Sigrid Neudecker © Gretje Treiber

Liebe Leserin, lieber Leser,

begonnen hatte alles als kleine Idee im Team der Elbvertiefung: Nach der Bundestagswahl überlegten wir, in welchen Belangen sich die Hamburger Abgeordneten in Berlin am besten für die Hansestadt einsetzen sollten – und wie man sie dazu bringen könnte. Meiner Erinnerung nach fiel bei unseren oft bis spätabends dauernden Gesprächen durchaus das eine oder andere Mal die Forderung "Butter bei die Fische!" – aber vielleicht auch, weil wir dann schon sehr hungrig waren.

Heute Abend wird im KörberForum das Ergebnis dieser kleinen Idee präsentiert. An der Aktion "Hamburg besser machen" nahmen in den vergangenen viereinhalb Monaten 1600 Menschen teil. Wir führten 47 Gespräche in Kneipen und Restaurants, und insgesamt kamen dabei unglaubliche 4500 Vorschläge zusammen, wie man diese Stadt noch schöner, besser, freundlicher und lebenswerter machen könnte. Von diesem Engagement hätten wir damals bei unserer Runde nach der Wahl nie zu träumen gewagt. Deshalb an dieser Stelle: ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgemacht haben!

Ich wünsche Ihnen einen ganz besonders schönen Tag!

Ihre Sigrid Neudecker

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

AKTUELLES

136 Jahre alter Schoner nach Kollision mit Containerschiff gesunken

© picture alliance/Bodo Marks/dpa

Bei einer Kollision eines Containerschiffs mit dem Traditionssegler "No 5 Elbe" auf Höhe Stadersand wurden am Samstagnachmittag acht der insgesamt 43 Personen an Bord des Seglers leicht verletzt. Rettungskräfte, die nach einem anderen Einsatz zufällig in der Nähe waren, konnten vermutlich Schlimmeres verhindern. Der 136 Jahre alte Lotsenschoner war auf dem Weg nach Hamburg in die Fahrrinne des Containerfrachters geraten und wurde von diesem gerammt. Wie NDR 90,3 berichtete, war der gerade erst für 1,5 Millionen Euro generalüberholte Segler schon zuvor durch seine Manöver aufgefallen. Nach der Kollision wurde das manövrierunfähige Schiff von mehreren DLRG-Booten in die Einfahrt der Schwinge geschleppt, sank dort jedoch, obwohl die Feuerwehr versuchte, es auszupumpen. Der 37 Meter lange Gaffelschoner ist Hamburgs letztes verbliebenes Seeschiff aus der Ära des Holzschiffbaus. Ob er wiederhergestellt werden kann, soll sich in den kommenden Tagen zeigen.

Hamburger Polizei schießt häufiger auf Tiere als auf Menschen

16 Mal haben Hamburgs Polizisten dieses Jahr bereits im Dienst von ihrer Schusswaffe Gebrauch gemacht. Wie aus der Antwort des Senats auf eine Schriftliche Kleine Anfrage des Abgeordneten Karl-Heinz Warnholz (CDU) hervorging, tötete ein Schuss am 22. Mai einen Mann in Hausbruch, der Beamte mit einem Messer attackiert hatte; zweimal wurden Warnschüsse abgefeuert. Der überwiegende Großteil der Schüsse richtete sich gegen gefährliche, kranke oder verletzte Tiere, die etwa nach Wildunfällen getötet werden mussten. Zum Vergleich: 2018 gab es insgesamt 24 Schusswaffeneinsätze – zwei gegen Menschen, 20 gegen Tiere und zwei Warnschüsse. 2018 wurde laut Senat auch sechsmal mit Maschinenpistolen auf Tiere geschossen. Bei großen Tieren wie Kühen könne die höhere Durchschlagskraft dieser Waffen von Vorteil sein, sagte ein Polizeisprecher.

In einem Satz

Der Landeswahlausschuss hat am Freitag das endgültige Wahlergebnis der Europawahl beschlossen, der Stimmenanteil der Grünen liegt nun bei 31,1 statt 31,2 Prozent +++ Nach dem Grillfest eines Wassersportvereins in Rothenburgsort sind zwei Männer in der Elbe mutmaßlich ertrunken, ihre Leichen wurden am Samstagabend und am Sonntagmorgen entdeckt +++ Bei einem Brand in Bramfeld ist eine 79 Jahre alte Frau ums Leben gekommen, vier weitere Personen wurden verletzt

Was heute auf der Agenda steht

Bürgermeister Peter Tschentscher empfängt die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch sowie den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig zu einem Städte-Trialog, dabei wird auch ein Kooperationsvertrag zu den Bereichen Smart City, Klimaschutz und Innovation unterzeichnet +++ Am Hauptbahnhof startet um 12 Uhr eine von Schülerinnen und Schülern organisierte Solidaritätsaktion zum Erhalt der Katholischen Schule Harburg ++ Blues-Legende Van Morrison spielt auf der Freilichtbühne im Stadtpark eines von zwei Deutschlandkonzerten

WAS SIE INTERESSIEREN KÖNNTE

Alltagsreporter: Die Schulsekretärin

Ich drehe am Ende des Schultages meine Fundsachenrunde über das Schulgelände. Dabei stolpere ich im hohen Gras der ungemähten Insektenwiese fast über einen Zweitklässler, der dort liegt. "Was machst du denn hier?" – "Das Leben genießen", antwortet der Kleine.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburgerinnen und Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

"Wer hier reinkommt und die Kletterwand sieht, bleibt erst mal stehen"

© Lena Siemers

Bis in die Nacht hinein haben rund 20 Arbeiter eine gigantische Kletterwand aufgebaut: 6 Meter breit und 16 Meter hoch steht sie seit heute im Einkaufscenter Europa Passage am Jungfernstieg. Die Wand bleibt bis Sonntag dort – am Samstag finden hier norddeutsche Meisterschaften im Geschwindigkeitsklettern statt. Wie passt der Sport zum Shopping? Das versucht Centermanager Jörg Harengerd zu erklären.

Elbvertiefung: Ab heute ragt die riesige Kletterwand in der Europa Passage auf. Welchen Sinn hat das in einem Shoppingcenter?

Jörg Harengerd: Unser Ziel ist es, dass die Menschen sich bei uns wohlfühlen und länger bleiben. Wer hier reinkommt und die Kletterwand sieht, bleibt erst mal stehen und ist überrascht. Anfang Juni hatten wir einen 8,5 Meter hohen Kletterturm aufgebaut. Die Besucher waren total fasziniert, viele sind selber hochgeklettert, obwohl sie an dem Tag bestimmt etwas ganz anderes vorhatten.

EV: Warum bauen Sie die Wand in einem Gebäude auf?

Harengerd: Weil wir glauben, dass nur wenige Leute sagen: Dieses Wochenende gehe ich in einen Kletterverein und probiere den Sport mal aus. In der Europa Passage dagegen kommen die Leute einfach so vorbei und machen spontan mit. Von den Besuchern am vergangenen Wochenende waren viele begeistert. Einige von ihnen gehen bestimmt bald in eine Halle.

EV: Als kommerzielles Shoppingcenter ist es aber nicht Ihre Aufgabe, Sport zu den Menschen zu bringen. Sie wollen mehr Kundinnen und Kunden für Ihre Geschäfte anlocken.

Harengerd: Wir haben mehrere Studien dazu gemacht, wie viel es den Geschäften bringt, wenn wir große Events im Center machen. Das ist nicht viel, zwischen drei und fünf Prozent. Wichtiger für uns ist, dass die Menschen hier reinkommen und etwas erleben.

EV: Events als Mittel gegen Online-Shopping?

Harengerd: Wir als Europa Passage haben keine großen Probleme mit dem Online-Shopping. Unsere Auslastung liegt bei 100 Prozent, die Besucherzahlen steigen, im April waren es durchschnittlich 70.000 Besucher am Tag, wir rechnen eigentlich mit 55.000. Natürlich kann sich unser Sortiment ändern in den nächsten fünf Jahren, wenn die Mode weiter Richtung Online-Handel abwandert. Aber mit den Events schaffen wir vor allem Ereignisse, die im Gedächtnis der Leute bleiben.

EV: Eine knappe Woche lang kann nun geklettert werden. Was haben Sie für diese Zeit geplant?

Harengerd: Morgens zwischen 10 und 12 Uhr kommen Schulklassen. Es gibt an einem Tag einen Ladies’ Climb, nur für Frauen, mit gesunden Snacks und Getränken. Es kommen Prominente wie die ehemalige Boxweltmeisterin Regina Halmich. Die Feuerwehr tritt gegen die Polizei an. Am wichtigsten ist uns aber, dass alle Menschen, die klettern wollen, das auch tun können. Jeden Tag zwischen 12 und 20 Uhr können sie vorbeikommen, ohne Anmeldung.

Kilian Trotier

Hamburg, die geheime Jazzstadt

© Paul Pack

Hamburg hat über die Jahrzehnte viel an Pop hervorgebracht – von Bert Kaempfert und Udo Lindenberg über Blumfeld und Tocotronic bis hin zu Boy und Anna Depenbusch. Aber Jazz? Da müssen selbst Kennerinnen und Kenner länger überlegen. Dabei gibt es eine rege Szene in der Stadt. Die wollen ein paar junge Musikerinnen und Musiker aus dem Umfeld der Hochschule für Musik und Theater bekannter machen – und formierten sich zum Jazzlab. Was es damit auf sich hat, beschreibt Ulrich Stock in einem ausführlichen Stück in unserer Juni-Ausgabe, die noch diese Woche am Kiosk liegt. Digitalabonnentinnen und -abonnenten können den Artikel gleich hier lesen. Wer dann Lust auf Jazz bekommen hat, geht einfach heute ab 19 Uhr zur Jazzlab-Sommersause in den Schanzenpark.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Kaffeepause

Hübsch anzusehen

"So ein Café hat in dieser Gegend einfach gefehlt", sagt der Gast am Tresen begeistert. Und die Frau hat recht: Die Cafédichte in Barmbek-Nord könnte noch vergrößert werden. Immerhin hat vor ein paar Wochen das Malina Coffee and Stories geöffnet, ein schon auf den ersten Blick vor Einrichtungsideen überquellender Laden mit auffallenden Blumentapeten, unterschiedlichsten gemütlichen Sitzgelegenheiten, Büchern, einem Plattenspieler und Schallplatten sowie einer Kinderecke mit Spielsachen. Das alles soll ihn wohl zu dem "märchenhaften Ort voller Geschichten" machen, als der er in der Karte beschrieben wird. Blumen, Karten und allerlei Deko-Gegenstände kann man auch gleich direkt kaufen. Doch so stimmig der Laden vom Aussehen her ist – bei dem, was serviert wird, könnte noch ein wenig nachgelegt werden. Der Cappuccino (2,80 Euro) ist recht dünn im Geschmack, dem Kuchen – veganer Bananenmuffin, Frischkäsekuchen, Zimtschnecke oder Himbeertarte – fehlt es, so hübsch er auch aussehen mag, noch an Tiefe und Geschmack, um zu begeistern.

Malina Coffee and Stories; Barmbek-Nord, Hellbrookstraße 61, Di, Mi, Fr 9–18, Do 9–21, Sa 10–18, So 10–17 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Revolution im Kopf: Französische Gelbwesten, radikale Feministinnen und Klimaaktivisten – sie alle streben einen Wandel der Gesellschaft an. Die Philosophin Eva von Redecker bereitet Hamburg gedanklich auf den nächsten Umsturz vor. Philosophisches Café: "Bereit für die nächste Revolution?"

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19 Uhr, 12 Euro

Was kommt

Digital denken: "Kreativiert euch!", fordert einer der Events von "Mind the Progress". Der Kongress will Algorithmen und menschliches Denken zusammenbringen. In Workshops und bei interaktiven Treffen lassen sich Gäste auf einen unbequemen Diskurs über das digitale Zeitalter ein.

Oberhafenquartier, Stockmeyerstraße 41–43, Fr–Sa, VVK 85 Euro

Blues mit Bart: Seit 50 Jahren touren die drei Langbärte von ZZ Top mit Blues und Boogie. Ihr Jubiläum feiern sie mit Hits wie "Gimme All Your Lovin’", zehn Gitarrensaiten und Schlagzeug.

Barclaycard Arena, Sylvesterallee 10, Mo, 17.6., 20 Uhr, ab 64,50 Euro

Rettungsring fürs Theaterschiff: Planken geschrubbt, Scheinwerfer an – das 107 Jahre alte Theaterschiff verkörpert Hamburgs maritime und kulturelle Seele. Nun droht der kleinen Bühne das Aus, weil Geld für dringend nötige Sanierungsarbeiten fehlt. Promis wie Anna Depenbusch unterstützen das Schiff mit einer winterlichen Benefiz-Gala; Tickets sind ab sofort zu haben.

Elbphilharmonie, Großer Saal, Platz der Deutschen Einheit 1, 7.12.19, 11 Uhr, ab 35 Euro; Spenden sind möglich über die zugehörige Crowdfunding-Kampagne

Hamburger Schnack

In der S3 von Harburg Richtung Hauptbahnhof. Die Bahn steht wie immer ewig in Hammerbrook. Ein Mann sagt zu seinem Freund: "Warum fährt die Bahn eigentlich nicht weiter?" Der antwortet: "Die steht hier immer so lange." – "Und wieso?" – "Keine Ahnung. Zoll vielleicht. Schließlich haben wir eben die Elbe überquert." Schelmisches Grinsen.

Gehört von Nina Wanckel

Meine Stadt

Vater und Tochter erfinden einen neuen Wassersport: Sit-down-Paddling © Bernhard Klosa

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Hamburg, meine Jazz-Perle. (Abo).