Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wahlerfolge können auch zu groß sein. Wohl kaum jemand hat das so brutal erlebt wie der einstige Kammerrebell Tobias Bergmann, der bei der Wahl zum Plenum der Handelskammer 2017 so hoch gewann, dass es keine Opposition mehr gab – und er fortan merken musste, wie viele zweifelhafte Personen er auf die unteren Plätze seiner Wahlliste gehievt hatte. Am Ende zerstritten sich seine eigenen Leute und jagten ihn davon.

Im Kleinen machen nun die Grünen eine ähnliche Erfahrung. Die Partei holte bei den Bezirkswahlen vor zwei Wochen sehr viel mehr Stimmen als erwartet, so mancher selbst den eigenen Parteifreunden weitgehend unbekannte Kandidat ist deswegen jetzt Abgeordneter.

Nun kommt heraus: Im Bezirk Mitte wurden zwei Kandidaten gewählt, die womöglich islamistischen Organisationen nahestehen – so werfen es zumindest Parteikollegen den Gewählten vor. Beide seien noch nicht lange in der Partei, heißt es, einer habe sogar spontan kandidiert. Die Parteispitze versucht klare Kante zu zeigen und prüft ein Parteiordnungsverfahren. Unter den Abgeordneten in Mitte ist man sich dagegen alles andere als einig. Vier von ihnen solidarisieren sich mit den Kritisierten, die zehn anderen bilden nun die neue Bezirksfraktion, die nun aber nicht mehr die größte Fraktion in Mitte ist. Die gute Stimmung in der Partei ist jedenfalls schlagartig verflogen. Was die Grünen-Chefin zu der Situation sagt, lesen Sie unten. 

Ich bin in den kommenden zwei Wochen auf einem Lehrgang an der Feuerwehrakademie, hier übernimmt morgen Sigrid Neudecker.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche!

Ihr Oliver Hollenstein

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

© Markus Scholz/dpa

Tausende Teilnehmer bei Motorradgottesdienst und Fahrradsternfahrt

Es war das Wochenende der Zweiräder: 20.000 Motorradfahrer waren am Sonntag zum traditionellen Motorradgottesdienst im Michel gekommen. Zeitgleich fuhren bis zu 30.000 Radfahrer bei einer Fahrradsternfahrt von 80 Startpunkten zum Rathausmarkt, um für klimafreundliche Politik zu demonstrieren. Jede Menge Stadtfeste mit Tausenden Besuchern gab es auch noch, unter anderem die Altonale und 48h Wilhelmsburg.

© Thomas Mu\u0308ller/dpa

Radfahrer stirbt nach Unfall mit Lastwagen in St. Georg

Es sind inzwischen Meldungen mit trauriger Regelmäßigkeit: Schon wieder ist ein Radfahrer bei einem Unfall mit einem Lastwagen ums Leben gekommen. Der 52-jährige Mann passierte am Freitag eine grüne Ampel an der Alster in St. Georg, als er von dem stadtauswärts fahrenden Lkw gerammt wurde. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Am Samstag haben sich Dutzende Menschen zu einer Mahnwache am Unfallort getroffen und sich wie tot auf die nasse Straße gelegt. Erst im März war ein Radfahrer in Stellingen von einem abbiegenden Lastwagen getötet worden. Am Donnerstag war eine 65-jährige Frau in Norderstedt von einem Lkw schwer verletzt worden, in Alsterdorf wurde am Freitag ein 56-jähriger Radfahrer bei einem Unfall mit einem Auto verletzt.

Kuriosität des Wochenendes: Mann droht mit Mord und wirft mit Kaffeesahne um sich

Ein aggressiver 31-Jähriger hat am Samstagmorgen die Polizei am Hauptbahnhof beschäftigt. Der Mann wollte in einem Fast-Food-Restaurant einen Burger bestellen, der aber gerade nicht im Angebot war, wie ihm die 26-jährige Verkäuferin erklärte. Daraufhin behauptete der Mann, eine Münze verloren zu haben, die Mitarbeiterin half ihm suchen, konnte die Münze aber nicht finden. Daraufhin rastete der Mann aus, drohte der Frau mit dem Tod. Als Sicherheitsmitarbeiter ihn beruhigen wollten, nahm er Päckchen mit Kaffeesahne von der Theke, trank einige aus und schmiss andere durch das Restaurant. Anschließend flüchtete er, Beamte der Bundespolizei konnten ihn allerdings in der Wandelhalle festnehmen. Eine Alkoholkontrolle ergab: null Promille.

In einem Satz

Mehr als 6000 Menschen haben am Freitag bei der Fridays-for-Future-Demonstration vor dem Rathaus eine Schweigeminute fürs Klima eingelegt +++ Der Verwaltungsrat des Norddeutschen Rundfunks (NDR) schlägt Hörfunkdirektor Joachim Knuth (60) als neuen Intendanten vor +++ In Billstedt hat ein 70-jähriger Busfahrer beim Abbiegen einen zwölfjährigen Jungen auf einem Zebrastreifen übersehen und schwer verletzt +++ Der kleine Junge, der am vergangenen Montag in Neugraben in ein Rückhaltebecken gefallen war, ist im Krankenhaus gestorben

Was heute auf der Agenda steht

An der Luruper Hauptstraße in Bahrenfeld beginnen die Bauarbeiten für breitere Radwege, bis November ist die Pendlerstrecke deswegen nur einspurig in beide Richtungen befahrbar +++ In Hammerbrook wird der Grundstein für den Hammerbrooklyn.DigitalCampus gelegt, wo künftig Start-ups und etablierte Unternehmen gemeinsam an Lösungen für Zukunftsfragen arbeiten sollen +++ Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) reist nach Paris und besucht unter anderem die Luftfahrtmesse Paris Air Show

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Die Studentin

Nebenbei arbeite ich gerade als Vertretungslehrerin in einer Schule. Ein echt spannender und verantwortungsvoller Job. Die Herausforderung stellte nicht etwa die Klasse dar, die eine Meisterleistung in Neue-Lehrer*innen-Austesten zeigte, sondern tatsächlich der Prozess der Anstellung. Ich musste unzählige Seiten ausfüllen, Dokumente einreichen, von deren Existenz ich nicht mal wusste, die Krankenkasse wechseln und aufgrund angeblicher Unklarheiten wöchentlich mit der Behörde telefonieren. Hätte ich den Job nicht gemacht, hätte die Klasse dauernd Ausfall gehabt. Das macht es für mich unverständlich, warum einem das Aushelfen so schwer gemacht wird.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Christoph Soeder/dpa

Verkehrsbehörde rüstet sich gegen Chaos durch E-Tretroller

"Jetzt ist es so weit, die E-Roller kommen." Mit diesem Satz stellte Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Freitag ein Konzept für Sharing-Anbieter von elektrischen Tretrollern vor. Seit Samstag dürfen die sogenannten E-Scooter unter bestimmten Voraussetzungen legal auf öffentlichen Wegen fahren. Damit Leihroller nicht, wie in anderen europäischen Städten geschehen, wild in der Gegend abgestellt werden, hat die Verkehrsbehörde mehrere Hundert Parkverbotszonen in Hamburgs Zentrum eingerichtet. Über eine freiwillige Vereinbarung sollen die Anbieter selbst die Einhaltung der Regeln sicherstellen. Zudem möchte die Behörde die Zahl der E-Scooter pro Anbieter auf 1000 Stück innerhalb des Rings 2 beschränken und die Fahrzeuge orten. Weil die Länder aber keine eigenen Regularien erlassen dürfen, muss Westhagemann auf anhaltende Kooperation der Anbieter hoffen. Mit fünf bis sechs Unternehmen sei man im Gespräch, sagte er. Am Freitag hatte jedoch noch kein Unternehmen die Vereinbarung unterzeichnet. Alles, was Sie noch zu E-Scootern und den geplanten Sharing-Angeboten wissen müssen, erfahren Sie hier.

                                                                                             Sandra Jütte

© Darstellung: missing icons

Stadthaus-Mahnmal: Künstler wollen Bürgersteig zerstören

Um an die Menschen zu erinnern, die zwischen 1933 und 1943 in der Gestapo-Zentrale im Stadthaus misshandelt und ermordet wurden, wollen die Hamburger Künstlerinnen Ute Vorkoeper und Andrea Knobloch den Bürgersteig vor dem Gebäude zerstören und mit rotem Teer flicken. Ihr Entwurf für das Mahnmal wurde von einer unabhängigen Jury in einem Gestaltungswettbewerb unter der Regie der Kulturbehörde ausgewählt. "Ich freue mich, dass wir künftig mit einer sichtbaren und irritierenden Markierung im Stadtraum unmittelbar vor dem Stadthaus eine Störung schaffen können, die niemand übersehen kann", teilte Kultursenator Carsten Brosda mit. Jetzt muss die Kulturbehörde die Baugenehmigung einholen; wann das Mahnmal errichtet wird, steht noch nicht genau fest. Alle eingereichten Entwürfe werden vom 28. Juni bis 11. Juli im Hanseviertel, Große Bleichen 30, ausgestellt– jeweils Montag bis Samstag von 12 bis 18 Uhr.

                                                                                         Florian Zinnecker

© Markus Scholz/dpa

Was Sie beim Kampnagel-Sommerfestival nicht verpassen sollten

"Es wird schlimm, viel schlimmer, als wir glauben." Mit diesen Worten beginnt das Buch "Die unbewohnbare Erde" von David Wallace-Wells, das kurz vor Beginn des Kampnagel-Sommerfestivals im August erscheint. Das Buch ist, wenn man so will, die Bibel des diesjährigen Festivals. Zum einen, weil der Autor selbst für eine Veranstaltung nach Hamburg kommt. Und zum anderen, weil das Festival diesmal thematisch um den Klimawandel kreist – sowie um andere Zukunftsvisionen, in verschiedenen Temperaturen, mal optimistisch, mal pessimistisch. Am Freitag präsentierten die Kuratoren des Sommerfestivals um András Siebold das Programm. Zu den Höhepunkten gehört die Eröffnung mit dem französischen Medienkunstkollektiv (La)Horde am 7. August, eine Uraufführung der feministischen Pop-Ikone Peaches am 15. August und ein Gastspiel des Kollektivs Rimini Protokoll mit einem Nachbau des Schriftstellers Thomas Melle als humanoider Roboter. Insgesamt stehen 15 Welt-, Europa- oder Deutschlandpremieren auf dem Programm.

                                                                                    Florian Zinnecker

© Daniel Reinhardt/dpa

"Da gab es keine Auffälligkeiten"

Zwei Wochen nach der Bezirkswahl sind bei zwei gewählten Abgeordneten der Bezirksversammlung Mitte "begründete Zweifel aufgekommen, ob sich die beiden in vollem Umfang zum Grundgesetz und unseren Grundwerten bekennen", wie es die Grünen, denen die Abgeordneten angehören, selbst ausdrücken. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" wird dem einen vorgeworfen, in den Jahren 2016 und 2018 bei Facebook zu Spenden für die islamische Hilfsorganisation Ansaar International aufgerufen zu haben, die dem salafistischen Spektrum zugerechnet wird. Der andere Betroffene soll der umstrittenen islamischen Bewegung Millî Görüş nahestehen. Wir haben Grünen-Chefin Anna Gallina zu dem Thema befragt.

Elbvertiefung: Frau Gallina, zwei Wochen nach Ihrem Erfolg bei der Bezirkswahl gibt es im Bezirk Mitte mächtig Ärger. Der Landesvorstand erwägt ein Parteiordnungsverfahren gegen zwei neu gewählte Abgeordnete. Wie lauten die Vorwürfe an die beiden genau?

Anna Gallina: Die Vorwürfe sind erst mal Gegenstand des Verfahrens, dem wir gerne ein persönliches Gespräch voranstellen wollen. Das konnte aus nachvollziehbaren Gründen nicht stattfinden. Insofern kann ich Ihnen dazu noch keine Auskunft geben, das würde einem fairen Verfahren im Wege stehen.

EV: Die beiden Personen wurden von Ihrer Partei auf die Liste zur Bezirkswahl gewählt. Haben Sie sich nicht genau angeschaut, wen Sie da für Ihre Partei kandidieren lassen? 

Gallina: Die Aufstellung der Bezirkslisten liegt in den Händen der Kreisverbände. Die eine Person hat spontan kandidiert. Die andere Person war schon vorher in die Parteiarbeit eingebunden, da gab es keine Auffälligkeiten.

EV: Kannten Sie die beiden Kandidaten vorher?

Gallina: Nein.  

EV: Wie sind Ihnen die Vorwürfe nun bekannt geworden?

Gallina: Es gab verschiedene Hinweise aus der Partei, denen sind wir sorgfältig im Rahmen unserer Möglichkeiten nachgegangen.

EV: Nun haben sich nur zehn der 16 grünen Abgeordneten in der Bezirksversammlung der Fraktion angeschlossen. Gibt es dort unterschiedliche Auffassungen zum Umgang mit den beiden Kollegen?

Gallina: Aus meiner Sicht stellt es den Normalfall dar, dass man bei gewichtigen Vorwürfen zunächst das Verfahren abwartet, insofern finde ich das Vorgehen der Fraktion nachvollziehbar und sinnvoll. Zu den einzelnen Auffassungen der sechs Personen kann ich nichts sagen. Von denen hat niemand das Gespräch mit mir gesucht. 

EV: Es heißt, der Landesvorstand habe sich mit dem Thema schon am Donnerstag nach der Wahl beschäftigt – vor der konstituierenden Sitzung der Fraktion. Ging das Verfahren vom Landesvorstand aus?

Gallina: Der Landesvorstand hat sich sofort mit den Vorwürfen beschäftigt, als sie aufkamen, und ist ihnen nachgegangen. Das war kein trivialer Vorgang, sondern einer, der auch einer gewissen Sorgfalt bedurfte. Der Landesvorstand ist also Herr der in Rede stehenden Parteiordnungsverfahren. Wir haben nach entsprechender Beschlussfassung des Landesvorstandes die beiden Spitzenkandidaten darüber informiert sowie auch über den Wunsch, zunächst ein Gespräch mit den Betroffenen zu führen. Die beiden Spitzenkandidaten haben daraufhin umgehend mit allen gewählten Abgeordneten über ihre Vorstellung bezüglich des Verfahrens der Konstituierungen gesprochen.

EV: Drohen in anderen Bezirken noch weitere Fälle?

Gallina: Nein.

                                                                                      Oliver Hollenstein

© Hamburg Ballett/Kiran West

Im Scheinwerferlicht: Patricia Friza

Hamburgs Bühnen sind bekannt für Musicals und Sprechtheater, Travestie und Opern. Unsere Serie "Im Scheinwerferlicht" stellt ihre Darsteller in den Mittelpunkt: Wie bereiten sie sich auf ihre Rolle vor? Die Tänzerin Patricia Friza interpretiert beim Ballettabend "Shakespeare – Sonette" tänzerisch Gedichte.

Was bedeutet Schönheit? Wie riecht sie, wie fühlt sie sich an – und wie kann man sie erhalten? Für den Ballettabend habe ich mich ganz intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Ich betrete als ich selbst die Bühne, reise durch mögliche Antworten. Als Tänzerin übermittle ich sie im Zusammenspiel mit Musik und Kostümen allein durch Bewegungen und die Choreografie. Das kommt beim Publikum nur an, wenn ich mich selbst wirklich fühle. Also habe ich mich im Alltag beobachtet: Ich weiß, dass materielle Schönheit mich nicht glücklich macht. Aber auch ich tappe immer wieder in Fallen, die Magazine und Social Media mir stellen. Sie wollen uns vorgeben, was Schönheit ist: reine Haut, der perfekte Körper, Reichtum. Viel wichtiger aber ist doch, was am Ende eines Lebens bleibt. Für mich sind das kleine Dinge, die man leicht übersieht: die Wolken zu beobachten etwa oder einem Fremden ein Lächeln zu schenken. Schönheit liegt in der Natur, in Zeit mit Freunden und meiner Familie.

Hamburg Ballett John Neumeier, Große Theaterstraße 25, nächste Vorstellung am Dienstag, 18.6., 19.30 Uhr

                                                                                   Anna Heidelberg-Stein

Was Sie heute erleben können

Mittagstisch

Falafelzauberei

Unweit der S-Bahn-Haltestelle Sternschanze wird in einem winzigen Laden gezaubert. Wie anders könnte man das nennen, dieses warme Fladenbrot, prall gefüllt mit Salat, Karotten, Kartoffeln, Hummus und geradezu grandiosen Falafelbällchen – wahlweise mit Halloumi und/oder Auberginen (gegen Aufpreis) – für die man nicht mehr als 3 Euro zahlen muss. Gute Falafel herzustellen verlangt nicht nur gute Zutaten, sondern das perfekte Timing, damit die Bällchen schön knusprig, aber nicht zu hart werden und innen samtig weich bleiben. In der Falafel Factory versteht man dieses Handwerk, nach eigener Auskunft gibt es hier schon seit mehr als 20 Jahren eine kleine, feine Auswahl an orientalischen Speisen – neben Falafel auch Schawarma, die palästinensisch-syrische Art des Kebabs. Sitzplätze finden sich nur eine Handvoll an der Tür, viele Gäste nehmen das Essen auf die Hand mit oder lassen es sich zum Mitnehmen einpacken. Ergattert man einen der raren Sitzplätze, so muss man um die Unterhaltung nicht bangen, dafür sorgt das bunte Treiben auf der Schanzenstraße.

Sternschanze, Falafel Factory, Schanzenstr. 101, So–Do 10.30–12.30 Uhr, Fr, Sa 10.30–6 Uhr

Elisabeth Knoblauch

 

Was geht

Lügen in der Kirche: In jedem von uns steckt ein Pinocchio, lügen wir doch mehrmals täglich. Warum eigentlich? Polizeipsychologin Claudia Brockmann und Rechtsmediziner Klaus Püschel diskutieren mit Pastorin Ulrike Murmann: "Lügen haben kurze Beine", Gesprächsabend.

Hauptkirche St. Katharinen, Katharinenkirchhof 1, 19 Uhr, Eintritt frei

Sing mir das Lied vom Mond: Vollmond taucht die Wiese vor dem Planetarium in Silberlicht, Klavierklänge schweben durch die Nacht. Alexander Raytchev mischt Pianomusik mit elektronischen Sphärensounds und hofft auf freie Sicht; "Klangwolke zum Vollmond".

Planetarium, Linnering 1, 21 Uhr, Eintritt frei

Was kommt

Hexameter-Meister: Friedrich Gottlieb Klopstock gilt als Erfinder des "deutschen Hexameters". Der Dichter bereitete damit Kollegen wie Goethe und Hölderlin den Weg, begehrte gegen Opitz’ Reimschule auf. Kein Wunder, musste er sich als ältestes von 17 Kindern doch früh durchsetzen. Nora Gomringer erinnert an den Hamburger Autor: "Ein Klopstock-Abend".

Literaturhaus, Schwanenwik 38, Mi, 19.30 Uhr, 12 Euro

Ost-West-Begegnungen: Wie begegnen sich Kulturen friedlich? Im besten Fall im Dialog, ist sich das Hamburger Konfuzius-Institut sicher. Es führt Experten aus Deutschland und China zusammen, lässt sie die Perspektiven des jeweils anderen Landes beleuchten. Über China spricht Professor Harro von Senger, einen Blick auf Deutschland richtet der chinesische Germanist Hu Chunchun. "Zukunftsvisionen in China & Deutschland – Deutsch-Chinesischer Dialog".

Markk, Rothenbaumchaussee 64, Do, 18 Uhr, 12 Euro, Anmeldung online

Hamburger Schnack

Ich sitze unter der Markise eines Straßencafés und lese das Feuilleton meiner Wochenzeitung. Da lässt mich die Stimme eines vorbeigehenden Kindes aufhorchen: »Ich wär ja schon längst tot …«, sagt das etwa achtjährige Mädchen zu seiner Oma, »… wenn ich nicht ständig überleben würde.« Oma und ich grinsen uns an.

Gehört von Horst-Dieter Martinkus

 

Meine Stadt

»Urban Sketchers« sind Künstler, die mit Zeichenstift und Skizzenbuch durch die Stadt streifen und ihre Eindrücke auf Papier festhalten. Diese Zeichnung stammt von Tine Beutler: »Ich zeichne mittlerweile fast alle maritimen Motive in ein altes Schiffstagebuch, das meinem Schwiegervater gehörte, der früher mal eine Reederei besaß. Geplant hatte ich an diesem Tag, die »Amerigo Vespucci« zu zeichnen. Ich wusste, dass sie um die Mittagszeit ablegt, und hatte meinen Vormittag so geplant, dass ich eine Stunde Zeit habe zu zeichnen. Leider hatte sich an dem Tag alles gegen mich verschworen. Eine Bahn verpasst, die nächste fiel aus. Als ich dann endlich an der Überseebrücke ankam, war von dem schönen Segler weit und breit nichts mehr zu sehen. Statt des schlanken stattlichen Seglers gab’s dann eben einen kleinen, knuffigen Schlepper.« © Tine Beutler

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Hamburg will Chaos mit Sharing-Anbietern vermeiden. Seit dem Wochenende sind E-Scooter auf Deutschlands Straßen erlaubt. In Hamburg hat die Verkehrsbehörde ein Konzept erarbeitet, wie das Angebot reguliert werden soll.