Ich arbeite im öffentlichen Dienst, wir haben Stechuhren, und jede Minute, die ich im HVV "vertrödel", muss ich nacharbeiten. Auch jede Minute, die ich nach der Arbeit am Bahnsteig stehe und warte.

Der HVV bietet zwar mit seiner Pünktlichkeitsgarantie eine Kompensation an, aber im Ernst: 1€ für Proficard-Nutzer, mit Formular ausfüllen, ausdrucken, zum HVV fahren (dabei wieder in der S-Bahn hängen bleiben?) anstellen ... Das rentiert sich nicht. Selbst, wenn man die Gutscheine sammelt. Und dann erlebe ich meistens Bis-19-Minuten-Verspätungen, die gar nicht zählen, sich für mich aber trotzdem summieren.

Ich habe das tatsächlich mal eine Zeit lang protokolliert. Im Schnitt landete ich da bei ein bis eineinhalb Stunden pro Woche. Spitze war 3 Stunden und 45 Minuten binnen zwei Tagen.

Viele Bahnführer bemühen sich aussagekräftige Durchsagen zu machen, scheinen aber auch von ihrer Leitstelle nicht mit ausreichend Informationen versorgt zu werden.

Was mich so richtig auf die Palme bringt, ist, wenn es wieder mal Pannen gibt und am Berliner Tor eine S-Bahn nach Aumühle einfährt, die aber so viel Verspätung hat, dass sie auf der fahrplanmäßigen Zeit der Bahn nach Bergedorf fährt, wird die Bahn sang und klang los in Bergedorf ausgesetzt und man wartet weitere 10-20 Minuten auf die nächste Bahn nach Aumühle. Teilweise sind bei mir so schon mehrfach ÜBER 45 Minuten Verspätung zusammen gekommen. Wohlgemerkt auf EINER Fahrt. Anfragen, warum das so ist beantwortet der HVV weder per Mail, noch an den Info-Säulen, an denen man dann angepampt wird. Durchsagen gibt es nicht.

Und dann wird der Abo-Preis für die Profikarte für Wohltorf/Aumühle auch noch im Preis erhöht, weil man ja mehr Leistung in Anspruch nähme. Was für ein Hohn. Weder Zeit- noch Streckenmäßig liegen Wohltorf/Aumühle weiter "draußen", als so manche Station, die günstiger zu erreichen ist.

Ich lese. Versuche ruhig zu bleiben. Vor jedem AufZumBahnhofGehen checken, was bei HVV und Twitter zur Situation gesagt wird. Alternativen habe ich nicht. Auto? Noch teurer, stressiger und von Ökologie gar nicht zu reden. Fahrrad? 1 1/2h statt eine gute halbe Stunde. Nicht machbar wenn man noch die Familie sehen möchte. Also Augen zu und durch. Termine nicht mehr vor 10h legen, mehr Homeoffice, und Gerichte kochen, die man gut warm halten oder kalt essen kann.

Sascha K.

 

 

Ich wohne in Hamburgs Norden und fahre häufig mit der S1 in die Stadt. Wenn ich einen Termin habe oder gar einen Fernzug am Hauptbahnhof erreichen will, fahre ich mindestens eine halbe Stunde früher los, weil die S-Bahn so unzuverlässig ist. Da ich Rentnerin bin, habe ich Zeit, aber für Berufstätige ist das eine Zumutung.

Rendzi

 

 

Ich nutze die Gelegenheit, um meinen Ärger über die dauerhaft problematische S21 loszuwerden. Verspätungen sind da an der Tagesordnung und Zugausfälle keine Seltenheit. Was mich dabei besonders ärgert, ist, dass die Pendler jenseits der Stadtgrenze - also diejenigen, die nach Reinbek, Wohltorf, Aumühle bzw. von einem der genannten Orte per Bus noch woanders hin müssen - schnöde "abgehängt" werden. Diese Stationen bedient die S21 nämlich außerhalb des morgendlichen Berufsverkehrs nur im 20-Minuten-Takt und Verspätungen oder gar Zugausfälle der S-Bahnen, die bis zur Endstation Aumühle fahren, sind daher ein echter Schlag ins Kontor. Die zahlreichen "Einpendler" aus Schleswig-Holstein scheinen der S-Bahn Hamburg nicht sonderlich wichtig zu sein, denn bei Zugausfällen bietet sie ihnen auch so gut wie nie Alternativen. So darf man warten, bis die nächste S-Bahn zu erscheinen geruht und das kann dauern. Die per Ansage als Informationsquelle gepriesenen Zugzielanzeiger sind auch nicht sonderlich hilfreich. Erfahrungsgemäß heißt "in 5 Minuten" in Reinbek, dass der Zug in Aumühle noch nicht mal losgefahren ist und die fünf Minuten können durchaus bis zu zehn Minuten dauern. Alternativ springt die Anzeige ohne Erklärung auch um 10 Minuten zurück und man ist so schlau wie vorher. Nur eines ist klar: man darf warten.

Karin V.

 

 

Glücklicherweise bin ich nicht auf die S-Bahn angewiesen, aber auf den Metronom, der auch im HVV fährt. Bei dem war heute Morgen wieder Chaos aus Richtung Süden.

In Lüneburg wurde die Verspätung (25min) des RE3 wie so oft erst zwei Minuten *nach* Abfahrt des zeitgleichen Alternativzugs RB31 angesagt. Der nächste RE3 nach 20 Minuten fiel ganz aus. So stürmten hunderte Pendler einen zufällig - ebenfalls verspätet - vorbeikommenden IC, der auch nach Hamburg fuhr. Im IC gelten die HVV-Tickets bekanntlich nicht, aber bei der Menge an Zugestiegenen wäre eine Fahrkartenkontrolle sowieso nicht mehr sinnvoll gewesen. Um halbwegs pünktlich ins Büro zu kommen, muss man halt ein bisschen flexibel sein.

Nicolai P.

 

 

Ich fahre einmal wöchentlich (Hin- und Rückfahrt) mit der S31, da ich dienstags an einem anderen Ort innerhalb Hamburgs arbeite. Gestern in der Frühe war es wieder so weit: "... die S31 verspätet sich um voraussichtlich zehn Minuten." War ja klar. Vielleicht liegt es doch an mir, vielleicht ziehe ich die Unpünktlichkeit der S31 an? Trotz Zeitpuffer bin ich schon verspätet gewesen. Besonders geärgert hat mich, dass mich die Verspätung 60,00 € gekostet hat. Ich war mit 20 Minuten Zeitpuffer, also die Zeit für zwei S31, unterwegs zu einem Beratungstermin. Die Bahn kam verspätet, blieb auf freier Strecke stehen und es dauerte , dauerte. Es ging weiter, eine Tür schloss nicht. Während der Fahrt ruckelte es und ich stützte mich instinktiv gegen die Tür - die sich öffnete! Diese neuen S-Bahnzüge können keine TÜV-Prüfung bestanden haben! Ich kam zu meinem 30minütigen Termin mit 20 Minuten Verspätung. Konsequenz: ich hatte eine zehnminütige Beratung und musste trotzdem 60,00€ für 30 Minuten bezahlen. So viel verdiene ich nicht, dass mir das nicht im Geldbeutel weh getan hätte.

Diese regelmäßige Unpünktlichkeit ist Grund mit, warum ich mit dem Auto zur Arbeit fahre. Mit Blick auf die Klimaschädlichkeit würde ich den verlängerten Weg in Kauf nehmen, aber die Unpünktlichkeit hätte irgendwann arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Waltraud G.

 

 

Ich fahre nun seit gut 40 Jahren regelmäßig mit der S-Bahn (S 1) und ja, früher war vieles besser, jedenfalls in puncto Pünktlichkeit. Ja, die Wagen sind bequemer geworden, aber was nützt das, wenn man unberechenbar zu spät kommt?

Gefühlt sind die letzten 2-3 Jahre besonders schlimm geworden, schon vor dem G20-Gipfel. Verzögerungen gab es zwar schon immer. Wer mit der S 1 fährt kennt sicherlich noch den Brückenanfahrschaden und auch der jährlich wiederkehrende, plötzlich und unerwartet einsetzende Laubfall ist ein alter Hut. Neu ist aber die Häufigkeit, mit der die sog. Betriebsstörungen in den Pendleralltag platzen. Es gibt keine Woche, in der nichts passiert, häufig genug zweimal, öfter auch schon drei bis viermal die Woche. Klingt erst mal nicht nach viel, sind aber schnell 20 Minuten Zeitverlust, weil die S-Bahn immer häufiger auf die Idee kommt, die Bahn nicht über Blankenese hinaus fahren zu lassen und man deshalb dort aus dem Zug geschmissen wird, um auf die nächste zu warten – zusammen mit den anderen 100 Fahrgästen. Fragen Sie mal die Wedeler, was die davon halten, wenn die abends auch noch ihre Busse verpassen.

Ich hab einen Beruf, bei dem ich nicht nach Stechuhr arbeiten muss, komme aber oft genug genervt am Berliner Tor oder zu Hause an. Meine Frau ist u.a. deswegen aufs Auto umgestiegen, es lohnt sich einfach nicht, oft mehr als doppelt so lang ins Büro an der Palmaille zu fahren. Unsere Tochter hatte letztes Jahr ein FSJ bei einem Kindergarten in Osdorf und hat oft genug geflucht, wenn sie statt 20 mehr als 40 Minuten unterwegs war; wir haben sie also oft genug mit dem Auto mitgenommen. Ich selbst fahre jetzt öfter mit dem Auto bis hinter Blankenese, um flexibler auf das Chaos reagieren zu können.

Noch kurz zu der Pünktlichkeitsstatistik der S-Bahn: was nützt es mir, wenn die Bahn mittags zwischen Königstraße und Landungsbrücken nur 2 Minuten Verspätung hat, wenn ich trotzdem morgens nicht aus Rissen wegkomme, weil eine Bahn ganz ausfällt?

Kersten R.