung. Nun wurde bekannt: Die lehnt den Vorschlag "mehrheitlich" ab. Das bestätigte das Bezirksamt nach einem Bericht von NDR 90,3. Die Anwohner wollten die 40 Bäume auf dem Grünstreifen nicht gegen eine mögliche Lärm- und Müllbelastung durch die Clubs eintauschen. Wo diese nun hinsollen, ist weiterhin offen.

In einem Satz

In Eimsbüttel wurde in der Nacht zum Dienstag eine 22 Jahre alte Frau getötet, verdächtig ist ein 34 Jahre alter Nachbar +++ In Stellingen ist an der Kreuzung Holstenkamp/Große Bahnstraße gestern ein Radfahrer durch einen abbiegenden Pkw verletzt worden +++ Ein Brand in einer Lagerhalle in Hammerbrook löste in der Nacht zum Dienstag einen Großeinsatz der Feuerwehr aus +++ Wie NahverkehrHAMBURG berichtet, wurde der Fährverkehr zwischen den Landungsbrücken und Wedel wegen mangelnder Auslastung nach der Winterpause nicht wieder aufgenommen

Was heute auf der Agenda steht

Bürgermeister Peter Tschentscher eröffnet in Alsterdorf den bundesweit ersten komplett auf E-Mobilität ausgelegten Busbetriebshof +++ Im Hyperion Hotel startet das Jahrestreffen der Hochbegabtenvereinigung Mensa +++ Die Ärztevereinigung Marburger Bund ruft die Mediziner der Asklepios-Kliniken, des Universitätsklinikums Eppendorf und des Universitären Herzzentrums zu einem Warnstreik auf

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Die Eiscafébesitzerin

Ich habe schon richtig freche Jungs weggeschickt, wenn die meine Mitarbeiterinnen oder mich unhöflich oder herablassend behandelt haben. Wenn ich einen dreimal aufgefordert habe, vernünftig zu sprechen, und nichts passiert, sage ich: "Pass mal auf, Jungchen, jetzt gehst du zu deinem Vater und redest genau so mit ihm. Wenn der das okay findet, kannst du wieder herkommen." Einer kam dann tatsächlich mit seinem Vater zurück. Dem war das schietegal. Der Vater ist übrigens Anwalt.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Historiker legt Studie zur Geschichtsaufarbeitung von Geschichtsvereinen vor

In den vergangenen Jahrzehnten haben Firmen, Vereine und staatliche Einrichtungen ihre Geschichte im Nationalsozialismus aufbereitet. Wer das bislang noch nicht getan hat, sind absurderweise die Geschichtsvereine. Hamburg spielt jetzt die Vorreiterrolle, in Person von Gunnar B. Zimmermann. Der Historiker legt eine 704 Seiten dicke Studie vor: "Bürgerliche Geschichtswelten im Nationalsozialismus – Der Verein für Hamburgische Geschichte zwischen Beharrung und Selbstmobilisierung". Heute Abend präsentiert er das Buch um 18 Uhr im Vortragsraum der Staats- und Universitätsbibliothek. Die Veranstaltung wird vom Verein für Hamburgische Geschichte organisiert, der Eintritt ist frei.

                                                                                                  Kilian Trotier

© Anders Petersen

Schönes altes Hamburg – zu sehen in Stade

Wer wissen will, wie Hamburg früher ausgesehen hat, muss die Stadt verlassen und nach Stade fahren. Im dortigen Kunsthaus läuft noch bis zum 5. Mai die Ausstellung "Es war einmal" mit Fotografien aus den 1950er- bis 1970er-Jahren von Anders Petersen, Herbert Dombrowski und Germin. Hier sehen Sie Petersens "Ninna", fotografiert vermutlich im Jahr 1968, eine ausführliche Rezension der Ausstellung von unserem Kollegen Oskar Piegsa lesen Sie auf ZEIT ONLINE.

Verkehrsprobleme im Hamburger Süden – das antwortet die Stadt (Teil 3)

Wir haben unsere Leserinnen und Leser gefragt, wie man den Hamburger Süden besser an den Rest der Stadt anbinden könnte. Ihre Vorschläge haben wir gebündelt und der Verkehrsbehörde mit der Bitte um Stellungnahme übermittelt.

Frage an die Verkehrsbehörde: Wie ist der allgemeine Stand zur Planung der U4? Ende des Jahres hieß es, eine Weiterführung der U4 über den Kleinen Grasbrook werde geprüft – wie sieht es jetzt aus? Wovon hängt es ab, ob die U4 bis nach Harburg weitergeführt wird oder nicht?

Antwort: Bei der Entwicklung des Kleinen Grasbrooks wird auch eine mögliche U4-Verlängerung Richtung Reiherstiegviertel berücksichtigt. Hier sprechen wir allerdings von einer langfristigen Perspektive. Denn sinnvoll ist das nur mit entsprechend städtebaulichen Entwicklungen im Umfeld. Zunächst aber binden die großen Schienenprojekte S4 Richtung Lübeck, S21 nach Kaltenkirchen, U5 in der City und S32 nach Harburg die Ressourcen. Diese genießen Priorität, weil sie in weiten Teilen erstmals Gebiete ans Schnellbahnnetz anschließen.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Mittagstisch

Balsam für gestresste Großstädter

Nett eingerichtete, angenehm beleuchtete Restaurants mit entspannter Atmosphäre sowie frischen Blumen auf den Tischen sind Balsam für gestresste Großstädter auf der mittäglichen Suche nach Nahrung. Im Lucacelli in Eppendorf ist für diese Atmosphäre der Inhaber, Pooya Pourmaleki, zuständig, in der Küche steht ein gebürtiger Neapolitaner. Der muss jedoch erst durch Überzeugungsarbeit dazu gebracht werden, eine krosse Pizza für den nordischen Gaumen herzustellen, sehr un-neapolitanisch. Der Pizzateig durfte 48 Stunden gehen und ist bei der »Pizza alla Lucacelli« mit Hähnchenbrust, Sauce Hollandaise, Paprika, Kirschtomaten, roten Zwiebeln und Mozzarella-Fior di Latte fein belegt. Mittags kostet jede Pizza inklusive Softdrink nur 8,90 Euro, am Besuchstag umfasste das Angebot aber auch Salat, ein Panino, Penne, Hähnchenschenkel und Fisch. Die Hauslimonaden Mango-Orange oder Himbeere-Limette-Minze machen auch optisch was her, kosten aber extra (4,90 Euro).

Eppendorf, Lucacelli, Eppendorfer Landstraße 95, Mittagsangebote Di–Fr 12–17 Uhr,

 

Christiane Paula Behrend


Freikarten

Für die Präsentation von Jana Simons neuem Buch "Unter Druck" heute um 20 Uhr im Abaton-Kino stellt der Verlag S. Fischer noch einmal 25 Freikarten für ZEIT-Abonnentinnen und -Abonnenten zur Verfügung. Interessierte können sie unter diesem Link anfordern.

Was geht

Hai-Alarm: Das Image des Hais ist schlecht. Dabei sind die großen Fische ein wichtiger Teil des Ökosystems, ihr Verschwinden aus den Weltmeeren hätte verheerende Folgen. Lucas Schmitz berichtet in seinem Vortrag "Der Hai – gejagter Jäger" von der Schönheit der Tiere.

Greenpeace Hamburg, Hongkongstraße 10, 19.30 Uhr, Eintritt frei

Friedensbewegung im Jetzt: Der Dokumentarfilm "Die Waffen nieder! Schwerter zu Pflugscharen" zeigt die Geschichte der aktuellen Friedensbewegung von 1981 bis 2017. Regisseur Nils-Holger Schomann lädt anschließend zur Diskussion ein.

3001 Kino, Schanzenstraße 75, 20 Uhr

Autodidakt mit Gitarre: Beigebracht wurden Thomas Duesmann Klavier und Violine, sein heutiges Konzert jedoch spielt er auf einer akustischen Gitarre. Fingerpicking à la Merle Travis, Ausflüge in den Slide- und Lap-Steel – all das kombiniert er geschickt und melodisch in den Soli seines Debütalbums "My First Peace".

Kulturcafé Komm du, Buxtehuder Straße 13, 20–22 Uhr, Eintritt frei

Hamburger Schnack

Mann mit drei Kindern, etwa 2, 4 und 6 Jahre, unterwegs in Rotherbaum. Die älteren Kinder auf dem Rad, das Jüngste auf dem Arm des Papas.

Papa zu Kind 1: »Möchtest du Roller fahren oder weiter auf den Arm?«

Kind 1: »Arm.«

Papa: »Ich würde auch lieber auf den Arm.«

Kind 2: »Ich auch.«

Kind 3 aus der Ferne: »Ich auch!«

 

Gehört von Julia Konrad

 

Meine Stadt

Der Rest vom Osterspaziergang © Rainer Kolbe

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Hamburgs braune Juristen: Neu entdeckte Akten zeigen, wie das oberste Gericht der Stadt in der Nazi-Zeit gearbeitet hat, wie eifrig Hamburger ihre Mitbürger denunzierten – und wie unbehelligt Täter nach dem Krieg weiterleben konnten. 

In Stade läuft noch bis 5. Mai eine Fotoausstellung mit alten Aufnahmen von Altona und St. Pauli.