Ich lese die Elbvertiefung gerade, während ich mal wieder wegen eines defekten S21-Zuges zu spät komme. Dies gehört neben den üblichen Weichenstörungen nun leider zum Alltag. Die neuen Züge mögen schön sein, aber leider absolut störanfällig. Bei wichtigen Terminen plane ich aktuell 2 bis 3 Pufferbahnen ein. Termine auf der Arbeit nehme ich nur noch nach 9 Uhr an, damit ich nicht zu spät komme. Das raubt einem den letzten Nerv. Auf das Auto möchte ich eigentlich aus Umweltgründen nicht umsteigen. Ich versuche mir trotzdem nicht die Laune zu verderben und habe immer genug Lesestoff und ein paar Netflix-Folgen heruntergeladen, falls es Mal wieder länger dauert. 

Jessica R., Neuallermöhe


Schon oft habe ich von dem Chaos rund um die Linken S31 und S3 gelesen. Da ich selbst in Eimsbüttel lebe, habe ich persönlich davon die letzten Jahre eher weniger mitbekommen. Nun bin ich seit einem halben Jahr Mutter und besuche in Harburg morgens um 9.15 Uhr einen Kurs. In den letzten Wochen kam es in ca 50 Prozent der Fälle zu irgendeiner Verspätung.

Auch gestern war dies wieder der Fall. Mit dem Kinderwagen unterwegs musste auch ich mich irgendwie in die Bahn quetschen. Es gab mehrere genervte Blicke, ein Herr fiel sogar auf meinen Kinderwagen, weil er nicht warten konnte mit dem Einsteigen und dabei stolperte. Und dann gab es noch die Pendlerin, die mir erbost entgegenwarf, ich wäre ja äußerst unklug, mit dem Kinderwagen um solch eine Uhrzeit unterwegs zu sein.

All das zeigt mir, dass wirklich dringend eine Lösung her muss. Ich kann den Frust der Pendler verstehen, auch dass ein Kinderwagen zusätzlichen Platzmangel bedeutet. Aber auch als Mutter darf ich ja zu jeder Uhrzeit Teil der Gesellschaft sein. Und den Metronom zu nehmen kann nicht immer die Lösung sein.

S. Decker  

 

Ich persönlich leide unter dem aktuellen S-Bahn Chaos nicht. Ich habe nur leider resigniert bei der absolut miserablen und schlechten Anbindung durch die Regionalbahn in den Hamburger Osten. Die R 10 nach Rahlstedt fällt ja ständig aus oder kommt so zu spät, dass man in Rahlstedt den Anschluss an den Bus zur Arbeit verpasst. Daher ist man, obwohl man quasi direkt am HbF in Hamburg wohnt, gezwungen, jetzt im Sommer eine Stunde je Strecke mit dem Rad zu fahren (toll!) oder im Winter mit dem Auto (nicht toll). Auf der Strecke hätte ich gerne nur die Probleme, die jetzt bei der S-Bahn herrschen ... dann wäre ich wieder S-Bahn-Fahrer!

Harald G.

 

Ich fahre mehrfach in der Woche zu verschiedenen Zielen in Deutschland, vorwiegend in Berlin. Die Ausfälle/Verzögerungen der Verkehrsmittel passieren bei 1 von 5 Fahrten im Durchschnitt. Bedeutet: Ich sitze in U-oder S-Bahn als Zubringer zum Bahnhof, Bahn ist verzögert ("Personen im Gleis", "Weichenstörung", "Signalstörung"), ich erwische den Zug im Hbf nicht. Komme 1 Stunde später am Ziel an als geplant.

Folgerung: bei wichtigen Terminen mindestens 1 Stunde Puffer einbauen. Ist allerding unmöglich, wenn Termin 11 Uhr in München, denn dann muss ich den 1. Zug nehmen (4:17 U1 von Volksdorf zum Hauptbahnhof - Signalstörung - Zug verpasst, Termin verpasst.) Alternative: Fliegen (mache ich innerhalb Deutschlands nicht), Autofahren (machen nur die Dummen), einen Tag vorher fahren (kostet einen halben Tag). Also: Ich lebe mit der Unzuverlässigkeit – gewöhne mich daran, dass ich einem Entwicklungsland lebe – leider mit der Entwicklung zum Schlechteren und nicht zum Besseren.

Thomas G.

 

Überwiegend bin ich mit der S-Bahn zufrieden, unerwartete Probleme kann es natürlich immer mal geben. Ich habe allerdings den Eindruck, in letzter Zeit nimmt die Zahl der Verspätungen, verpassten Anschlüsse und Zugausfälle zu. Gestern war ich auch vom Ausfall der S31 betroffen und kam nicht mehr rechtzeitig zu einer Veranstaltung in der Uni. Viele Verspätungen gab es auch nach Einführung der neuen S-Bahn-Züge.

Ich frage mich, wieso die S-Bahn betroffen ist und nicht z.B. die Hochbahn. Ist sie technisch so viel komplizierter? Oder liegt es eher an organisatorischen Mängeln, ist vielleicht die S-Bahn als Teil des großen Bahnkonzerns träger, weniger flexibel und nicht so innovativ?

Dieter L.

 

In meinen nunmehr neun Hamburg-Jahren hat sich mein S-Bahn-Karma mindestens jährlich, gefühlt manchmal auch täglich verschlechtert. Verspätungen sind insbesondere im City-Tunnel an der Tagesordnung, ebenso wie unplanmäßige Stopps im Tunnel, vorm Bahnhof etc. Die teils minutenlangen Standzeiten am Bahnsteig will ich gar nicht erst erwähnen, ebenso wie den insbesondere in Randzeiten und am Wochenende fragwürdigen 20-Minuten-Takt (der im City-Tunnel auch noch zu dem – fahrplanmäßigen – Kuriosum führt, dass S1 und S3 direkt hintereinander folgen, danach auf der wohl wichtigsten Strecke aber teils über eine Viertelstunde lang kein Zug fährt).

Wann immer möglich, weiche ich auf die Züge der Hochbahn aus - auch wenn ich womöglich zusätzlich umsteigen muss. Der U-Bahn-Takt ist wesentlich besser, die Züge neuer, sauberer, angenehmer, die Informationspolitik auch bei Sperrungen schneller und transparenter. 

Zur Ehrenrettung der S-Bahn sei bemerkt: In Berlin ist alles noch viel schlimmer. Und Paris, London, New York sind auch nicht immer wirklich besser. Mein Rezept fürs tägliche Bahn-Pendeln: Schalldichte In-Ear-Kopfhörer, gute Musik, ein spannender Podcast und ein Vokabeltrainer fürs Smartphone. Wenns dann mal wieder länger dauert, habe ich wenigstens etwas gelernt (und das nicht nur fürs Leben).

Ingo B.