Wochenmärkte finden viele toll. Wer sollte auch was gegen sie haben? Verkäufer aus der Umgebung bieten frische Produkte aus der Region an. Anders als im Supermarkt bauen sie oft Beziehungen zu ihren Kunden auf, sie achten auf die Umwelt und auf die Nachbarschaft.

Mit der Beliebtheit haben Wochenmärkte kein Problem. Das ist aber auch schon das einzige, worum sich die Betreiber und Verkäufer keine Sorge machen müssen. "Die Leute schauen immer individueller nach Produkten und Preisen", sagt Ingo Johnson von der Deutschen Marktgilde, einer Genossenschaft, die bundesweit 120 Standorte betreut. Was konkret heißt: Wenn es auf dem Markt teurer ist und die Kunden ihre spezielle Apfelsorte dort nicht bekommen, bleiben sie weg.

Das bekommen auch Märkte in Vierteln zu spüren, in denen die Einwohner wohlhabend genug sind und die Wochenmärkte eine jahrzehntelange Tradition hat. "Früher war es immer voll hier", sagt Wilhelm Weber, Käseverkäufer und Obmann des Marktes in Ottensen. Er steht seit 2004 zweimal die Woche dort. Das Verhalten der Kunden habe sich in der Zeit verändert, erzählt er. Heute würde jeder einzelne zwar doppelt so viel im Schnitt pro Einkauf ausgeben, der Umsatz sinke dennoch – weil einfach nicht mehr genügend Menschen auf dem Markt einkaufen. In Ottensen ist der Durchschnittsbürger Besserverdiener und ökobewusst. Beide Elternteile sind aber häufig berufstätig und essen in der Mensa oder beim Mittagstisch im Café um die Ecke, und die Kinder bleiben länger in der Kita. Zuhause wird da selten gekocht. 20 Stände gibt es noch auf dem Markt, jedes Jahr werden es weniger. In ganz Hamburg sind es nur noch 80, deutschlandweit 3.300. In einer Umfrage der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft Bonn wurde 2016 konstatiert, dass in den sechs bis acht Jahren zuvor die Märkte teilweise um bis zu 50 Prozent geschrumpft waren. Seitdem sind die Zahlen konstant.

Der Wettbewerb ist riesig

Der Rückgang liegt am Verhalten der Kunden – aber er hat auch andere Gründe. Die Konkurrenz ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die großen Lebensmittelketten bieten mehr und mehr qualitativ hochwertige Ware an. Im Spätsommer will Edeka in Hamburg einen Bio-Supermarkt mit dem Namen "Naturkind" eröffnen, und selbst Aldi führt Bioware.

"Der Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel ist seit vielen Jahren riesig", sagt Johnson, "insbesondere bei den Preisen können kleine Markthändler nicht mithalten." So hätten die Wochenmärkte auf gewisse gesellschaftliche Trends, wie bargeldloses Zahlen oder Bestellung per Internet noch nicht entsprechend reagiert. Weber will sich persönlich nicht beschweren. Er hat damals einen schlecht geführten Stand übernommen, nun führt er 120 verschiedene Artikel, hat den eigenen Umsatz seit 2004 verdreifacht. Dennoch habe es der Obst- und Gemüsestand gegenüber schwer, berichtet er, der Schlachter um die Ecke, der noch selber filetiert, gibt gar ganz auf.  Auch die Kosten seien sehr hoch, um überhaupt die Ware auf einem Wochenmarkt verkaufen zu können: Man braucht einen Lkw mit Anhänger, Lagerräume, Personal und muss Standgebühr bezahlen.

Das alles führt dazu, dass die Arbeit auf dem Wochenmarkt nicht mehr attraktiv ist. In den Nachkriegsjahren waren Wochenmärkte oft die einzigen Versorger im Viertel und damit entsprechend angesehen. Die Händler boten frische Ware an: Obst, Gemüse, Kräuter, Milchprodukte, Fisch, Fleisch oder Eier. "Das kam früher alles aus selbsterzeugenden Betrieben", erzählt Wilfried Thal, Präsident des Wochenmarktverbandes in Hamburg. "Heute sind die Verkäufer reine Händler." Selbst die Bauern aus den Vierlanden haben da Probleme, Nachwuchs zu finden. Ihre Söhne verdingen sich lieber als Grafikdesigner. Hinzu kommen sperrige Dinge wie der Paragraf 146a, der ein elektronisches Kassensystem fordert. Die Kosten von 6.000 Euro sind einigen Händlern zu hoch, sie knicken ein.