Sigrid Neudecker © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

bei den heutigen Veranstaltungshinweisen finden Sie auch einen Vortrag über nachhaltigen Fischfang und wie man dem Leerfischen der Weltmeere begegnen kann. Eines der wenigen Restaurants in der Stadt, die auf Nachhaltigkeit großen Wert gelegt haben, ist ja vor wenigen Tagen endgültig geschlossen worden. Der Betreiber des Jellyfish, Hauke Neubecker, wollte nach mehreren Einbrüchen und Vandalismusattacken einfach nicht mehr. (Wieso, erklärte er hier.) Ein herber Verlust in einer Stadt, in der es trotz aller Klischees überraschend schwierig ist, guten Fisch serviert zu bekommen. Restauranttester Michael Allmaier hat aber noch drei weitere Lokale gefunden, die er Fischesserinnen und Fischessern empfehlen kann. Für eines davon muss man die Stadt allerdings schon wieder verlassen. Digitalabonnentinnen und -abonnenten lesen Allmaiers Einschätzung vom Elbfischer, von der Veddeler Fischgaststätte sowie von Hummer Pedersen hier. Und falls Sie noch persönliche Geheimtipps haben, schreiben Sie uns!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihre Sigrid Neudecker

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Aktuelles

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Auch rot-grüne Regierung will nun Akteneinsicht in Freikartenaffäre

Nächster Paukenschlag in der Affäre um die Vergabe von Freikarten im Bezirksamt Nord. Nach der FDP, die einen Antrag auf Akteneinsicht in der Bezirksversammlung einbringen will, werden nun auch die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen bei der Bürgerschaftssitzung am 5. Juni ein Aktenvorlageersuchen rund um Genehmigung und Kartenvergabe im Bezirk Nord beantragen. Darüber hinaus sollen laut der Nachrichtenagentur dpa auch andere kommerzielle Musikveranstaltungen überprüft werden, für die das Bezirksamt zuständig war. "Aktuell stehen viele verschiedene Interpretationen im Raum, die keinen klaren Blick auf die Geschehnisse im Bezirk Nord zulassen", sagte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf. Das Bezirksamt wurde vergangene Woche durchsucht. In dem neuen Verfahren wird laut Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Leiter des Amtes, Harald Rösler (SPD, im Bild mit einer der Bodenplatten, die während des Rolling-Stones-Konzerts den Rasen des Stadtparks schützen sollte) und einen weiteren Mitarbeiter wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt.

Die fetten Steuer-Jahre sind vorbei

In den vergangenen Jahren konnte sich die Hamburger Politik in einem sicher sein: Die Steuereinnahmen steigen kräftig. Entsprechend pflegten SPD und Grüne eine großzügige Politik des Geldausgebens und verteilten manches politische Geschenk. Damit dürfte es spätestens für die nächste Regierung vorbei sein. Hamburg wird wegen der sich eintrübenden Wirtschaftslage in den kommenden Jahren weniger Steuern einnehmen, als zuletzt geplant. Von 2020 bis 2023 werden der nächsten Regierung im Vergleich zur bisherigen Prognose etwa 900 Millionen Euro fehlen. Dramatisch ist das noch nicht, die Mai-Steuerschätzung geht weiter von leicht steigenden Steuereinnahmen aus. Dennoch ist es ein erstes Warnsignal: Die fetten Jahre sind vorbei.  

                                                                                                Oliver Hollenstein

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Kurz vor Wiedereröffnung geht der Chef des Bucerius Kunst Forums

Gut zwei Wochen vor der Neueröffnung des Bucerius Kunst Forums verlässt der künstlerische Direktor, Franz Wilhelm Kaiser (Bild), das Ausstellungshaus. Kaiser wolle sich "wieder verstärkt kuratorischen Aufgaben widmen und selbst Ausstellungen gestalten", sagte Geschäftsführer Andreas Hoffmann gestern. Mit der bevorstehenden Eröffnung gebe es keinen Zusammenhang. "Die Entscheidung stand schon länger an und wurde eben jetzt getroffen." Das Bucerius Kunst Forum wird am 7. Juni am Neuen Wall wenige Meter vom alten Standort entfernt wiedereröffnet. Vorerst übernimmt die bisherige Kuratorin Kathrin Baumstark die künstlerische Leitung, über Kaisers Nachfolge soll das Kuratorium in einer Sitzung am 6. Juni entscheiden. Kaiser, der Honorarprofessor an der Kunsthochschule bleibt, habe mit seinen Ausstellungen etwa zur Geburt des Kunstmarktes in den Niederlanden und über den Fotografen Anton Corbijn Großes für das Haus geleistet, sagte Hoffmann.

                                                                                                  Oliver Hollenstein

Hart erkämpfte Einigung beim Kohleausstieg

Von 2030 an will Hamburg keine Fernwärme mehr aus Kohleverbrennung produzieren. Das haben nach monatelangem Ringen Rot-Grün und die Volksinitiative "Tschüss Kohle" vereinbart. Die Bürgerschaft soll die Vereinbarung als Gesetz verabschieden. Hamburg wäre damit das erste Bundesland, das sich gesetzlich auf ein Pflichtdatum für den Kohleausstieg in der Wärmeversorgung festlegt. Ursprünglich hatte die Initiative einen Ausstieg bis 2025 gefordert. Nun aber führe Hamburg den Schutz des Klimas und die Unterstützung der Pariser Klimaziele als Staatsziel ein und sei verpflichtet, die Kohleverbrennung so schnell und so weit wie möglich zu vermeiden, sagte "Tschüss Kohle"-Sprecherin Wiebke Hansen. "Wir haben viel mehr erreicht als nur ein Enddatum für Kohlewärme." Sobald das Fernwärmenetz von Vattenfall an die Stadt Hamburg übertragen ist, sollen erneuerbare Energien, Abwärme und Erdgas die Heizkraftwerke Wedel und Tiefstack ablösen.

In einem Satz

Die Ermittlungsgruppe "Schwarzer Block" hat im Zuge der Ermittlungen gegen elf mutmaßliche G20-Randalierer weitere Wohnungen in Hamburg, Bremen und Pinneberg durchsucht +++ Das Auswärtige Amt fördert das Forschungs- und Transferprojekt "Rüstungskontrolle und Neue Technologien" des Hamburger Friedensforschungsinstituts über eine Laufzeit von vier Jahren mit einer Gesamtsumme von etwa vier Millionen Euro +++ Im ersten Quartal 2019 verzeichnete Hamburg 2,98 Millionen Übernachtungen, eine Steigerung von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

Was heute auf der Agenda steht

Peter Tschentscher legt gemeinsam mit Christophe Cuvillier, dem CEO des französischen Immobilienunternehmens Unibail, den Grundstein für das südliche Überseequartier, einen Komplex aus 14 Gebäuden, der Einzelhandel, Gastronomie, Büros, drei Hotels, ein Kreuzfahrtterminal und 650 Wohnungen umfasst +++ Die Tarifverhandlungen im Groß- und Außenhandel gehen in die zweite Runde

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Die Studentin

Mit meiner letzten Hausarbeit war ich ausnahmsweise mal zufrieden. Ich hatte das Gefühl, so langsam den Dreh rauszuhaben. Hoffentlich beeindrucke ich meinen Professor, dachte ich. Zurück kam nur leider eine kränkend schlechte Note. Vielleicht habe ich mich zu sehr an die guten Zensuren gewöhnt, oder es war genau die Zufriedenheit, die mich hat nachlässig werden lassen. Aber es fiel mir erstaunlich schwer, das nicht als Demotivation zu verstehen. Da denkt man immer, man sei so frei vom Leistungsdruck und es ginge einem nur um die Selbstbildung – falsch gedacht.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburgerinnen und Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen keine Konsequenzen drohen.

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Senat sucht Bewerber für Annemarie-Dose-Preis

Noch bis zum 31. Mai können sich Initiativen für den Annemarie-Dose-Preis bewerben, den der Senat erstmals für innovative Projekte vergibt, die sich in "herausragender Form für soziale und gesellschaftliche Belange in Hamburg einsetzen". Der Gruppenpreis richtet sich in erster Linie an neu entstandene Vereine oder Stiftungen, aber auch Einzelpersonen, die Benachteiligungen beseitigen, Verbesserungen für Gruppen oder einzelne Menschen erwirken und "genau dort Unterstützung leisten, wo sie gebraucht wird". Bewerber müssen sich ehrenamtlich engagieren, in Hamburg tätig sein und vor maximal drei Jahren mit ihrer Arbeit begonnen haben. Benannt ist der Preis nach der 2016 verstorbenen Gründerin der Hamburger Tafel. Alle Informationen zur Bewerbung finden Sie hier.

Was Sie heute erleben können

Mittagstisch:

Reduzierte Asia-Vielfalt

Eine neue Filiale der Kette AsiaHub hat neulich in Altona eröffnet, eine von inzwischen acht Stück in und um Hamburg. Die Regionen Asiens, die hier kulinarisch abgedeckt werden, sind, grob gesagt, Thailand, Vietnam, China, Indien/Nepal und Japan. Pro Tag gibt es mittags acht Gerichte. Das ist einerseits wenig im Vergleich zu den oft ausufernden Karten vergleichbarer Lokale, andererseits hat man gerade mittags oft keine Zeit, sich in so eine Vielfalt zu vertiefen. Hier gilt wieder einmal: Weniger ist mehr. Die Essensbestellung erfolgt erfreulicherweise am Tisch, nicht am Tresen. Die Portionen sind reichhaltig bemessen und sind qualitativ einwandfrei. Das am Testtag bestellte Hub Thali Nepali Art, ein Portionstablett mit Reis, Huhn, Kichererbsen, Joghurt-Minz-Soße und Salat plus Linsensüppchen und Naan-Brot, macht Freude und ist die 8,90 Euro auf jeden Fall wert. Die Bratnudeln mit Huhn (6,90 Euro) sind nicht originell, aber okay, das Hähnchenfilet ist knusprig paniert und wird mit einer Teriyaki-Soße serviert. Für einen Mittagstisch absolut in Ordnung.

Altona-Altstadt, AsiaHub, Große Bergstraße 177, Mittagstisch Mo–Fr, 11–17 Uhr

Thomas Worthmann

 

Verlosung

Naturmusik: "Die Magie der Fjorde" des Filmemachers Jan Haft ist der diesjährige Gewinner des Deutschen Naturfilmpreises. Im Rahmen der Preisgala wird der Film in Anwesenheit des Filmemachers auf großer Leinwand in der Laeiszhalle gezeigt. Extra für die Gala haben Filmmusik-Komponist Oliver Heuss sowie Electronica-Musiker Christian Löffler Musik komponiert. Beide werden die Filmvorführung zusammen mit der Hamburger Camerata live untermalen.

Wir verlosen 5x2 Karten für die Filmvorführung mit Live-Musik im Großen Saal der Laeiszhalle am Montag, 27. Mai. Senden Sie uns bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff "Magie der Fjorde" an hamburg@zeit.de. Viel Glück!

Was geht

Wasserschatz: Fisch ist für viele Menschen wirtschaftliche Lebensgrundlage. Hoch technisierte Fangmethoden aber sorgen für Überfischung, es folgen soziale Probleme. Im Vortrag "Leere Meere? Weltweite Fischerei und die Folgen" denkt Referentin Svenja Bachert über nachhaltige Fischerei und Aquakultur als Alternative nach.

Greenpeace Hamburg, Hongkongstraße 10, Eingang über die Elbarkaden, 19.30 Uhr

One-Man-Band: Kritiker beschreiben seine Auftritte als "Tour de Force", weil Jason Bartsch mit "tiefgängiger Melodramatik, brachialem Stand-up und einer Unmenge an Sounds" die Bühne besetze. Neben dem Debütalbum "4478 Bochum" präsentiert die One-Man-Band eine Symbiose aus Slapstick und Mariah Carey.

Schanzenzelt, Schanzenpark, 20 Uhr, 15 Euro

Was bleibt

Floh-Fest: Zwischen Bagger und Bauarbeiter mag kein großes Straßenfest möglich sein, wie es die Materialverwaltung traditionell feiert. Ein "Erstes Frühlings-Quintett" aber lässt sich der Fundus nicht nehmen: An fünf Tagen klingt Live-Musik über Sonnendeck und Flohmarkt und schafft den Auftakt für Theater, Zirkus, Film und Lesungen.

Materialverwaltung, Stockmeyerstraße 41–43, heute, 18–24 Uhr, Eintritt frei; Fest bis So, Öffnungszeiten und Eintrittspreise variieren

Hamburger Schnack

Eine Siebenjährige steht neben ihrer Mutter, einer Cafébetreiberin aus Eimsbüttel: "Manno, das ist voll doof! Wenn ich arbeiten könnte, würde ich mich auch nicht langweilen, aber ich darf ja nicht arbeiten!"

Gehört von Rebecca Wulf

 

Meine Stadt

Neulich im Stadtpark: einfach nur grün! © Horst-Dieter Martinkus

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Jellyfish-Besitzer Hauke Neuberger erklärt, warum er eines der besten Fischlokale der Stadt geschlossen hat

Restauranttester Michael Allmaier über die Fischlokale Elbfischer, Veddeler Fischgaststätte sowie Hummer Pedersen