Sigrid Neudecker © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

gestern wurden viele Pendlerinnen und Pendler auf eine harte Geduldsprobe gestellt – wieder einmal. Denn wieder einmal gab es bei der S-Bahn Weichenstörungen, diesmal ausnahmsweise nicht im Bereich des Hauptbahnhofes, sondern in Harburg. Und wieder einmal musste der Citytunnel gesperrt werden, diesmal wegen eines Betrunkenen, der dort übernachtet hatte. Auf der S31 ging bis in die Nacht hinein gar nichts mehr, Fahrgäste der S3 mussten mehrmals umsteigen. Morgen wollen Senator Michael Westhagemann (parteilos) und S-Bahn-Chef Kay Arnecke bekannt geben, wie die S-Bahn wieder pünktlicher und zuverlässiger werden soll. Bis dahin fragen wir in die andere Richtung: Welche Folgen hat das schon fast traditionelle morgendliche Pendlerchaos für Sie? Auf welche Transportmittel steigen Sie um, vorausgesetzt, Sie erfahren rechtzeitig von ausgefallenen S-Bahnen? Wie reagieren Ihre Vorgesetzten, wenn Sie wieder einmal zu spät kommen? Welche wichtigen Termine haben Sie wegen der S-Bahn schon verpasst? Und vor allem: Was tun Sie, um die Nerven zu bewahren?

Ich bin gespannt auf Ihre Schilderungen und wünsche Ihnen heute einen möglichst chaosfreien Tag.

Ihre Sigrid Neudecker

Gibt es etwas anderes, das Ihnen in der Stadt aufgefallen ist? Dann schreiben Sie uns gern: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

© Axel Heimken/dpa

Wie sehr staut es sich in Hamburg wirklich?

Jetzt ist Hamburg also wieder mal "Stauhauptstadt". TomTom, der Navi-Hersteller, hat seine jährliche Auswertung der Satellitendaten über die Bewegung von Millionen Fahrzeugen weltweit veröffentlicht, in den Lokalnachrichten wird das Ergebnis auf eine griffige, aber falsche Formel gebracht. In Wirklichkeit berechnet das Unternehmen nicht Staus, sondern die Differenz zwischen den realen Geschwindigkeiten der Autos und dem theoretisch denkbaren Tempo, das ein Fahrer erreichen könnte, wenn er die Straßen seiner Stadt für sich allein hätte. Die Folge: Städte wie Hamburg, die vergleichsweise wenig Tempo-30-Zonen haben, also bei freier Strecke relativ hohe Geschwindigkeiten zulassen, schneiden besonders schlecht ab – auch wenn die Fahrer in Wirklichkeit besser vorankommen als anderswo. In Hamburg verzeichnet TomTom im Jahr 2018 eine Zunahme der solcherart verlorenen Zeit um 1 Prozent gegenüber 2017, der Konkurrent Inrix maß mit der gleichen Methodik für denselben Jahresvergleich eine Rückgang um 3 Prozent. Was zusammen wohl heißt, dass sich im Straßenverkehr in Hamburg zuletzt nicht viel verändert hat.

Wenn Sie es genauer wissen wollen: Zu Beginn des Jahres haben wir für Digitalabonnentinnen und -abonnenten eine detaillierte Analyse der Verhältnisse im Hamburger Straßenverkehr veröffentlicht.

                                                                                                   Frank Drieschner

© Daniel Bockwoldt/dpa

Olli Schulz bereut den Kauf von Gunter Gabriels Hausboot

Großes hatten der Musiker Olli Schulz und der YouTuber Fynn Kliemann vor, als sie vergangenes Jahr das Hausboot des verstorbenen Sängers Gunter Gabriel kauften. Sie wollten daraus einen Ort für Kreatives und Musik machen. Mittlerweile bereuen die beiden den Kauf. "Das mit dem Hausboot – das war vielleicht eine dumme Idee. Das steht alles auf wackeligen Beinen", sagte Schulz nun in der neuesten Ausgabe des Podcasts "Fest & Flauschig", den er gemeinsam mit Jan Böhmermann produziert. Eigentlich müssten sie "fast das ganze Boot abreißen", allein das Sandstrahlen würde voraussichtlich mehr als 200.000 Euro kosten. Ein Bootsbauer soll nun die Statik untersuchen. "Wenn das Dach auch noch abmuss, dann ist das eigentlich alles verloren", sagte Schulz. Gabriels Tochter hatte das Schiff, das im Harburger Hafen liegt, Ende 2018 verkauft, damals wollte sie 30.000 Euro dafür.

In einem Satz

Die umstrittenen Mathe-Abiturarbeiten sollen laut Schulbehörde nun doch besser bewertet werden als ursprünglich geplant +++ Vorerst soll es keine sogenannten PowerPacs zur Stromversorgung von im Hafen liegenden Containerschiffen geben, ein Pilotversuch hat laut Senat ergeben, dass die Reeder die Technik nicht einsetzen +++ Eine 25-Jährige hat mit einem Elektro-Tretroller einen zwölfjährigen Jungen auf einem Radweg in Harburg angefahren, beide wurden dabei leicht verletzt

Was heute auf der Agenda steht

Die Bürgerschaft diskutiert über die Baustellenkoordination und will das Gesetz zum Kohleausstieg verabschieden +++ Hauptpastor Alexander Röder informiert über die geplante Neugestaltung des Kirchplatzes am Michel +++ Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) will sich bei der Gesundheitskonferenz in Hamburg für die Einführung einer Zuckersteuer stark machen +++ Die Verkehrsbehörde erklärt Pläne zur Vollsperrung der A1 zwischen den Autobahndreiecken Hamburg-Süd und Hamburg-Ost im Juni +++ Der Anglo-German-Club veranstaltet eine Garden-Party anlässlich des Geburtstags von Königin Elizabeth II

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Der Pastor

Ich sitze mit zwei Frauen aus meiner Gemeinde im Besuchszimmer. Beide liegen seit Jahren im Streit miteinander und haben mich um ein Gespräch gebeten. Sie werfen sich gegenseitig schlechtes Verhalten vor und erinnern sich sehr unterschiedlich an das, was zwischen ihnen vorgefallen ist. Ich versuche, um Verständnis für die jeweils andere Sicht zu werben – mit mäßigem Erfolg. Wir haben schon mehr als eine Stunde geredet, aber eine Lösung ist für mich nicht in Sicht. Ich bete um die richtigen Worte. Da steht plötzlich die eine Frau auf, geht auf die andere zu und sagt: "Weißt du was, ich glaube, ich muss dich einfach mal in den Arm nehmen." Das tut sie dann auch. Und dann ist alles wieder gut, und sie können einander vergeben. Ein paar Tränen fließen. Ein Geschenk des Himmels. Herrlich!

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburgerinnen und Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Marc Widmann

Wenn sich Verkehrssünder vor Zweitklässlern rechtfertigen müssen

In Bardowick, südöstlich von Hamburg, fand gestern Vormittag eine spezielle Polizeikontrolle statt: Autofahrer, die vor einem Kindergarten zu schnell gefahren sind, mussten sich vor einer Schar von Zweitklässlern rechtfertigen. "Bei den Kindern mit Ausreden zu kommen fällt schwer", sagt Polizist Martin Schwanitz, der die Aktion organisiert hat. Eine Frau war den Tränen nahe, einem Mann zitterten die Hände. Ehe sie weiterfahren durften, mussten die Missetäter noch in ein Stück Zitrone beißen. Welches die häufigste Ausrede war und wie die Kinder darauf reagierten, hat Marc Widmann für ZEIT ONLINE aufgeschrieben. 

Warum die Grünen in Hamburg jetzt Volkspartei sind

Der erstaunliche Erfolg der Hamburger Grünen bei der Bezirkswahl vergangene Woche ist schnell in den Hintergrund geraten – die Querelen in der Bundes-SPD beherrschen derzeit die politische Berichterstattung. Dabei lohnt ein genauer Blick auf diesen Wahlerfolg, wenn man verstehen möchte, warum die Grünen derzeit auch bundesweit so erfolgreich sind. Wie kann es sein, dass eine Partei, die jahrzehntelang in einer Nische von allenfalls mal zehn Prozent ihr Dasein fristete, binnen wenigen Monaten zur neuen politischen Großmacht aufsteigt? Eine mögliche Antwort findet man, wenn man sich die Ergebnisse in den Hamburger Stadtteilen anschaut, kommentiert Frank Drieschner auf ZEIT ONLINE

Crowdfunding ermöglicht Geburtstagsfeste für Obdachlose

Sie haben das Finanzierungsziel erreicht: Die Initiative StrassenGeburtstag kann ab sofort dafür sorgen, dass Obdachlose an ihrem Geburtstag nicht allein bleiben. Mittels einer Crowdfunding-Kampagne haben die Initiatoren Geld gesammelt, mit dem Jugendliche darin geschult werden sollen, die Geburtstagsfeste vorzubereiten. Ein digitaler Kalender soll sicherstellen, dass jeder, der oder die gefeiert werden möchte, "ein besonderes Geburtstagstreffen erleben" kann, wie der Verein StrassenBlues e.V. schreibt. Wer sich noch beteiligen möchte: Bis heute, 14 Uhr, kann hier noch gespendet werden.

© Kathrin Spirk für DIE ZEIT (IS-TEASER)

Nicht ohne seine Tochter

In einer Sommernacht des Jahres 2014 erfährt Danisch Farooqi, ein Familienvater aus Billstedt, dass seine Ex-Frau die gemeinsame Tochter von Hamburg aus zum "Islamischen Staat" nach Syrien entführt hat. Aaliya, in Hamburg geboren und deutsche Staatsbürgerin, war damals knapp vier Jahre alt und spielte gern am Elbstrand. Heute ist sie knapp neun und wird in einem kurdischen Lager in Nordsyrien festgehalten. Danisch Farooqi kämpft für ihre Rückkehr. Von Deutschland, sagt er, fühlt er sich dabei im Stich gelassen. Warum, lesen Sie in der aktuellen Monatsausgabe der ZEIT:Hamburg oder als Digitalabonnentin oder -abonnent direkt hier.

Was Sie heute erleben können

Mittagstisch:

Der Geschmack von Tirol

Fleischkäse, eine alpenländische Spezialität, findet sich eher selten auf Hamburger Mittagstischtellern. Im Marend steht er jedoch auf der Mittagskarte und wird deshalb bestellt, auch wenn andere Köstlichkeiten wie Rote-Beete-Knödel mit Ziegenkäsekern (11,90 Euro) oder Rindsgulasch mit Käsknödeln (13,80 Euro) locken. Vor gut zwei Jahren eröffnete nach dem Original auf St. Pauli eine Dependance in Eimsbüttel. Graue Wände mit heller Holztäfelung werden hier mit gemütlichen Bänken, bodentiefen Fenstern und warmer Jazzmusik kombiniert. Tirol dient als Schmuck, ohne Klischees und Kitsch zu bemühen. Gleiches spiegelt sich im Essen wider: Der Fleischkäse, aus Österreich importiert, ist von feinem Geschmack, die knusprigen Bratkartoffeln dazu kommen ohne Speck aus und werden wunderbar von Spiegeleiern und knackigem Salat mit gerösteten Kernen begleitet (9 Euro). Dazu ein erfrischender Almdudler (3,50 Euro) – großartig! Nur schade, dass für den Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster (9,60 Euro) kein Platz mehr bleibt.

Eimsbüttel, Marend, Von-der-Tann-Straße 5, Mittagstisch Mo–Fr 12–15 Uhr

Elisabeth Knoblauch

 

Was geht

Freie Fragen: Sind manche Gesellschaften freier als andere? Sind Menschen mit psychischen Problemen oder Süchten unfrei? Und ist unsere Freiheit gar durch die Naturgesetze bedroht? Öffentliche Vorlesung von Stephan Schmid: "Was ist Freiheit?"

Stadtteilarchiv Eppendorf, Luftschutzbunker, Tarpenbekstraße 68, 14 Uhr

Helden lesen: An Hamburgs Straßen, in Hochhäusern, auf Barhockern und in Clubs leben Helden. Der Geschichtenband "Schattenboxen" von Lars Gebhardt spürt sie auf, erzählt von Menschen abseits des Scheinwerferlichts; Tresenlesen mit Abel, Garry und Kent.

Schanzenzelt, Schanzenpark, 18 Uhr, Eintritt frei

Pirat auf Tour: Mit seinem Bandana-Kopftuch wirkt Steven van Zandt alias Little Steven auf der Bühne wie ein Pirat. Seine Kaperfahrt "Summer of Sorcery" führt ihn in die Fabrik, aus seinen Kanonen feuert der ehemalige Bruce-Springsteen-Gitarrist ohne Ende Rock ’n’ Roll.

Fabrik, Barnerstraße 36, 20 Uhr, 53 Euro

Hamburger Schnack

Ein Vormittag, Haltestelle Löwenstraße in Hoheluft-Ost. Es ist Oma-Zeit. Die kleine Enkelin, geschätzt fast drei, rekelt sich bequem im Sitz ihres Kinderbuggys. Oma soll vorlesen. Oma liest: »HVV-Einzelkarte, 2. Klasse. Gültig am 3. Juni 2019 ...«

Gehört von Sven H. Philippsen

Meine Stadt

So dramatisch sah der Himmel über Hamburg am Montag aus. Die angekündigten Gewitter machten dann aber doch einen Bogen um große Teile der Stadt. Sie sind erst wieder für morgen vorhergesagt, auch wenn viele Menschen sie sich schon heute wünschen würden – immerhin soll es bis zu 30 Grad heiß werden. © Ulrich Hegge

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

So läuft es im Hamburger Straßenverkehr wirklich. (Archiv, Abo)

Kinder geben rasenden Autofahrern Saures. 

Wie die Grünen zur Volkspartei wurden, kommentiert Frank Drieschner auf ZEIT ONLINE. 

Danisch Farooqi kämpft für die Rückkehr seiner kleinen Tochter, die von ihrer Mutter zum IS entführt wurde. (Abo)