Gleich nach den Klausuren Anfang Mai haben sich einige der Schüler und Schülerinnen beschwert: Das Matheabi war zu schwer, fanden sie und starteten eine Onlinepetition (hier ein Interview mit dem Initiator). Die Schulbehörde prüfte daraufhin die Aufgaben – und gab den Schülern zumindest teilweise recht. Wer die Prüfung auf Grundkursniveau gemacht hatte, konnte zu einer freiwilligen mündlichen Nachprüfung antreten, die dann mit der schriftlichen Note verrechnet wurde. Später gab die Schulbehörde außerdem bekannt, dass die Matheklausur besser bewertet werden würde als ursprünglich vorgesehen. Jetzt liegt eine vorläufige Auswertung der Abiturergebnisse vor.

Wie schnitten die Hamburger Schüler in Mathe ab?

Bei den Prüfungen auf grundlegendem Niveau lag der Schnitt nach der Notenanpassung bei 3,46, damit reiht er sich in die Vorjahre ein: 2018 lag er bei 3,39; 2017 bei 3,54. Wären die Abiklausuren allerdings wie geplant gewertet worden, läge der Schnitt vermutlich bei 4,20 und damit deutlich schlechter als in den vergangenen Jahren. Die Chance, ihre Note zusätzlich noch durch eine mündliche Prüfung zu verbessern, nutzten 400 der 1.200 betroffenen Schülern. In der Matheprüfung auf erhöhtem Niveau gab es übrigens keine Anpassung bei den Noten. Der Schnitt lag dieses Jahr bei 3,38 und hat sich zum Vorjahr, als er bei 3,34 lag, kaum verändert.

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Wie wurden die Noten verbessert?

Der Bewertungsschlüssel wurde geändert und zwar so, dass die Schüler schon eine Topnote erhalten, wenn sie 85 Prozent der Aufgaben richtig lösen konnten. Ansonsten wären dafür 100 Prozent nötig. Im Schnitt bekam durch diese Maßnahme jeder zwei Punkte mehr – was einer Verbesserung von etwa 0,66 bei der Note entspricht.

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Warum waren die Aufgaben so schwer?

Hamburg bedient sich für den Abiturprüfungen aus einem bundesweit einheitlichen Pool an Aufgaben, die das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin entwickelt. Die Aufgaben für das Matheabitur stammen seit 2017 komplett aus diesem Pool. Bei den beiden vorangegangenen Jahrgängen gab es damit keine Probleme. Dieses Mal räumte die Schulbehörde allerdings ein, dass die Aufgaben zu schwer waren.

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Gab es diese Probleme auch in anderen Bundesländern?

Ja, aber nicht so sehr. Auch in Niedersachsen und Bayern starteten Schüler und Schülerinnen Onlinepetitionen wegen des Matheabis. Die Noten wurden dort allerdings nicht angepasst. In anderen Bundesländern wie etwa Bremen und dem Saarland wird der Bewertungsschlüssel ebenfalls verbessert. Allerdings stellt nur Hamburg seine Abiturprüfungen komplett aus dem bundesweit einheitlichen Pool zusammen. Die anderen Ländern nutzen nur einzelne Aufgaben und konzipieren andere selbst.

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Welche Änderungen sind nun geplant?

Hamburg plant ein zusätzliches Sicherungssystem: Ganz normale Mathelehrer sollen die Abiprüfungen zur Probe einmal bearbeiten. Außerdem dürfen die bundesweiten Aufgaben ab 2021 nicht mehr nachträglich geändert werden. Das ist bislang noch möglich. Andere Bundesländer hatten davon Gebrauch gemacht. Unklar ist noch, ob Hamburg künftig wieder eigene Landesaufgaben formulieren wird. Schulsenator Rabe sagte dazu: "Das Ziel ist es ja eigentlich, dass die Abiturprüfungen einheitlich sind. Allerdings kann es nicht sein, dass Hamburgs Schüler die Opfer sind."

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Ist Mathe insgesamt zu schwer?

Zumindest weichen die Noten in Mathe deutlich von denen in den anderen Kernfächern ab. In den schriftlichen Prüfungen in Deutsch lag der Schnitt dieses Jahr bei 3,08 und in Englisch bei 2,74. Insgesamt liegt die Abidurchschnittsnote bei 2,42. Allerdings zeigten die Probleme in diesem Jahr, dass auch die Schüler in anderen Bundesländern ähnlich in Mathe abschneiden. Hamburgs Schulsenator nannte etwa Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Berlin, die ebenfalls beim Notenschnitt zwischen 3,0 und 3,5 liegen. "Mittelfristig wird sich die Frage stellen, ob nicht irgendetwas hier grundsätzlich nicht stimmt und die Anforderungsmaßstäbe in Mathematik noch mal überprüft werden müssen", sagte Rabe.

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