Sigrid Neudecker © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

all jenen, die seit dem Abstieg (und Nicht-Wiederaufstieg) des HSV Hamburgs sportlicher Erstklassigkeit nachtrauern, möchte ich heute das Interview ans Herz legen, das Kilian Trotier vor wenigen Tagen mit einem völlig euphorischen, aber auch völlig fertigen Marvin Willoughby geführt hat. Der ehemalige Basketballnationalspieler aus Wilhelmsburg hat 2013 die Hamburg Towers gegründet. Und die haben es vor Kurzem in einem Herzschlagfinish in die Bundesliga geschafft. Damit könnte diese Erfolgsgeschichte vorerst fertig erzählt sein. Doch der 2,02-Meter-Mann will noch viel mehr, als im Basketball zu gewinnen. Wer liest, was er in Wilhelmsburg alles vorhat, könnte sich durchaus überlegen, als Fan nicht nur den Lieblingsverein zu wechseln, sondern auch gleich die Sportart. Wie man hört, sollen ja ein paar HSV-Anhänger auf der Suche nach einem neuen Sinn im Leben sein.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihre Sigrid Neudecker

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Aktuelles

© Airbus

Die neue BelugaXL landet in Hamburg

Heute gegen 16 Uhr wird das Transportflugzeug BelugaXL zum ersten Mal am Airbus-Standort in Finkenwerder landen. Das Nachfolgemodell der BelugaST kommt laut Airbus für erste Abfertigungstests nach Hamburg. Die Maschine ist 63,1 Meter lang, 18,9 Meter hoch, hat einen Rumpfdurchmesser von 8,8 Metern und kann eine maximale Nutzlast von 51 Tonnen befördern. Voraussichtlich am Donnerstag wird sie wieder starten.

Erweiterte Ermittlungen in der Freikartenaffäre

Nur wenige Tage vor den Bezirkswahlen weitet sich die Freikartenaffäre rund um das Rolling-Stones-Konzert im Stadtpark aus. Womöglich gab es auf oberster Ebene ein regelrechtes Geschachere um Nutzungsgebühren und Freikarten. Hinweise darauf verfolgt derzeit die Staatsanwaltschaft, berichtet die "taz". Der damalige Leiter des Bezirksamts Nord, Harald Rösler, und der Chef des Konzertveranstalters FKP Scorpio, Folkert Koopmans, sollen die Eckpfeiler der Genehmigung persönlich ausgehandelt haben. Zudem besteht der Verdacht, dass die Nutzungsgebühr direkt von der Anzahl der Freikarten abhing. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun offenbar nicht mehr nur gegen Rösler wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit und Vorteilsgewährung, sondern auch gegen Koopmans wegen des Verdachts auf Bestechung. Bereits vergangene Woche war bekannt geworden, dass das Stones-Konzert womöglich kein Einzelfall war: Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob die Freikartenvergabe im Bezirksamt Nord System hatte und auch bei anderen Konzertgenehmigungen stattfand. "Dafür gibt es einen konkreten Anfangsverdacht", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach.

                                                                                                          Félice Gritti

© dpa

Mehr Unfälle mit Kindern und Radfahrern

Zu Jahresbeginn hat es weniger Verkehrsunfälle als im Vorjahr gegeben – die Zahl der Unfälle mit Kindern und Radfahrern ist allerdings deutlich gestiegen. 100 Unfälle, bei denen Kinder beteiligt waren, registrierte die Polizei in den ersten drei Monaten des Jahres, 2018 waren es im gleichen Zeitraum nur 74. Deutlich gewachsen ist auch die Zahl der verunglückten Radfahrer: von 430 auf 552 Unfälle. Ein Radfahrer starb wie berichtet im März in Stellingen, weil ihn ein abbiegender Lastwagenfahrer übersehen hatte. Insgesamt kamen in den ersten Monaten des Jahres wie im Vorjahr acht Menschen bei Unfällen ums Leben. Die Zahl der registrierten Verkehrsunfälle sank um 2,6 Prozent auf 15.394.

Neugeborenes im Taxi vergessen

Eigentlich können frisch gebackene Eltern den Blick ja kaum von ihrem Kind lassen – deswegen darf man spekulieren, wie das Folgende passieren konnte: In Bramfeld haben Eltern ihr Neugeborenes auf der Heimfahrt vom Krankenhaus im Taxi vergessen. Kurz nach dem Aussteigen bemerkte der Vater das fehlende Baby und rannte dem Wagen hinterher. Vergebens. Der Fahrer machte erst einmal Mittagspause und war deshalb auch über die Taxizentrale nicht zu erreichen. Erst ein Gast, der am Flughafen einstieg, bemerkte den friedlich schlafenden Säugling in seinem Babysitz. Der Taxifahrer verständigte die Polizei, die das Baby dann zu seinen verzweifelten Eltern und dem einjährigen Geschwisterchen bringen konnte.

In einem Satz

Ein Brief mit weißem Pulver hat in der AfD-Geschäftsstelle einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst, es stellte sich jedoch als harmlos heraus +++ Marcus Weinberg, Spitzenkandidat der CDU, wird ein Vierteljahr vor der Bürgerschaftswahl im Herbst zum zweiten Mal Vater +++ In der Waitzstraße in Groß Flottbek ist eine 83-jährige Autofahrerin von der Straße abgekommen und in ein Modegeschäft gekracht +++ Dank vier neuer Liniendienste nach Nordamerika ist der Hafen-Containerumschlag im ersten Quartal nach langer Stagnation wieder einmal gewachsen: um 6,4 Prozent

Was heute auf der Agenda steht

Vor dem Landgericht startet der Prozess gegen einen Mann, der im vergangenen Dezember in Altona-Nord seine Noch-Ehefrau mit mehr als 50 Messerstichen getötet haben soll +++ Die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer besucht Hamburg und trifft sich mit dem Hamburger Spitzenkandidaten für die Europawahl, dem Landesvorsitzenden Roland Heintze +++ Außenminister Heiko Maas (SPD) ist in Hamburg, er besucht unter anderem die Klimaforscherinnen und -forscher an der Universität und ist bei einem Empfang zu Ehren des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik im Rathaus dabei

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Der Pastor

Nach einer Beerdigung bekam ich eine Mail von einem Angehörigen. Er bedankte sich für die liebevolle Begleitung und erzählte mir, dass er im letzten Jahr fast den Glauben verloren hätte angesichts des Unheils in dieser Welt. Und nun, da seine Mutter viel zu früh verstorben war, mitten im größten Unglück, fühle er sich von Gott getragen. Er habe seinen Frieden mit Gott wiedergefunden, schrieb er mir. Wow! Das ist der Grund, warum ich Pastor bin. Weil solche Wunder geschehen.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Corny Littmann gründet Stiftung

Theatermacher Corny Littmann will mit einer Stiftung Kunst- und Kulturprojekten in Hamburg helfen. Littmann, dem das Schmidt-Theater auf der Reeperbahn und zwei weitere Theater gehören, hat mit einem siebenstelligen Betrag aus seinem Privatvermögen die Corny-Littmann-Stiftung gegründet. Mit dem Geld will er Hamburger Projekten zu mehr Ausdauer verhelfen, damit sie sich am Ende selbst tragen können. "Wir wissen aus unserer langjährigen Erfahrung genau, was es für Möglichkeiten gibt, die sich unser Theaterbetrieb selbst aber nicht leisten kann", sagte Littmann gestern. "Da, wo auch die Kulturpolitik nicht eingreifen kann, etwa weil die Mittel schon vergeben sind, wollen wir praxisnah, unbürokratisch und schnell zur Stelle sein."  Zu den ersten Projekten, die mit Stiftungsgeldern angestoßen und mit Partnerinnen und Partnern umgesetzt werden sollen, gehören ein internationales Straßentheaterfestival auf dem Spielbudenplatz sowie mehr Theater-Schnupperstunden für Hamburger Schulen. Außerdem sollen Stipendien für Musical-Darstellerinnen und -Darsteller im ersten Berufsjahr vergeben werden.

© Frank Molter/dpa

"Seither ist bei uns die Hölle los"

Die Basketballer der Hamburg Towers gingen als Außenseiter in die Ausscheidungsrunde der zweiten Bundesliga. Im Halbfinale schafften sie im fünften Spiel mit einem Wurf in der letzten Sekunde den Aufstieg in die Bundesliga. Marvin Willoughby, 41, hat den Verein 2013 gegründet und geprägt wie kein Zweiter. Für ihn ist der sportliche Erfolg nur Teil eines großen Projekts.

Elbvertiefung: Herr Willoughby, haben Sie sich ein wenig von dem Stress erholt?

Marvin Willoughby: Geht so. Der Endspurt war krass, und dann ging es sofort weiter. Wir müssen so viel regeln jetzt.

EV: Ordentlich gefeiert haben Sie aber?

Willoughby: Der Dienstagabend in Chemnitz war extrem von den Gefühlen her. Ich habe in der Halbzeit zum ersten Mal in meinem Leben Probleme mit dem Kreislauf gehabt, musste mir Wasser ins Gesicht schütten. So viel Druck hab ich noch nie gespürt, auch nicht, als ich selbst gespielt habe in der Bundesliga und mit der Nationalmannschaft. Nach der Schlusssirene ist alles rausgeplatzt, wir haben uns gefreut wie kleine Kinder. Ich hab nicht darauf geachtet, wie ich jetzt aussehe, wenn ich rumhopse, das war pure Emotion. Am Samstag danach dann noch mit unseren Fans die Meisterschaft zu feiern, das war die Krönung.

EV: Konnten Sie am nächsten Tag schön ausschlafen?

Willoughby: Gar nicht! Ich hatte total vergessen, dass unsere Jugendmannschaft um 11 Uhr ein Spiel hatte. Seither ist bei uns die Hölle los. Jetzt geht es darum, die Rahmenbedingungen zu schaffen für die erste Liga.

Im ausführlichen Interview mit Kilian Trotier erzählt Marvin Willoughby, warum die Towers für ihn sehr viel mehr sind als ein Basketballverein, was er für die kommenden Jahre alles plant und wieso er in den ersten Jahren sehr oft "Marvin, das schaffst du nicht, das geht nicht zusammen!" gehört hat. Das komplette Gespräch finden Sie hier.

Stimmt so!

Essen und trinken für einen guten Zweck kann man am heutigen Welttrinkgeldtag. Ja, den gibt es tatsächlich, und er hat einen sozialen Hintergrund. Die teilnehmenden Lokale (zu finden hier) spenden einen Betrag in Höhe des an diesem Tag eingenommenen Trinkgelds an den Begegnungsort Café Nova auf der Veddel sowie das Treppencafé St. Pauli. Was die Restaurants allerdings machen, wenn allzu viele Gäste allzu großzügig sind, ist nicht bekannt.

Was Sie heute erleben können

Kaffeepause:

Café mit Geschichte

Seit dem 15. Jahrhundert wurden an der Grenze zwischen Hamburg und Holstein Ochsen durch das Harksheider Moor getrieben, das bis ins frühe 19. Jahrhundert die größte Moor- und Heidelandschaft in Holstein bildete. An der Grenze zur Reichsstadt mussten die Ochsen verzollt werden. 1893 wurde hier nach den Plänen des Amtsarztes Carl Reinhardt eine landwirtschaftlich ausgerichtete Irrenanstalt eröffnet, die den Anstrich eines "wohlhabenden Dorfes haben sollte". Nach Umstrukturierungen und Teilverkäufen in den vergangenen Jahren wurden Wohnungen auf Teilen des ehemaligen Betriebsgeländes Ochsenzoll gebaut, der sogenannte Oxpark. Im ehemaligen Nachtwächterhäuschen findet sich heute das Oxpark Café, das in dem kleinen, mit viel Lust am Detail renovierten Café mit Oktagon-Grundriss leckere Kuchen der Eppendorfer Konditorei Niko und herrlichen Elbgold-Café anbietet. Der helle freundliche Raum mit großem Tresen in der Mitte ist ein schöner Ort, und zwar nicht nur, um über Geschichte zu sinnieren.

Langenhorn, Oxpark Café,Jütlandring 12, Mo–Fr 9–17 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr

Elisabeth Knoblauch


Was geht

Mama zockt: Was sind Noobs, Mods und Mystic Points? Viele Eltern stehen der Gaming-Welt ihrer Kids ratlos gegenüber. Beim "Digitalen Spieleabend für Erwachsene" erhalten die Erwachsenen Einblicke, indem sie selbst zum Controller greifen.

Bücherhalle Altona, Ottenser Hauptstraße 10, 16.30–19.30 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung unter info@computerspielschule-hamburg.de

Buch mit Zopf: Eine Mutter will "Zutritt zu den Privilegien des goldenen Westens" erlangen und mogelt ihre Familie deshalb als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland. Die große Enttäuschung lässt nicht lange auf sich warten. Alina Bronsky liest aus ihrem neuen Roman "Der Zopf meiner Großmutter".

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, 12 Euro

Pop mit zwei f: Sie habe ihr "ganzes Leben Geschichten anderer Menschen gesungen und gelauscht", sagt die ehemalige Background-Sängerin Jenniffer Kae. Jetzt will sie selbst ins Rampenlicht und tourt mit deutschem Soul, Country, Pop und ihrem neuen Album "Halb 4" durch die Lande.

Nochtspeicher, Bernhard-Nocht-Straße 69a, 19.30 Uhr, 22 Euro

Hamburger Schnack

Die Hamburgerinnen und Hamburger haben leider nichts Erzählenswertes gehört. Oder doch? Wir freuen uns über frische Schnacks an hamburg@zeit.de.


Meine Stadt

Familienausflug © Norbert Fliether

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Hamburg-Towers-Gründer Marvin Willoughby will in Wilhelmsburg nicht nur Basketball spielen, sondern auch gleich ein Stadtteilzentrum gründen.