"Es ist nur noch zum Kotzen"

In unserem Hamburg-Newsletter "Elbvertiefung" haben wir nach den Erfahrungen der Hamburgerinnen und Hamburger gefragt, die täglich mit der S-Bahn oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit oder aus anderen Gründen unterwegs sind. Nachfolgend veröffentlichen wir einen Teil der Zuschriften, die bislang bei uns eingetroffen sind. Wir haben die Absender aus Gründen der Einheitlichkeit durchgehend anonymisiert, obwohl die meisten Leserinnen und Leser mit einer vollständigen Veröffentlichung ihres Namens einverstanden waren. Manche Zuschriften wurden gekürzt, teilweise redigiert und korrigiert.



Ich komme aus dem Hamburger Umland und fahre mindestens dreimal in der Woche die Strecke Dassendorf–Bergedorf–Hauptbahnhof–Niendorf. Ich habe mich bewusst für Bus, S- und U-Bahn entschieden, obwohl die Fahrtzeit erheblich länger dauert.

Nicht nur die S-Bahnen kommen nur selten pünktlich, auch die Busverbindung nach und von Bergedorf (Linie 8810) ist eigentlich immer massiv verspätet.

Ärgerlich sind dabei nicht nur die Verspätungen, sondern umso mehr die mangelnde Reaktion auf Kontaktaufnahme zum HVV bzw. zur Autokraft/Kiel (die die Linie 8810 für den HVV bedient). An Sonnabenden ist es mir schon mehrfach passiert, dass der Bus gar nicht fuhr, leider auch ohne jegliche Information am Bussteig. Die Querachse Aumühle – Geesthacht wird darüber hinaus gar nicht erst ausreichend bedient. Dies alles, obwohl der HVV vor gar nicht langer Zeit umfangreiche Umfragen durchführen ließ. Tatsächlich ist es keine Nettigkeit, den öffentlichen Nahverkehr zu bedienen, sondern kostet uns Fahrgäste einiges Geld.

Ruth-Maria B.

 

Ach, hätte ich doch auf mich gehört! Als ich meinen jetzigen Mann kennenlernte (mitten in Ottensen wohnend), erklärte ich ihm: "Nie mehr unter 1 Mio. Einwohner, auch wenn dein Häuschen auf dem Deich noch so hübsch ist." Dann zog ich, damals freischaffende Journalistin, doch schleichend in die ländliche Idylle und gab irgendwann die Altbauwohnung im quirligen Kiez auf.

Ging auch alles gut, bis ich einen riesigen Fehler machte: Ich übernahm eine zweijährige Elternzeitvertretung in einer Hamburger Redaktion.

Das Pendeln selbst gab mir den Rest. Als erstes lernte ich Nachteule, eine Stunde früher als nötig loszufahren, um überhaupt noch einen Park and Ride Platz in Horneburg zu ergattern. Die Stunde verplemperte ich nicht selten auf dem Bahnsteig, weil weder Metronom noch S-Bahn aus dem Knick kamen – die Lösung: ab nach Finkenwerder zur Fähre. Auch nur selten eine wirklich gute Idee, da dort Parkplätze immer absolute Mangelware sind. Also nach Cranz, mit der 150 zur Fähre – und schon kam ich wieder zu spät. Hängte abends Zeit dran – manchmal kam ich dann doch schon so gegen 22 Uhr wieder heim, Privatleben adé!

Meine Lösung nach zwei Jahren: entnervt aufgeben und die angebotene Verlängerung des Vertrags ausschlagen. Nun sitze ich wieder in meinem Büro auf dem Deich, gucke erleichtert über die Obsthöfe Richtung Elbe. Und nehme dankend in Kauf, dass Aufträge akquirieren zwar auch zäh ist, aber es ist lange nicht so kräfteraubend wie Pendeln aus der südlichen Metropolregion in die "große Stadt".

Noch immer reagiere ich extrem allergisch auf Begriffe wie Signalstörung, Weichenstörung, Menschen im Gleis, Bahnübergangsstörung, Bauarbeiten auf Ihrer Strecke, Schienenersatzverkehr (der nie, nie, nie funktionierte, also Handy aus der Tasche ziehen und Notruf absetzen: Schatz kannst du mich mal eben in... einsammeln kommen)...

Es verwundert wohl kaum, dass eine Ansichtskarte mit einer umgestürzten alten Dampflok und mit "Ab Buxtehude besteht Schienenersatzverkehr" betextet ein absoluter Bestseller in Stader Buchhandlungen ist.

Nicola H., Steinkirchen


Am Brückentag nach Himmelfahrt bin ich mit dem Motorrad zur Arbeit gefahren. Mein Weg ist von Neu Wulmstorf nach Großneumarkt. Morgens betrug meine Fahrzeit 28 Minuten, nachmittags 45. Mit Öffis brauche ich im Idealfall 68 Minuten. Das ist natürlich keine Option für den Winter. Gestern konnte ich mir mit Metronom und Bus behelfen. Ich habe Gleitzeit und bekomme so keine Probleme auf der Arbeit. Die Probleme habe ich dann eher zuhause, weil mir an solchen Tagen ein bis zwei Stunden Privatleben fehlen.

Was ich nicht verstehe, ist, dass Neu Wulmstorf an solchen Tagen (Störungen, geplanter Ersatzverkehr) nicht von der Regionalbahn angefahren wird. Das wären pro Tag etliche Tausend Fahrgäste weniger, die die S-Bahn belasten würden. Gerüchten zufolge hatte der Metronom das früher teilweise praktiziert.

Sabine B.

Ihrem heutigen Wunsch nach einem chaosfreiem Tag steht natürlich die S-Bahn entgegen, die mich heute Morgen mit dem Hinweis auf eine Stellwerksstörung zwischen Wedel und Rissen empfangen hat.  In ohnmächtiger Wut und hilflos in den Möglichkeiten darauf zu reagieren, bin ich dann mit dem Fahrrad nach Rissen gefahren und dort in den Zug gestiegen. Was mir insgesamt 40 Minuten Verspätung zum geplanten Termin eingebracht hat. 

Als extreme Provokation empfinde ich dann die Bitte um Verständnis und die sinnlose Entschuldigung. Ich entschuldige es nicht, weil diese Störungen zum größten Teil durch die Bahn selbst verschuldet sind, durch zu wenig Personal, miserable Arbeitsorganisation, schlechte Personalführung und mangelhafte Instandhaltung des Materials. Für all das gibt es ausreichend Beispiele. Die S-Bahn ist ein Unternehmen, das von Grund auf marode ist. Da helfen auch keine "Gespräche auf höchster Ebene", weil die Bahn den Beförderungsauftrag hat, den man ihr nicht nehmen kann, und sie sich anscheinend über alle Vereinbarungen einfach hinwegsetzt.

Bei dem Ärger und der Wut über diese Bahn kommen mir immer die Tränen, wenn ich die monatlichen Abbuchungen für die Monatskarte auf dem Kontoauszug sehe. Eine miserable Leistung bei sehr hohen Kosten. 

Jörg W.

 

"Bei wichtigen Terminen mindestens 1 Stunde Puffer einbauen"

Ich lese die Elbvertiefung gerade, während ich mal wieder wegen eines defekten S21-Zuges zu spät komme. Dies gehört neben den üblichen Weichenstörungen nun leider zum Alltag. Die neuen Züge mögen schön sein, aber leider absolut störanfällig. Bei wichtigen Terminen plane ich aktuell 2 bis 3 Pufferbahnen ein. Termine auf der Arbeit nehme ich nur noch nach 9 Uhr an, damit ich nicht zu spät komme. Das raubt einem den letzten Nerv. Auf das Auto möchte ich eigentlich aus Umweltgründen nicht umsteigen. Ich versuche mir trotzdem nicht die Laune zu verderben und habe immer genug Lesestoff und ein paar Netflix-Folgen heruntergeladen, falls es Mal wieder länger dauert. 

Jessica R., Neuallermöhe


Schon oft habe ich von dem Chaos rund um die Linken S31 und S3 gelesen. Da ich selbst in Eimsbüttel lebe, habe ich persönlich davon die letzten Jahre eher weniger mitbekommen. Nun bin ich seit einem halben Jahr Mutter und besuche in Harburg morgens um 9.15 Uhr einen Kurs. In den letzten Wochen kam es in ca 50 Prozent der Fälle zu irgendeiner Verspätung.

Auch gestern war dies wieder der Fall. Mit dem Kinderwagen unterwegs musste auch ich mich irgendwie in die Bahn quetschen. Es gab mehrere genervte Blicke, ein Herr fiel sogar auf meinen Kinderwagen, weil er nicht warten konnte mit dem Einsteigen und dabei stolperte. Und dann gab es noch die Pendlerin, die mir erbost entgegenwarf, ich wäre ja äußerst unklug, mit dem Kinderwagen um solch eine Uhrzeit unterwegs zu sein.

All das zeigt mir, dass wirklich dringend eine Lösung her muss. Ich kann den Frust der Pendler verstehen, auch dass ein Kinderwagen zusätzlichen Platzmangel bedeutet. Aber auch als Mutter darf ich ja zu jeder Uhrzeit Teil der Gesellschaft sein. Und den Metronom zu nehmen kann nicht immer die Lösung sein.

S. Decker  

 

Ich persönlich leide unter dem aktuellen S-Bahn Chaos nicht. Ich habe nur leider resigniert bei der absolut miserablen und schlechten Anbindung durch die Regionalbahn in den Hamburger Osten. Die R 10 nach Rahlstedt fällt ja ständig aus oder kommt so zu spät, dass man in Rahlstedt den Anschluss an den Bus zur Arbeit verpasst. Daher ist man, obwohl man quasi direkt am HbF in Hamburg wohnt, gezwungen, jetzt im Sommer eine Stunde je Strecke mit dem Rad zu fahren (toll!) oder im Winter mit dem Auto (nicht toll). Auf der Strecke hätte ich gerne nur die Probleme, die jetzt bei der S-Bahn herrschen ... dann wäre ich wieder S-Bahn-Fahrer!

Harald G.

 

Ich fahre mehrfach in der Woche zu verschiedenen Zielen in Deutschland, vorwiegend in Berlin. Die Ausfälle/Verzögerungen der Verkehrsmittel passieren bei 1 von 5 Fahrten im Durchschnitt. Bedeutet: Ich sitze in U-oder S-Bahn als Zubringer zum Bahnhof, Bahn ist verzögert ("Personen im Gleis", "Weichenstörung", "Signalstörung"), ich erwische den Zug im Hbf nicht. Komme 1 Stunde später am Ziel an als geplant.

Folgerung: bei wichtigen Terminen mindestens 1 Stunde Puffer einbauen. Ist allerding unmöglich, wenn Termin 11 Uhr in München, denn dann muss ich den 1. Zug nehmen (4:17 U1 von Volksdorf zum Hauptbahnhof - Signalstörung - Zug verpasst, Termin verpasst.) Alternative: Fliegen (mache ich innerhalb Deutschlands nicht), Autofahren (machen nur die Dummen), einen Tag vorher fahren (kostet einen halben Tag). Also: Ich lebe mit der Unzuverlässigkeit – gewöhne mich daran, dass ich einem Entwicklungsland lebe – leider mit der Entwicklung zum Schlechteren und nicht zum Besseren.

Thomas G.

 

Überwiegend bin ich mit der S-Bahn zufrieden, unerwartete Probleme kann es natürlich immer mal geben. Ich habe allerdings den Eindruck, in letzter Zeit nimmt die Zahl der Verspätungen, verpassten Anschlüsse und Zugausfälle zu. Gestern war ich auch vom Ausfall der S31 betroffen und kam nicht mehr rechtzeitig zu einer Veranstaltung in der Uni. Viele Verspätungen gab es auch nach Einführung der neuen S-Bahn-Züge.

Ich frage mich, wieso die S-Bahn betroffen ist und nicht z.B. die Hochbahn. Ist sie technisch so viel komplizierter? Oder liegt es eher an organisatorischen Mängeln, ist vielleicht die S-Bahn als Teil des großen Bahnkonzerns träger, weniger flexibel und nicht so innovativ?

Dieter L.

 

In meinen nunmehr neun Hamburg-Jahren hat sich mein S-Bahn-Karma mindestens jährlich, gefühlt manchmal auch täglich verschlechtert. Verspätungen sind insbesondere im City-Tunnel an der Tagesordnung, ebenso wie unplanmäßige Stopps im Tunnel, vorm Bahnhof etc. Die teils minutenlangen Standzeiten am Bahnsteig will ich gar nicht erst erwähnen, ebenso wie den insbesondere in Randzeiten und am Wochenende fragwürdigen 20-Minuten-Takt (der im City-Tunnel auch noch zu dem – fahrplanmäßigen – Kuriosum führt, dass S1 und S3 direkt hintereinander folgen, danach auf der wohl wichtigsten Strecke aber teils über eine Viertelstunde lang kein Zug fährt).

Wann immer möglich, weiche ich auf die Züge der Hochbahn aus - auch wenn ich womöglich zusätzlich umsteigen muss. Der U-Bahn-Takt ist wesentlich besser, die Züge neuer, sauberer, angenehmer, die Informationspolitik auch bei Sperrungen schneller und transparenter. 

Zur Ehrenrettung der S-Bahn sei bemerkt: In Berlin ist alles noch viel schlimmer. Und Paris, London, New York sind auch nicht immer wirklich besser. Mein Rezept fürs tägliche Bahn-Pendeln: Schalldichte In-Ear-Kopfhörer, gute Musik, ein spannender Podcast und ein Vokabeltrainer fürs Smartphone. Wenns dann mal wieder länger dauert, habe ich wenigstens etwas gelernt (und das nicht nur fürs Leben).

Ingo B.

 

  

"Eine absolute Frechheit, was den Fahrgästen zugemutet wird"

Ich fahre täglich von der S-Bahnstation Holstenstraße zu der S-Bahnstation Harburg Rathaus. An guten Tagen bin ich also ein Insasse der S31. Da (gefühlt) auf dieser Strecke inzwischen täglich kleinere Verspätungen auftreten und mindestens einmal pro Woche größeres Chaos ausbricht, obwohl gleichzeitig fast jedes Wochenende die Strecke über die Elbe wegen Bauarbeiten überhaupt nicht bedient wird, ist es mein morgendliches Ritual geworden, zunächst sämtliche Quellen (hvv.de, bahn.de, Twitter etc.) zu durchforsten. Die HVV App ist in dieser Hinsicht leider nicht verlässlich (sie wird mit "morgens länger schlafen" o. ä. beworben?!). Im Falle einer Störung bleibe ich länger zu Hause oder im Büro und lese zur Unterhaltung die wütenden Kommentare unter dem S-Bahnaccount auf Twitter. Ich habe das Glück, dass ich an der Uni relativ flexibel arbeiten kann. Trotzdem ärgert mich natürlich die verlorene Zeit, vor allem da im beginnenden Sommer das Klima in einer überfüllten S-Bahn zu wünschen übrig lässt. Apropos Klima: Als die neuen klimatisierten S-Bahnen eingeführt wurden, geschah dies auf den Strecken der Linie S21 mit der Begründung, dass die Kunden dort bisher die ganz alten Züge ertragen mussten. Raten Sie mal, wo die alten Züge nun eingesetzt werden! Richtig, auf der Linie S31. Ich möchte hiermit die Linie S31 als schlimmste S-Bahn-Linie in Hamburg, ach was, in Deutschland vorschlagen.

Jonas H.

 

Es ist nur noch zum Kotzen und eine absolute Frechheit, was den Fahrgästen zugemutet wird, und das bei den Preisen!!

Eine Wutbürgerin

 

An der Bushaltestelle konnte ich das Chaos sehen, bevor ich in die unterirdische S Bahnstation reingehe. Tatsächlich, die S-Bahn, die wohl soeben eingetroffen war, war schon voll. Ich durfte nur eine Tür suchen, in dem ich mich in den vollen Waggon reinquetschen durfte.

Wahrend der langsamen Fahrt schaute ich unter Twitter nach, wie die Lage ist. Aber wie zu erwarten, gab es nur die üblichen Ausreden. Störung an irgendwas und die Bahn ist leider nicht in der Lage die berufstätigen und treue ÖPNV-Fahrer pünktlich zu befördern. Normalerweise lese ich etwas, aber da ich taub bin muss ich etwas aufmerksam sein, und die Reaktionen der Menschen beobachten. Nur so kann ich erkennen, ob die Bahn verzögert weiterfährt oder man umsteigen muss. Obwohl 2019 ist, gibt es keinen optimalen barrierefreie Informationen, um aus 1. Hand zu erfahren, was los ist. 

Anfangs habe ich mich immer geärgert, da ich nie was mitbekomme was los ist und warum. Habe auch an die Kundenbetreuung beschwert und hingewiesen, dass ich als tauber Fahrgast die Situation im Vergleich zu den nicht tauben oft sehr schwierig finde. Heute bleibe ich einfach cool und überlege meist, welche Möglichkeiten ich habe, obwohl von Süd HH nach Mitte HH kaum andere Möglichkeiten hat, um weiterzufahren. Wenn wirklich nichts mehr geht steige ich in die zuverlässigere ME um. Auto lohnt sich nicht, da das Verkehr eh verstopft ist und ich im Zentrum von HH arbeite. Fahrrad? Fahrradwege sind nicht optimal und zu weit, da muss man mehr Zeit einplanen. 

Mein Arbeitgeber sagt zu meinen Verspätungen nichts und dieser hat für meine Situation Verständnis. Bei uns gilt Gleitzeit. 

Julian B.

 

 

Ich bin Nutzer des ÖPNV, als Wilhelmsburger hauptsächlich der S3/31. Über die Misere im Hamburger Süden ist schon viel gesagt und geschrieben worden – das spare ich mir. Ich will ihre Aufmerksamkeit aber auf die Bereitschaft des HVV/der S-Bahn lenken, mit unzufriedenen Kunden in einen Dialog zu treten. Die Bereitschaft zum "Kundendialog" (denken Sie sich die Anführungszeichen als ganz dick) tendiert nämlich zu Null.

Konkret: Am 16. Mai habe ich - nachdem ich mich frühmorgens um 5:08 Uhr in eine drei (!) Wagen kurze und deshalb völlig überfüllte S3 zwängen musste – an den Kundendialog des HVV geschrieben und dazu Fragen gestellt. Trotz mehrmaliger Nachfragen seither ist meine Anfrage bis zur Stunde unbeantwortet geblieben. Ich rege an, das Verhalten des HVV in der Kommunikation mit Kunden auch einmal zum Thema in der ZEIT zu machen.

Dieter O.

 

 

Meine Meinung zur Hamburger S-Bahn? Mir reicht's!

Ich habe gestern fast 90 Minuten gebraucht, um von Hammerbrook nach Altona zu kommen – laut HVV-Auskunft beträgt die normale Reisezeit 15 Min. Heute früh hatte ich einen Arzttermin, der Arzt war aber leider nicht da, weil die S-Bahn ausgefallen ist und da er nicht wusste, wie lange es noch dauert, darf ich morgen Abend nochmal in die Praxis.

Vor ein paar Monaten wurde die Taktung der S3 erhöht und längere Züge wurden eingesetzt, um angeblich den Service vor allem südlich der Elbe zu verbessern. Leider ist genau das Gegenteil der Fall - es nutzt nichts, wenn die Bahn öfter fährt, wenn die Züge und die Weichen technisch veraltet sind. Ich fahre seit fast 14 Jahren ins Büro nach Hammerbrook, und so viele Störungen und kaputte, dreckige Züge wie in dem letzten halben Jahr gab es noch nie. Die HVV Preise werden jährlich erhöht, aber anscheinend wird gar nichts bis wenig in die Instandhaltung/Wartung investiert.

Und was noch hinzu kommt – viele S-Bahn-Fahrerinnen und -Fahrer haben das immer noch nicht verstanden, dass das Ein- und Aussteigen viel länger dauert, wenn man darauf besteht, den begehrten Platz an der Tür zu verteidigen bzw. am Bahnsteig direkt vor der Tür stehenzubleiben, damit man zuerst reinkommt! 

Tracey L.

 

 

Ich habe gerade Zeit und Muße, um euch zu schreiben, weil ich wie so oft in den letzten Tagen auf meine S-Bahn (S3, S31) warten muss.

Von einer symbolpolitischen Geste wie dem Treffen zwischen Bürgermeister und Deutscher Bahn ist nichts zu erwarten. Wollen die beim Kaffeekränzchen den Investitionsstau der letzten Jahrzehnte auf magische Weise einfach "wegklönen"? Und dann wird alles besser? Sollen sie sich ruhig jede Woche treffen.

Meiner Meinung nach stehen wir erst am Anfang der permanenten Verschlechterung; wenn die Stadt auf über 3 Millionen anwächst, wenn immer mehr Menschen pendeln, weil sie sich Wohnen in der Stadt nicht mehr leisten können und wenn der Individual- und Lieferverkehr durch Hafen und Amazon weiter zunimmt, ist die S-Bahn unser geringstes Problem.

Ein echter öffentlicher Personennahverkehr, d.h. S-Bahn im Besitz der öffentlichen Hand, könnte helfen, weil der Betrieb dann nicht unter dem Gesichtspunkt der Rendite sondern der Effizienz (Umweltverträglichkeit, Pünktlichkeit, Komfort) stattfinden könnte.

So, meine Bahn ist da.

Thomas K.

 

 

"So einen schlechten Schienenersatzverkehr habe ich noch nie erlebt"

Es wird langsam leider echt extrem. Ich bin pro Bahn und froh kein Auto zu haben( das ist ja hier auch noch schlimmer), aber gerade gestern dachte ich wieder, ich müsse in der S-Bahn nur von Hbf nach Veddel ersticken. Am Hbf standen die Leute schon auf den Treppen, nicht nur am Bahnsteig. Ich bin froh, wenn endlich die Elbbrücken- Station komplett ist. 

Heute bin ich erst mal wieder von Wilhelmsburg nach Wandsbek mit dem Rad gefahren (auch, wenn Radwege das nächste Problem in Hamburg sind... teils nicht vorhanden oder zugeparkt). Herrlich, diese frische Luft! 

Es muss endlich ab Berliner Tor eine Metrolinie bis Veddel eingeführt werden (aber da sind wir wieder beim Stau). 

Fahrradmitnahme / -abteile in den Bahnen wären auch toll, dann würde ich noch öfter mit dem Rad längere Distanzen kombinieren. 

Andreas L.

 

Meine Familie lebt auf der Veddel. Hier ist die S-Bahn quasi alternativlos. Es gibt noch eine Buslinie, die zum Berliner Tor fährt. Dieser Bus fährt aber nur 3x pro Stunde. Man sitzt richtiggehend auf der Insel fest, wenn die S-Bahn nicht fährt.

Gestern Morgen wollte ich das erste Mal mit meiner 5 Monate alten Tochter mit dem Zug verreisen. Ich komme also schon sehr frühzeitig mit Baby in der Trage, Rucksack und großem Koffer an der S-Bahn-Station an. Mir fuhr gerade eine Bahn Richtung Harburg vor der Nase weg. Nicht so schlimm, dachte ich, ich bin ja wirklich früh dran. Und dann: nächste Bahn in voraussichtlich 25 Minuten. Voll bepackt, und sowieso schon gestresst und ängstlich wegen der Reise, stand ich also da und wusste, dass ich meinen Zug nicht erreichen würde. Im Normalfall ein Ärgernis, für mich aber in dem Fall wirklich katastrophal, weil das auch hieß, dass die Sitzplätze für mich und mein Baby im Familienbereich futsch waren.

Als wir es endlich nach Harburg geschafft hatten, war unser Zug tatsächlich schon lange weg. Eine Stunde später durften wir unkompliziert eine andere Verbindung nehmen, aber es gab tatsächlich keine Sitzplätze mehr zu reservieren. Ich saß mit Baby und Gepäck bis Bremen auf dem Boden. Unsere Fahrtzeit hatte sich von knapp vier Stunden auf etwa sechs Stunden verlängert.

Meinem Mann, der zur Arbeit in die andere Richtung musste, ging es ähnlich. Im Geschäft reicht mittlerweile schon die Nachricht ‚S-Bahn‘ und der Chef weiß Bescheid. Durch die zusätzliche Sperrung des City-Tunnels und Teilen der U3 kam er irgendwann nur noch zu Fuß weiter. Normalerweise fährt er deswegen lieber mit dem Fahrrad – das hatte ausgerechnet gestern einen Platten.

Beim Warten auf die S-Bahn traf ich übrigens zufällig einen alten Kollegen aus Berlin, der gerade beruflich in Hamburg ist und für diese Zeit auf der Veddel wohnt. Der war vollkommen entsetzt. Zitat: "Und das habt ihr regelmäßig?" und "So einen schlechten Schienenersatzverkehr habe ich noch nie erlebt. Die Leute haben sich fast geprügelt in den Bussen. In Berlin läuft das ganz anders. Und das jedes Wochenende?"

Er sucht sich jetzt eine andere Unterkunft in der Stadt. Zu seinem Seminar gestern, bei dem er der Dozent ist, kam er dann schlussendlich zwei Stunden zu spät. Das ständig geht wirklich nicht.

Judith S.

 

 

Auch uns in den Elb-Vororten betreffen die ewigen Ausfälle erheblich.  Wenn die S-Bahn zuverlässiger wäre, würden sicher noch mehr Pendler aus Hamburgs Vororten und dem Umland in den ÖPNV umsteigen, aber Verlass ist bei der S-Bahn nur auf Ausfälle. Ja Ausfälle, nicht lächerliche Verspätungen von einigen Minuten. Wir wohnen in Rissen und könnten sehr gut mit S-Bahn fahren, aber neben den ganzen Ausreden/Begründungen gibt es bei uns auch noch nur eingleisigen Verkehr zwischen Blankenese und Wedel und Bahnübergangs-Störungen. (auch sehr beliebt in den letzten Jahren). Außerdem sind wir wegen eingeschränkter Zahlungen durch Schleswig-Holstein oft auf verlängerte Taktzeiten angewiesen (20 Minuten statt 10 bis Blankenese).

Eine Alternative außer PKW oder Fahrrad gibt es praktisch nicht, die Metrobuslinie 1 fährt selten und braucht schon bis Altona eine Stunde. Beruflich sind wir nicht auf die S-Bahn angewiesen, aber in den letzten Jahren haben wir mehrere Volksbühnen-Vorstellungen trotz großzügiger Reserve nur verspätet erreicht, so dass wir schließlich das Abo gekündigt haben. Oft sind ja auch in den Event-Tickets die HVV-Gebühren enthalten, das konnten wir auch nicht immer in Anspruch nehmen, weil keine S-Bahn fuhr.  ("auf unbestimmte Zeit") Dann  mit dem PKW in die Stadt zu fahren, ist auch kein Vergnügen.

Gegen diese Ärgernisse vergisst man ganz, dass die Bauarbeiten bei der S-Bahn ewig dauern. Das Dach am S-Bahnhof Rissen brauchte ein Jahr, der Blankeneser Bahnhof ist seit vielen Jahren eine Baustelle. Und Sauberkeit? Da sind wir richtig neidisch auf die U-Bahnhöfe.

Klaus und Helga K.

 

Habe gestern wieder 2 Stunden von Neugraben bis zum Hbf. benötigt. Es ist so schade!! So bekommen wir die Autofahrer nicht von der Straße. Leider kommen keinerlei Alternativinformationen von der Bahn. Ein Schienenersatzverkehr wurde schnell eingerichtet, aber keiner wusste davon. Der fuhr dann leer von Neugraben aus. Warum? Der Metronom hätte in Neugraben halten können. War aber nicht vorgesehen. Wir fahren gern mit dem HVV. Aber an der Cuxhavener Straße zu stehen und allen einfach besetzten Autos vorbeifahren zu sehen, zeigt, wie weit es mit Umdenken ist.

Meine Kollegen, besonders die Autofahrer, lachen schon regelmäßig bei meinen Verspätungen.

Hartmut K.

 

 

Die Ausnahme sind mittlerweile die Tage, an denen das Pendeln problemlos klappt. Wobei auch hier nochmals darauf hinzuweisen ist, dass südlich der Elbe zunehmend mehr Menschen angesiedelt werden, große Bauprojekte in Arbeit sind und dies bestimmt nicht nur für Bewohner, die nicht in die City müssen.

Die Züge sind schon in Neuwiedenthal oder Heimfeld zum Bersten voll, später wird es für alle eine Qual, die Aggression steigt merklich an, auf der Elbinsel dann kommen viele gar nicht erst mehr in den Zug.

Der Süden Hamburgs wirkt wie politisch und kulturell nicht gewollt, unbeachtet, 2.Wahl. Die Stationen sehen auch dementsprechend schäbig aus, würde es in Eppendorf oder Othmarschen nicht geben.

Also ist jeder Tag ein Improvisieren. Am besten zu lösen durch Radfahren, was mir aber leider aufgrund der Entfernung und schlecht ausgebauten Radwege nur selten möglich ist.

Carolin P.

 


"Was für ein Hohn"

Ich arbeite im öffentlichen Dienst, wir haben Stechuhren, und jede Minute, die ich im HVV "vertrödel", muss ich nacharbeiten. Auch jede Minute, die ich nach der Arbeit am Bahnsteig stehe und warte.

Der HVV bietet zwar mit seiner Pünktlichkeitsgarantie eine Kompensation an, aber im Ernst: 1€ für Proficard-Nutzer, mit Formular ausfüllen, ausdrucken, zum HVV fahren (dabei wieder in der S-Bahn hängen bleiben?) anstellen ... Das rentiert sich nicht. Selbst, wenn man die Gutscheine sammelt. Und dann erlebe ich meistens Bis-19-Minuten-Verspätungen, die gar nicht zählen, sich für mich aber trotzdem summieren.

Ich habe das tatsächlich mal eine Zeit lang protokolliert. Im Schnitt landete ich da bei ein bis eineinhalb Stunden pro Woche. Spitze war 3 Stunden und 45 Minuten binnen zwei Tagen.

Viele Bahnführer bemühen sich aussagekräftige Durchsagen zu machen, scheinen aber auch von ihrer Leitstelle nicht mit ausreichend Informationen versorgt zu werden.

Was mich so richtig auf die Palme bringt, ist, wenn es wieder mal Pannen gibt und am Berliner Tor eine S-Bahn nach Aumühle einfährt, die aber so viel Verspätung hat, dass sie auf der fahrplanmäßigen Zeit der Bahn nach Bergedorf fährt, wird die Bahn sang und klang los in Bergedorf ausgesetzt und man wartet weitere 10-20 Minuten auf die nächste Bahn nach Aumühle. Teilweise sind bei mir so schon mehrfach ÜBER 45 Minuten Verspätung zusammen gekommen. Wohlgemerkt auf EINER Fahrt. Anfragen, warum das so ist beantwortet der HVV weder per Mail, noch an den Info-Säulen, an denen man dann angepampt wird. Durchsagen gibt es nicht.

Und dann wird der Abo-Preis für die Profikarte für Wohltorf/Aumühle auch noch im Preis erhöht, weil man ja mehr Leistung in Anspruch nähme. Was für ein Hohn. Weder Zeit- noch Streckenmäßig liegen Wohltorf/Aumühle weiter "draußen", als so manche Station, die günstiger zu erreichen ist.

Ich lese. Versuche ruhig zu bleiben. Vor jedem AufZumBahnhofGehen checken, was bei HVV und Twitter zur Situation gesagt wird. Alternativen habe ich nicht. Auto? Noch teurer, stressiger und von Ökologie gar nicht zu reden. Fahrrad? 1 1/2h statt eine gute halbe Stunde. Nicht machbar wenn man noch die Familie sehen möchte. Also Augen zu und durch. Termine nicht mehr vor 10h legen, mehr Homeoffice, und Gerichte kochen, die man gut warm halten oder kalt essen kann.

Sascha K.

 

 

Ich wohne in Hamburgs Norden und fahre häufig mit der S1 in die Stadt. Wenn ich einen Termin habe oder gar einen Fernzug am Hauptbahnhof erreichen will, fahre ich mindestens eine halbe Stunde früher los, weil die S-Bahn so unzuverlässig ist. Da ich Rentnerin bin, habe ich Zeit, aber für Berufstätige ist das eine Zumutung.

Rendzi

 

 

Ich nutze die Gelegenheit, um meinen Ärger über die dauerhaft problematische S21 loszuwerden. Verspätungen sind da an der Tagesordnung und Zugausfälle keine Seltenheit. Was mich dabei besonders ärgert, ist, dass die Pendler jenseits der Stadtgrenze - also diejenigen, die nach Reinbek, Wohltorf, Aumühle bzw. von einem der genannten Orte per Bus noch woanders hin müssen - schnöde "abgehängt" werden. Diese Stationen bedient die S21 nämlich außerhalb des morgendlichen Berufsverkehrs nur im 20-Minuten-Takt und Verspätungen oder gar Zugausfälle der S-Bahnen, die bis zur Endstation Aumühle fahren, sind daher ein echter Schlag ins Kontor. Die zahlreichen "Einpendler" aus Schleswig-Holstein scheinen der S-Bahn Hamburg nicht sonderlich wichtig zu sein, denn bei Zugausfällen bietet sie ihnen auch so gut wie nie Alternativen. So darf man warten, bis die nächste S-Bahn zu erscheinen geruht und das kann dauern. Die per Ansage als Informationsquelle gepriesenen Zugzielanzeiger sind auch nicht sonderlich hilfreich. Erfahrungsgemäß heißt "in 5 Minuten" in Reinbek, dass der Zug in Aumühle noch nicht mal losgefahren ist und die fünf Minuten können durchaus bis zu zehn Minuten dauern. Alternativ springt die Anzeige ohne Erklärung auch um 10 Minuten zurück und man ist so schlau wie vorher. Nur eines ist klar: man darf warten.

Karin V.

 

 

Glücklicherweise bin ich nicht auf die S-Bahn angewiesen, aber auf den Metronom, der auch im HVV fährt. Bei dem war heute Morgen wieder Chaos aus Richtung Süden.

In Lüneburg wurde die Verspätung (25min) des RE3 wie so oft erst zwei Minuten *nach* Abfahrt des zeitgleichen Alternativzugs RB31 angesagt. Der nächste RE3 nach 20 Minuten fiel ganz aus. So stürmten hunderte Pendler einen zufällig - ebenfalls verspätet - vorbeikommenden IC, der auch nach Hamburg fuhr. Im IC gelten die HVV-Tickets bekanntlich nicht, aber bei der Menge an Zugestiegenen wäre eine Fahrkartenkontrolle sowieso nicht mehr sinnvoll gewesen. Um halbwegs pünktlich ins Büro zu kommen, muss man halt ein bisschen flexibel sein.

Nicolai P.

 

 

Ich fahre einmal wöchentlich (Hin- und Rückfahrt) mit der S31, da ich dienstags an einem anderen Ort innerhalb Hamburgs arbeite. Gestern in der Frühe war es wieder so weit: "... die S31 verspätet sich um voraussichtlich zehn Minuten." War ja klar. Vielleicht liegt es doch an mir, vielleicht ziehe ich die Unpünktlichkeit der S31 an? Trotz Zeitpuffer bin ich schon verspätet gewesen. Besonders geärgert hat mich, dass mich die Verspätung 60,00 € gekostet hat. Ich war mit 20 Minuten Zeitpuffer, also die Zeit für zwei S31, unterwegs zu einem Beratungstermin. Die Bahn kam verspätet, blieb auf freier Strecke stehen und es dauerte , dauerte. Es ging weiter, eine Tür schloss nicht. Während der Fahrt ruckelte es und ich stützte mich instinktiv gegen die Tür - die sich öffnete! Diese neuen S-Bahnzüge können keine TÜV-Prüfung bestanden haben! Ich kam zu meinem 30minütigen Termin mit 20 Minuten Verspätung. Konsequenz: ich hatte eine zehnminütige Beratung und musste trotzdem 60,00€ für 30 Minuten bezahlen. So viel verdiene ich nicht, dass mir das nicht im Geldbeutel weh getan hätte.

Diese regelmäßige Unpünktlichkeit ist Grund mit, warum ich mit dem Auto zur Arbeit fahre. Mit Blick auf die Klimaschädlichkeit würde ich den verlängerten Weg in Kauf nehmen, aber die Unpünktlichkeit hätte irgendwann arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Waltraud G.

 

 

Ich fahre nun seit gut 40 Jahren regelmäßig mit der S-Bahn (S 1) und ja, früher war vieles besser, jedenfalls in puncto Pünktlichkeit. Ja, die Wagen sind bequemer geworden, aber was nützt das, wenn man unberechenbar zu spät kommt?

Gefühlt sind die letzten 2-3 Jahre besonders schlimm geworden, schon vor dem G20-Gipfel. Verzögerungen gab es zwar schon immer. Wer mit der S 1 fährt kennt sicherlich noch den Brückenanfahrschaden und auch der jährlich wiederkehrende, plötzlich und unerwartet einsetzende Laubfall ist ein alter Hut. Neu ist aber die Häufigkeit, mit der die sog. Betriebsstörungen in den Pendleralltag platzen. Es gibt keine Woche, in der nichts passiert, häufig genug zweimal, öfter auch schon drei bis viermal die Woche. Klingt erst mal nicht nach viel, sind aber schnell 20 Minuten Zeitverlust, weil die S-Bahn immer häufiger auf die Idee kommt, die Bahn nicht über Blankenese hinaus fahren zu lassen und man deshalb dort aus dem Zug geschmissen wird, um auf die nächste zu warten – zusammen mit den anderen 100 Fahrgästen. Fragen Sie mal die Wedeler, was die davon halten, wenn die abends auch noch ihre Busse verpassen.

Ich hab einen Beruf, bei dem ich nicht nach Stechuhr arbeiten muss, komme aber oft genug genervt am Berliner Tor oder zu Hause an. Meine Frau ist u.a. deswegen aufs Auto umgestiegen, es lohnt sich einfach nicht, oft mehr als doppelt so lang ins Büro an der Palmaille zu fahren. Unsere Tochter hatte letztes Jahr ein FSJ bei einem Kindergarten in Osdorf und hat oft genug geflucht, wenn sie statt 20 mehr als 40 Minuten unterwegs war; wir haben sie also oft genug mit dem Auto mitgenommen. Ich selbst fahre jetzt öfter mit dem Auto bis hinter Blankenese, um flexibler auf das Chaos reagieren zu können.

Noch kurz zu der Pünktlichkeitsstatistik der S-Bahn: was nützt es mir, wenn die Bahn mittags zwischen Königstraße und Landungsbrücken nur 2 Minuten Verspätung hat, wenn ich trotzdem morgens nicht aus Rissen wegkomme, weil eine Bahn ganz ausfällt?

Kersten R.

 

 

"Als Wilhelmsburger ist man ja in Sachen S-BAHN einiges gewohnt"

Als Wilhelmsburger ist man ja in Sachen S-BAHN einiges gewohnt. Aber trotzdem war es gestern Morgen besonders entnervend. Die S-BAHN so voll, dass nur Hardcore-Fahrer in Wilhelmsburg zusteigen wollten. Meine Frau hat sich das nicht angetan, ich wegen anstehender Termine schon. In Veddel konnte dann wirklich niemand mehr zusteigen! Der Zug fuhr im Schneckentempo und musste vor dem Hauptbahnhof noch lange in der Kurve auf ein freies Gleis warten. Das sind Zustände, die man als Reisender aus der dritten Welt kennt..

Aber das wird sich solange nicht ändern, wie der Hamburger Bürgermeister nördlich der Elbe wohnt und solche Zustände nur vom Hörensagen kennt.

Dass die heute schon als Alternativroute notwendige U4-Trasse nach Harburg immer noch als nicht erforderlich betrachtet wird, ist eine Unverschämtheit ersten Ranges und ein Schlag ins Gesicht für alle Menschen, die südlich der Norderelbe wohnen.

Hoffen wir auf eine neue Regierung nach der nächsten Bürgerschaftswahl.

Andreas K.

 

 

Hallo, ich las wie jeden Morgen gerade im Bus ihren Artikel und musste schmunzeln.

Ich wohne in Norderstedt und fahre in die City zur Arbeit. Seit vorgestern haben wir den wunderbaren Schienenersatz-Verkehr zwischen Langenhorn Markt und Ohlsdorf. 3 Monate. Barrierefreiheit. Ich weiß, es ist wirklich wichtig. Ich kann gehen, habe gesunde Beine und bin weitestgehend fit. Es ist schon eine Herausforderung, jeden Morgen zwischen 1,3 und 1,8 Stunden zur Arbeit zu brauchen. Wieder stehe ich in Ohlsdorf und der Zug ist a) verspätet und eine technische Störung ist aktuell auch das Problem. 10 – 20 Minuten. Diesen Zug kann ich eh nicht nehmen, denn der ist gerappelt voll.

Ich habe viel Gelassenheit in mir, da es nichts bringt sich zu erregen jeden Tag. Immer und immer wieder. Da bin ich schon erschöpft, wenn ich zur Arbeit komme. Meine Chefin is gelassen, da sie weiß, dass sich niemand so einen Weg zur Arbeit aussucht. Es ist, wie es ist.

Was mache ich? Ich höre viel Hörbuch. Lese. Scheibe an meinen Geschichten ins chatte mit Freunden, stricke. Es ist viel los bei mir 😆 und das ist gut so. Ich erlebe auch viel mit den Menschen hier jeden Tag.

Britta H.

 

 

Ich plane 1 bis 2 Bahnen Verspätung ein und freue mich dann sehr oft darüber, dass ich pünktlich bin. So habe ich auch noch keinen Termin verpasst.  Warten und Verspätungen dürfen dann auch mal zum Innehalten, Beobachten, Reflektieren und was sonst noch alles genutzt werden. Ich fahre fast täglich von Rissen mit der S-Bahn in die Stadt und bin auch darüber hinaus immer wieder über den Öffentlichen Nahverkehr begeistert, man kommt überall hin.

Jan O.

 

 

Bis vor ein paar Monaten habe ich alle Wege mit dem ÖPNV bestritten. Da bekommt man zwangsläufig eine dicke Haut. Im wahrsten Sinne: darunter brodelte das Genervtsein und alle Übungen für den Ärger durchlässig zu werden, scheiterten in schöner Regelmäßigkeit. Seit letztem August habe ich ein Ebike über Jobrad ( eine berichtenswerte Einrichtung, anderes Thema) und fahre alle Strecken bis ca. 20 km mit dem Fahrrad. Gestern ausgerechnet waren die Strecken von Hochkamp  über Volksdorf nach Niendorf und zurück aber zu lang. Deswegen: Öffis.

Ich habe für den Nachhauseweg statt 50 Minuten fast 2 Stunden bis 22 Uhr gebraucht.

Und ohne die antrainierte dicke Haut musste ich wirklich auf meinen Blutdruck achten.

Ein Tipp für den HVV: auch kurzfristige Störungen, Sperrungen ansagen. Also auch S-Bahnstörungen in der U-Bahn. Das würde dann allerdings zu einer Dauerbeschallung, auch schwer erträglich. Außer es tönt nicht in allen Linien sondern intelligent an Umsteigepunkten. Das müsste mit moderner digitaler Technik doch zu machen sein.   

So und jetzt muss ich aufs Rad.

Ute Z.

"Meinen Job habe ich wegen der S-Bahn verloren"

Zu Ihrer Frage, wie sehr die unzuverlässigen S-Bahnen nerven: Auf der Veddel können wir ein Lied davon singen. 

Trotz dichterer Taktung und längeren Zügen (seit Anfang des Jahres) bleibt es ein Roulette-Spiel, ob man morgendliche Termine in der Stadt schafft. Hoffnung gab es kurz, dass die verlängerte U4 perspektivisch die unzuverlässige S-Bahn unterstützen kann, aber so wie es aussieht, soll die Route die Elbinsel umgehen. Ich will den Betrieben nur ungern Diskriminierung unterstellen, aber es gibt ein Gefühl, als ob der Süden einfach nicht wichtig genug ist, um sich einer besseren Anbindung verdient zu machen. 

Ich fahre jedenfalls heute wieder mit dem Fahrrad. Da kann ich jedenfalls sicher sein, dass ich rechtzeitig ankomme. 

Sarah P.

 

 

Ich hatte zwar "nur" einen 450 - Euro - Job, aber den habe ich wegen der S-Bahn verloren. Das war an dem Tag, als die S-Bahn in Neu Wulmstorf anzeigte, "5 Minuten später", genau wie gestern. Und dann 35 Minuten nicht kam.

Ich bin immer noch ohne Arbeit, weil ich mich nach Hamburg nicht mehr bewerben kann. Zu meinen Arzt- und Therapieterminen fahre ich jetzt eine Stunde eher los, eine Stunde Luft reicht meistens. Gestern war ich deshalb pünktlich, da ich "nur" 49 Minuten verloren habe. Kurze Strecken bis Neugraben schaffe ich noch mit dem Rad. Deshalb versuche ich jetzt, in dieser Region einen Job zu bekommen...

 Ich bin stocksauer. Auf die Unpünktlichkeit! Das ist dieses Jahr komplett eskaliert, besonders in Süderelbe.

Aber noch mehr auf die Lügen. Die Handyinformation, die Bahnsteiganzeige und der Infoknopf haben nichts miteinander zu tun. Wenn angezeigt wird "5 Minuten später", sagt die Handyinfo gar nichts darüber und der Infoknopf meldet 22 Minuten später (gestern). Und für so einen Betrug will der HVV immer mehr Geld. Ich fühle mich in der Falle, denn ich bin darauf angewiesen.

Elisabeth St.