Annika Lasarzik © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

ob es nun um Schulen, Kitas oder den Rückkauf der Energienetze ging, um Olympia oder Inklusion: In Hamburg gab es schon viele Volksinitiativen. Meistens hatten sie Erfolg, ihre Forderungen konnten sie selbst gegen Mehrheiten im Parlament durchsetzen. Für die Volksinitiative gegen den Pflegenotstand aber ist gerade kein Happy End in Sicht. Gestern entschied das Hamburgische Verfassungsgericht, dass ihr Volksbegehren unzulässig ist, formal wie inhaltlich – weil es mehrere Forderungen miteinander verknüpfte, zu oft umgeschrieben wurde, Hamburg gar nicht im Alleingang über die Personalausstattung in Kliniken entscheiden kann, zuständig ist der Bund. Der Senat, der das Gericht angerufen hatte, bekam also in allen Punkten recht. Die Initiatoren sehen in dem Urteil nun einen "Schlag ins Gesicht für alle Pflegekräfte und Patienten". Überraschend kam es allerdings nicht.

Und ich musste an das Streitgespräch aus der aktuellen ZEIT:Hamburg denken. Eine Pflegerin, eine Ärztin, ein Wissenschaftler und ein Krankenhausmanager diskutieren darüber, wie groß der Druck in den Hamburger Kliniken wirklich ist. Nachlesen können Sie die Diskussion hier

Doch nun erst mal weiter im Programm. Haben Sie einen schönen Tag!

Ihre Annika Lasarzik 

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

© Axel Heimken/dpa

Hamburg Towers feiern im Rathaus

So sieht gute Laune aus: Nach Erstliga-Aufstieg und Zweitliga-Meistertitel wurden die Basketballer der Hamburg Towers gestern im Rathaus empfangen, gebührend mit Sekt und Lob vom Bürgermeister. "Ihre Erfolgsgeschichte zeigt, wozu unsere Stadt in der Lage ist. Sie sind ein Vorbild, nicht nur für den Sport, sondern für die ganze Stadt", sagte Peter Tschentscher. Da kann man sich schon mal ein Gläschen gönnen.

© Malte Christians/dpa

Zieht eine Brauerei in die Soul-Kitchen-Halle?

Wird die Soul-Kitchen-Halle in Wilhelmsburg doch gerettet? Die Stadt stehe mit Unternehmen in Verhandlungen über eine Vergabe im Rahmen der Wirtschaftsförderung, die aber auch kulturelle, kreative Nutzungsanteile beinhalten muss, schreibt die zuständige Finanzbehörde auf eine Anfrage der ZEIT. "Ein denkbarer Nutzungsmix ist beispielsweise eine Brauerei mit Ausschank als frequenzbringendes und belebendes Element in der zu sanierenden Halle, gekoppelt mit kleineren (Neubau-)Einheiten für die Kultur- und Kreativwirtschaft." Das sind neue Töne von der Stadt. Sie hatte die Halle vor sechs Jahren wegen Einsturzgefahr geschlossen, seither hieß es, eine Sanierung sei zu teuer. Nun steht die Rettung der Halle, die durch Fatih Akins Film "Soul Kitchen" bekannt wurde, offenbar doch im Raum. Am Wochenende hatten Aktivisten das Areal kurzzeitig besetzt und eine nicht kommerzielle Nutzung des Grundstücks gefordert. Weshalb die Halle seit 2012 leer stand und bislang nicht saniert wurde, sagte die Behörde nicht.

                                                                                                      Félice Gritti

Hamburg will 39 neue Schulen bauen

Bis 2030 steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Hamburgs Schulen aktuellen Prognosen zufolge von 195.000 auf 240.000. Wo sollen die alle unterrichtet werden? Zu dieser Frage hat Schulsenator Ties Rabe (SPD) gestern einen Vorschlag präsentiert: 39 Schulen will die Stadt in den kommenden elf Jahren bauen, davon 19 Grundschulen und 20 weiterführende Schulen. Das wird dann für etwa die Hälfte der zusätzlichen Schüler ausreichen. Für die andere Hälfte müssen bestehende Schulen ausgebaut werden, jede dritte Schule wird davon betroffen sein, insgesamt mehr als 100 Schulen. Grundschulen sollen trotz des Ausbaus aber nicht größer als maximal sieben Parallelklassen werden, weiterführende Schulen maximal acht Parallelklassen haben. Etwa vier Milliarden Euro wird das Bauprogramm bis 2030 kosten. Ursache für den Anstieg der Schülerzahlen sind vor allem die stark gestiegenen Geburtenzahlen, zum kleineren Teil auch Zuzüge. In den kommenden Monaten will Rabe seinen Vorschlag nun mit Lehrern, Eltern und Schülern in den einzelnen Stadtteilen diskutieren.

                                                                                              Oliver Hollenstein

So wirbt die Stadt fürs Radfahren

Eine große Imagekampagne der Stadt soll noch mehr Hamburger fürs Radfahren begeistern. Das Motto: "Fahr ein schöneres Hamburg". Zum Auftakt wurde gestern der offizielle Kampagnensong präsentiert (nachzuhören hier), den diverse Musiker der Stadt gemeinsam aufgenommen haben. Neben einer Plakatkampagne und dem Online-Portal Fahrrad.hamburg sind auch aufsehenerregende Aktionen geplant: So soll im kommenden Frühjahr zur Kirschblütenzeit für einen Tag ein Radweg über die Binnenalster errichtet werden, auf dem die Hamburger dann radelnd übers Wasser gleiten können. Kreuzungen sollen zeitweise von Künstlern bemalt werden. Die von der Agentur Jung von Matt Sports entwickelte Kampagne läuft drei Jahre lang und kostet gut vier Millionen Euro.

                                                                                                   Marc Widmann

Messe will neue Multifunktionshalle in der Schanze bauen

Die Messe denkt darüber nach, direkt im Schanzenviertel eine neue Halle mit bis zu 4500 Plätzen zu bauen. Das Gebäude könnte direkt an der S-Bahn-Station Sternschanze auf einem Parkplatz hinter dem Gasthof Altes Mädchen entstehen. Sie könnte für große Messen, im Rest des Jahres aber auch für feierliche Bankette und gelegentliche Großveranstaltungen genutzt werden. Solche Veranstaltungen finden bisher im Mehr Theater am Großmarkt statt, dort zieht aber bald das Musical "Harry Potter" ein. Ein Senatssprecher äußerte sich zunächst sehr skeptisch zu den Plänen, es seien noch viele Fragen offen. Erst vor wenigen Wochen hatte eine Umfrage unter den Anwohnern der Schanze ergeben, dass sie an der S-Bahn-Station keine weiteren Clubs haben möchten.

                                                                                               Oliver Hollenstein

In einem Satz

Der ICE von Hamburg nach Berlin soll ab Winter 2020 im Halbstundentakt fahren +++ Eine Harburgerin hat 1,58 Millionen Euro im Lotto gewonnen +++ Weil der Flughafen ab heute eine Start- und Landebahn in Niendorf/Langenhorn wartet, werden bis zum 26. Mai mehr Flüge über die Innenstadt geführt

Was heute auf der Agenda steht

In der Bürgerschaftssitzung geht es unter anderem um den Hochschulpakt zwischen Bund und Ländern und die Proteste für bezahlbaren Wohnraum +++ Die Lange Nacht der Museen stellt ihr Programm vor +++ Die Uni Hamburg verleiht zum achten Mal den Joseph Carlebach-Preis für herausragende wissenschaftliche Beiträge zur jüdischen Geschichte, Religion und Kultur

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Der Pastor

Neulich fragte ein Kollege bei einem Vorbereitungstreffen für einen Glaubenskurs: Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal erlebt, dass euch jemand ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt hat? Betretenes, nachdenkliches Schweigen in der Runde. Dann erzählte er von einem Kioskbesitzer, der ganz Ohr ist und dem die Leute alles Mögliche anvertrauen. Ganz Ohr sein – das war für mich eine Inspiration für meine Gesprächshaltung. Auch für meine Aufgaben als Pastor. In der Bibel steht schon: "Seid schnell zum Hören und langsam zum Reden." (Jakobusbrief 1,19). Das will ich mir zu Herzen nehmen: ungeteilte Aufmerksamkeit.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Christian Charisius/dpa

"Wir sind hier nicht bei ›Bares für Rares‹"

Es ist ein Ort der Hoffnung und der großen Enttäuschungen. Das Zentrale Fundbüro in Altona ist eines der größten Deutschlands, in den Regalen lagern Tausende Dinge, die irgendwo vergessen wurden – zuweilen sind wahre Kostbarkeiten dabei. Heute steht die nächste große Versteigerung an. Peter Jander, stellvertretender Leiter des Fundbüros, hat vorab mit uns gesprochen.

Elbvertiefung: Herr Jander, wie viel Zeug lagert bei Ihnen?

Peter Jander: 2018 waren es über 41.000 Fundsachen, seit ein paar Jahren werden es immer mehr. Wie viele Gegenstände gerade genau bei uns lagern, kann ich gar nicht sagen. Wir sind zwar nicht Amazon, aber unser Lager entspricht schon dem eines mittelgroßen Logistikbetriebs.

EV: Was verlieren die Hamburger besonders oft?

Jander: Handys, Portemonnaies, Mützen, Schals. Eben all das, was man direkt am Körper trägt und schnell mal liegen lässt. Das passiert am Wochenende auf dem Kiez und bei Groß-Events wie dem Hafengeburtstag offenbar besonders oft. Im Sommer wird mehr abgegeben als sonst, wahrscheinlich, weil dann mehr Touristen unterwegs sind. Und wir bekommen etwa 150 Fahrräder pro Monat, die uns die Polizei frühestens zehn Wochen nach Auffinden gibt.

EV: Landen auch Kuriositäten oder Kostbarkeiten bei Ihnen?

Jander: Na und ob. Mitten in der U-Bahn stand neulich ein Crosstrainer, einfach so. Ich kann mich an eine alte Rikscha erinnern, gerade steht hier eine Büste von Johann Wolfgang von Goethe rum. Dazu kommen Schmuckstücke, wir haben gerade eine alte Münze bekommen, mit einem Goldwert von über 1000 Euro. Und eine Goldkette im Wert von 1350 Euro. In solchen Fällen schätzen wir selbst. Wir sind hier ja nicht bei "Bares für Rares", wo ein Experte alles unter die Lupe nimmt. Schmuck und Handys lagern wir dann in Safes und gut abgesicherten Räumen.

EV: Für wie lange?

Jander: Das kommt auf den Fundort an. Straßenfunde lagern wir sechs Monate ein. Schlüssel und Funde aus der Hochbahn, für die wir auch zuständig sind, zwei Monate.

EV: Was geht bei den Versteigerungen besonders gut weg?

Jander: Ganz klar: Fahrräder. Dafür machen wir zehn- bis zwölfmal im Jahr eine eigene Versteigerung. Letztes Jahr haben so über 2000 Räder einen neuen Besitzer gefunden.

Mehr zu allen wichtigen Fristen, Gebühren und Terminen erfahren Sie hier. Und wer noch mehr über die Arbeit des Zentralen Fundbüros erfahren möchte, kann mal bei Twitter vorbeischauen.

Der 8. Mai: Ein Tag des Erinnerns

Eines wollen wir heute über allen anderen Nachrichten nicht vergessen: Am 8. Mai endete der Zweite Weltkrieg, auch in Hamburg ist es ein Tag des Gedenkens. Eine Auswahl: Der Förderkreis Stadthaus zum Beispiel hält heute eine Mahnwache vor dem Eingang der Stadthöfe ab, um an die Opfer des NS-Regimes zu erinnern, die in dem ehemaligen Gestapo-Hauptquartier gefoltert und getötet wurden. Um 19 Uhr folgt eine Aufführung des Oratoriums "tenebrae" von Michael Batz und Ernst Bechert. Die Asklepios Klinik Nord und die Evangelische Stiftung Alsterdorf erinnern mit Vorträgen, Lesungen und einem Kindermusical an Hamburger mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, die getötet wurden. Weitere Infos dazu finden Sie, wenn Sie hier etwas herunterscrollen. Und der Arbeitskreis "Bücherverbrennung – nie wieder" lädt ab 11 Uhr zu einer Lesung aus Büchern, die 1933 von den Nazis verbrannt wurden. Auch die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano wird anwesend sein.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Mittagstisch:

Im veganen Himmel

Schon oft ist man am Limu (persisch für Limette) vorbeigeradelt – was für ein Fehler! Der Laden ist nicht nur hübsch mit seiner grünen Holzfassade und den Sitzplätzen unter einem Ahornbaum, drinnen mit Teppichen, schummriger Beleuchtung und Kissen, auch das Essen ist extrem gut. Täglich wechselndes, liebevoll angerichtetes und frisch gekochtes veganes Essen wird hier von freundlichen Menschen in familiärer Atmosphäre serviert. Gestartet wird mit einer wunderbaren und ausnehmend hübsch garnierten Limo mit Maracuja, Minze und Limette (4 Euro) und einem schön scharfen und perfekt gewürzten Tomaten-Cumin-Eintopf auf Reis mit Roter Bete und Karotten sowie einer Garnitur aus Blumenkohl, Schwarzaugenbohnen und Gurkensalat (7,80 Euro). Zum Nachtisch kommt aus einem wahnsinnig verlockend bestückten Kuchentresen ein Apfel-Kokos-Kuchen mit Mandelsahne (3,90 Euro), er wird begleitet von einem sehr guten Espresso Macchiato (2,20 Euro) – ein genussvolles und gesundes Essen.

Eimsbüttel, Limu Family Project, Bellealliancestraße 38, Mo–Sa, 12–22 Uhr, So 12–19 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

Tod und Propaganda: Mehr als 4700 Hamburger mit körperlichen oder psychischen Behinderungen kamen im Rahmen der nationalsozialistischen Euthanasie um. Die Gedenkveranstaltung "Erinnern für die Zukunft" ruft sie uns vor Augen: etwa mithilfe eines Musicals über jene 120 Kinder, die damals im Krankenhaus Rothenburgsort starben. ZEIT-Redakteur Heinrich Wefing spricht anschließend über "Medien, Macht und Ohnmacht"; wieso hinterfragten so wenige die Nazi-Propaganda?

Verschiedene Orte, Gedenktag ab 9 Uhr, Programm online;

Musical: Aula der Bugenhagenschule, Alsterdorferstraße 506, 11 Uhr;

Vortrag und Diskussion: Asklepios-Klinik Nord, Haus 17, Langenhorner Chaussee 560, ab 14.30 Uhr

Tierisch ökologisch: Seit mehr als sechs Jahren entstehen im Stadtpark neue Lebensräume für Tiere. Für Spaziergänger sind sie kaum sichtbar, bei der Projektführung "Ökologie im Stadtpark" aber zeigen und erläutern Experten das Leben im Grün.

Stadtpark, Treffpunkt folgt nach Anmeldung, 18 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung unter oekologie@stadtparkverein.de

Osmanische Klänge: Kritiker schwärmen von der virtuosen Leichtigkeit, mit der Çiğdem Aslan den Rembetiko singt. Das Genre verbindet die Volksmusik Griechenlands mit osmanischer Tradition. Die alevitisch-kurdische Sängerin will so die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander der Kulturen wachhalten; Konzert im Rahmen des Internationalen Musikfests Hamburg.

Elbphilharmonie, Kleiner Saal, Platz der Deutschen Einheit 1, 19.30 Uhr, ab 25 Euro

Hamburger Schnack

Eine Gruppe Schüler stürmt die Treppe zur S-Bahn hoch. Einer, vielleicht 12 Jahre alt, ruft den anderen zu: »Ooooh, 10 Minuten.« Pause. »Ich will nicht 10 Minuten auf die Bahn warten. Ich will zu Hause sitzen und Kaffee trinken. Scheiß Schule.«

Gehört von Jochen Waibel

Meine Stadt

Hanseatische Dramatik © Gert Runde

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen:

Der Alltag in Hamburger Kliniken ist hart, viele Pfleger und Ärzte arbeiten am Limit. Warum ist das so? Und was kann man tun? Vier Experten diskutieren