In unserem Hamburg-Newsletter "Elbvertiefung" haben wir nach den Erfahrungen der Hamburgerinnen und Hamburger gefragt, die täglich mit der S-Bahn oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit oder aus anderen Gründen unterwegs sind. Nachfolgend veröffentlichen wir einen Teil der Zuschriften, die bislang bei uns eingetroffen sind. Wir haben die Absender aus Gründen der Einheitlichkeit durchgehend anonymisiert, obwohl die meisten Leserinnen und Leser mit einer vollständigen Veröffentlichung ihres Namens einverstanden waren. Manche Zuschriften wurden gekürzt, teilweise redigiert und korrigiert.



Ich komme aus dem Hamburger Umland und fahre mindestens dreimal in der Woche die Strecke Dassendorf–Bergedorf–Hauptbahnhof–Niendorf. Ich habe mich bewusst für Bus, S- und U-Bahn entschieden, obwohl die Fahrtzeit erheblich länger dauert.

Nicht nur die S-Bahnen kommen nur selten pünktlich, auch die Busverbindung nach und von Bergedorf (Linie 8810) ist eigentlich immer massiv verspätet.

Ärgerlich sind dabei nicht nur die Verspätungen, sondern umso mehr die mangelnde Reaktion auf Kontaktaufnahme zum HVV bzw. zur Autokraft/Kiel (die die Linie 8810 für den HVV bedient). An Sonnabenden ist es mir schon mehrfach passiert, dass der Bus gar nicht fuhr, leider auch ohne jegliche Information am Bussteig. Die Querachse Aumühle – Geesthacht wird darüber hinaus gar nicht erst ausreichend bedient. Dies alles, obwohl der HVV vor gar nicht langer Zeit umfangreiche Umfragen durchführen ließ. Tatsächlich ist es keine Nettigkeit, den öffentlichen Nahverkehr zu bedienen, sondern kostet uns Fahrgäste einiges Geld.

Ruth-Maria B.

 

Ach, hätte ich doch auf mich gehört! Als ich meinen jetzigen Mann kennenlernte (mitten in Ottensen wohnend), erklärte ich ihm: "Nie mehr unter 1 Mio. Einwohner, auch wenn dein Häuschen auf dem Deich noch so hübsch ist." Dann zog ich, damals freischaffende Journalistin, doch schleichend in die ländliche Idylle und gab irgendwann die Altbauwohnung im quirligen Kiez auf.

Ging auch alles gut, bis ich einen riesigen Fehler machte: Ich übernahm eine zweijährige Elternzeitvertretung in einer Hamburger Redaktion.

Das Pendeln selbst gab mir den Rest. Als erstes lernte ich Nachteule, eine Stunde früher als nötig loszufahren, um überhaupt noch einen Park and Ride Platz in Horneburg zu ergattern. Die Stunde verplemperte ich nicht selten auf dem Bahnsteig, weil weder Metronom noch S-Bahn aus dem Knick kamen – die Lösung: ab nach Finkenwerder zur Fähre. Auch nur selten eine wirklich gute Idee, da dort Parkplätze immer absolute Mangelware sind. Also nach Cranz, mit der 150 zur Fähre – und schon kam ich wieder zu spät. Hängte abends Zeit dran – manchmal kam ich dann doch schon so gegen 22 Uhr wieder heim, Privatleben adé!

Meine Lösung nach zwei Jahren: entnervt aufgeben und die angebotene Verlängerung des Vertrags ausschlagen. Nun sitze ich wieder in meinem Büro auf dem Deich, gucke erleichtert über die Obsthöfe Richtung Elbe. Und nehme dankend in Kauf, dass Aufträge akquirieren zwar auch zäh ist, aber es ist lange nicht so kräfteraubend wie Pendeln aus der südlichen Metropolregion in die "große Stadt".

Noch immer reagiere ich extrem allergisch auf Begriffe wie Signalstörung, Weichenstörung, Menschen im Gleis, Bahnübergangsstörung, Bauarbeiten auf Ihrer Strecke, Schienenersatzverkehr (der nie, nie, nie funktionierte, also Handy aus der Tasche ziehen und Notruf absetzen: Schatz kannst du mich mal eben in... einsammeln kommen)...

Es verwundert wohl kaum, dass eine Ansichtskarte mit einer umgestürzten alten Dampflok und mit "Ab Buxtehude besteht Schienenersatzverkehr" betextet ein absoluter Bestseller in Stader Buchhandlungen ist.

Nicola H., Steinkirchen


Am Brückentag nach Himmelfahrt bin ich mit dem Motorrad zur Arbeit gefahren. Mein Weg ist von Neu Wulmstorf nach Großneumarkt. Morgens betrug meine Fahrzeit 28 Minuten, nachmittags 45. Mit Öffis brauche ich im Idealfall 68 Minuten. Das ist natürlich keine Option für den Winter. Gestern konnte ich mir mit Metronom und Bus behelfen. Ich habe Gleitzeit und bekomme so keine Probleme auf der Arbeit. Die Probleme habe ich dann eher zuhause, weil mir an solchen Tagen ein bis zwei Stunden Privatleben fehlen.

Was ich nicht verstehe, ist, dass Neu Wulmstorf an solchen Tagen (Störungen, geplanter Ersatzverkehr) nicht von der Regionalbahn angefahren wird. Das wären pro Tag etliche Tausend Fahrgäste weniger, die die S-Bahn belasten würden. Gerüchten zufolge hatte der Metronom das früher teilweise praktiziert.

Sabine B.

Ihrem heutigen Wunsch nach einem chaosfreiem Tag steht natürlich die S-Bahn entgegen, die mich heute Morgen mit dem Hinweis auf eine Stellwerksstörung zwischen Wedel und Rissen empfangen hat.  In ohnmächtiger Wut und hilflos in den Möglichkeiten darauf zu reagieren, bin ich dann mit dem Fahrrad nach Rissen gefahren und dort in den Zug gestiegen. Was mir insgesamt 40 Minuten Verspätung zum geplanten Termin eingebracht hat. 

Als extreme Provokation empfinde ich dann die Bitte um Verständnis und die sinnlose Entschuldigung. Ich entschuldige es nicht, weil diese Störungen zum größten Teil durch die Bahn selbst verschuldet sind, durch zu wenig Personal, miserable Arbeitsorganisation, schlechte Personalführung und mangelhafte Instandhaltung des Materials. Für all das gibt es ausreichend Beispiele. Die S-Bahn ist ein Unternehmen, das von Grund auf marode ist. Da helfen auch keine "Gespräche auf höchster Ebene", weil die Bahn den Beförderungsauftrag hat, den man ihr nicht nehmen kann, und sie sich anscheinend über alle Vereinbarungen einfach hinwegsetzt.

Bei dem Ärger und der Wut über diese Bahn kommen mir immer die Tränen, wenn ich die monatlichen Abbuchungen für die Monatskarte auf dem Kontoauszug sehe. Eine miserable Leistung bei sehr hohen Kosten. 

Jörg W.