Annika Lasarzik © Melina Mörsdorf

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie sich schon an den Anblick der vielen Elektrokleinfahrzeuge mit Lenkstange gewöhnt? Das ist Behördendeutsch für E-Scooter. Seit knapp einem Monat sind sie im Straßenverkehr erlaubt, jetzt zogen Polizei und Verkehrsbehörde eine erste, nun ja, "Bilanz" wollte es niemand nennen, doch was sich sagen lässt: Es werden immer mehr. 2160 E-Scooter von vier Anbietern rollen mittlerweile durch die Stadt. Das befürchtete Chaos ist gleichwohl ausgeblieben, größere Beschwerden liegen der Polizei jedenfalls nicht vor – wobei es schon aufhorchen lässt, dass bei einer nur zweistündigen Kontrolle in der Mönckebergstraße vergangene Woche gleich 15 Verstöße mit E-Scootern gezählt wurden, weil deren Lenker rote Ampeln oder Gehwege überfuhren. Doch immerhin sind wir noch weit entfernt von Zuständen wie in Tel Aviv. Dort kassierten E-Rollerfahrer in diesem Jahr schon 13.000 Strafzettel, weil sie keinen Helm trugen, den Roller wild irgendwo abstellten oder sich zu zweit einen teilten. Allerdings gibt es in Tel Aviv auch deutlich mehr Roller als bei uns, allein 10.000 können dort entliehen werden. Ob sich an diesem Vergleich nun also ablesen lässt, was da bald auf uns zurollen könnte? Abwarten.

Übrigens: Statt unseres Mittagstischs finden Sie weiter unten ab jetzt eine Woche lang Buchtipps für die Urlaubszeit. Viel Spaß beim Lesen!

Ihre Annika Lasarzik

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AKTUELLES

Initiative kritisiert Senat: Flüchtlingsunterkünfte noch immer zu groß

Vor drei Jahren einigte sich der Senat mit den "Initiativen für erfolgreiche Integration" auf einen Kompromiss zur Unterbringung von Geflüchteten. 14 Bürgerverträge wurden abgeschlossen, die Kernforderung: kleine, dezentrale Unterkünfte, gleichmäßig in der Stadt verteilt, statt vereinzelter großer Massenunterbringungen. Bis Ende 2019 sollen außerdem nicht mehr als 300 Personen in einer Unterkunft leben – so der Plan. Doch nun zog der Verband eine kritische Zwischenbilanz. "Eine Dezentralisierung findet nicht statt", heißt es vonseiten der Initiativen, Geflüchtete würden zu lange in den Unterkünften wohnen, die Integration sei langfristig gefährdet. Konkret: Die 130 Unterkünfte ballten sich in nur 30 Stadtteilen. 13 Stadtteile würden jeden zweiten Geflüchteten aufnehmen, wohingegen es in 43 Stadtteilen überhaupt keine Unterkünfte gebe. Die Sozialbehörde wies die Kritik gegenüber NDR 90.3 als zu pauschal zurück, große Standorte würden wie geplant abgebaut. Fest steht bereits, dass allein in Hamburgs größter Flüchtlingssiedlung am Mittleren Landweg in Billwerder in diesem Jahr deutlich weniger Menschen ausziehen werden als geplant. Zum Jahresende sollen dort noch etwa 2000 Menschen leben.

Toter Obdachloser: Mordkommission ermittelt

Die Polizei sucht Zeugen, um den Tod eines Obdachlosen aufzuklären, der möglicherweise Opfer eines Verbrechens geworden ist. Spaziergänger hatten den Leichnam des Mannes am Dienstagabend auf einer Grünfläche zwischen dem Riedel-Vogt-Weg und der A 24 in Jenfeld entdeckt. Er war in eine Decke eingewickelt und lag vor einem orangefarbenen Zelt, in dem er laut Polizei offenbar gelebt hatte. Wie eine Obduktion ergab, wurde der Mann mutmaßlich bereits vor längerer Zeit durch stumpfe Gewalt getötet, die Mordkommission ermittelt. Bei dem Toten habe es sich laut Polizei um einen Mann Anfang 40 gehandelt, seine genaue Identität ist derzeit aber noch ungeklärt. Auf der Wiese sollen mehrere obdachlose Personen zumindest zeitweise provisorisch gelebt haben. Die Polizei nimmt Hinweise unter der Rufnummer 040/4286-56789 und in jeder Dienststelle entgegen.

In einem Satz

Die Umweltbehörde hat die Bauarbeiten für das Gewerbegebiet Viktoriapark zwischen Rahlstedt und Stapelfeld gestoppt, nachdem Umweltschützer gegen die Zerstörung des Landschaftsschutzgebiets vors Verwaltungsgericht gezogen waren +++ Der Datenklau an Geldautomaten nimmt ab, im ersten Halbjahr dieses Jahres ist kein einziger Fall in Hamburg bekannt – vor einem Jahr waren es zu dieser Zeit bereits 15 Fälle +++  Die Zahl der Menschen, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus mussten, ist von 780 vor drei Jahren auf 565 in 2018 gesunken, ergab eine Kleine Anfrage der CDU +++ Im Wilhelmsburger Ernst-August-Kanal musste die Feuerwehr am Sonnabend mit einem Absaugschiff Ölspuren entfernen, die Ursache der Verschmutzung ist noch unklar

Was heute auf der Agenda steht

Der Prozess gegen den 70-Jährigen, der bei einem Banküberfall einem Angestellten in den Bauch geschossen haben soll, wird fortgesetzt +++ Heute ist Steuerzahlergedenktag: Das gesamte Einkommen, das die Steuerzahler in diesem Jahr bislang erwirtschaftet haben, wurde – rein rechnerisch, laut Steuerzahlerbund – an den Staat abgeführt

WAS SIE INTERESSIEREN KÖNNTE

Alltagsreporter: Der Waste Watcher

Wir können ja nur die aufschreiben, die wir erwischen. Bei illegaler Müllablagerung sind wir deshalb auch auf Hinweise von Nachbarn angewiesen. Es gab aber auch Fälle, wo in dem Müll Adressen gefunden wurden. Bei einem Schrebergarten wurde das alte Asbestdach abgerissen und wild entsorgt. Aber mittendrin steckte ein Kontoauszug.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburgerinnen und Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

"Le Canard" entpuppt sich als etwas lahme Ente

© Le Canard

Ein Jahr lang haben Gourmets darauf gewartet. Nach einem Jahr Sanierung hat Le Canard Nouveau, die ehemalige Sterneküche an der Elbchaussee, seine Türen wieder geöffnet – in neuem Design und mit neuem Küchenchef. Bis zum Brand 2018 gehörte es zu den besten Restaurants der Stadt. Größen wie Josef Viehhauser und Ali Güngörmüs standen hier bereits am Herd und erkochten sich einen Michelin-Stern. Ähnlich groß wie die Erwartungen und Hoffnungen war dann allerdings auch die Enttäuschung – zumindest für unseren Restaurantkritiker Michael Allmaier. So lahm habe er die Ente in den vergangenen Jahren nie erlebt, schreibt er. Nachlesen können Digitalabonnentinnen und -abonnenten seine Kritik hier.

Immer mehr Imker und Bienen in der Stadt

Dass Imkern in Großstädten im Trend liegt, ist nicht neu. Jetzt lässt sich diese Entwicklung für Hamburg auch mit Zahlen belegen. 6206 Bienenvölker und 1396 Bienenhalter waren Anfang Juli in der Stadt registriert, 2011 waren es noch 2195 Bienenvölker und 410 Bienenhalter. Das hat eine Kleine Anfrage der CDU ergeben. Tatsächlich können Bienen es sich in urbanen Räumen durchaus gut gehen lassen. Statt Monokulturen und großflächigem Einsatz von Pestiziden wie in den ländlichen Regionen gibt es in der Stadt eine reiche Auswahl an Blüten. Experten fürchten jedoch, dass Hobbyimker die Verantwortung und den Arbeitsaufwand bei der Bienenhaltung unterschätzen. In Berlin läuft bereits eine Diskussion über eine Imkerschein-Pflicht. Falls Sie trotzdem neu einsteigen möchten: Die vielen Imkervereine der Stadt bieten Infoabende und Einsteigerkurse an, Infos finden Sie zum Beispiel hier.

Wie kann man nachhaltig reisen?

© Hobbs/​unsplash.com/​Kike Arnaiz/​plainpicture

Kennen Sie "Flugscham"? Noch immer erreichen uns Antworten auf unsere Frage von vergangener Woche – darunter auch einige Erfahrungsberichte von ersten zaghaften Versuchen, bewusst nachhaltig zu reisen. An dieser Stelle einen schönen Gruß nach Italien, Südfrankreich, Schweden, Österreich, Amrum … Wir hoffen, dass diejenigen, die wegen verspäteter Züge an irgendwelchen Bahnhöfen ausharren mussten, mittlerweile gut angekommen sind. Dass umweltfreundliches Reisen nicht immer bequem, aber doch spannend sein kann, haben auch sechs Autorinnen und Autoren der ZEIT erfahren. Sie berichten von tagelangen Busfahrten durch die Anden, spontanen Ausflügen mit dem Camper-Van und "Staycation", also dem Trend, einfach mal zu Hause zu bleiben. Was die Kolleginnen und Kollegen erlebt haben, können Sie hier nachlesen.

Aus den Mails wissen wir, dass einige Leserinnen und Leser ihre Flüge durch Spenden an Klimaschutzorganisationen wie "Atmosfair" auszugleichen versuchen – wie eine solche C02-Kompensation funktioniert und was sie tatsächlich bewirken kann, lesen Sie hier.

Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, ist es auch beim Thema Nachhaltigkeit sicher kein verkehrter Ansatz, miteinander zu reden. Deshalb ließen die Kollegen vom Z-Ressort der ZEIT kürzlich ein paar Reisende über eine Frage diskutieren: "Fliegen Sie noch?" Das ausführliche Streitgespräch finden Digitalabonnentinnen und -abonnenten hier.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Sommerlektüre: Bücher fürs Freibad

Drei Buchempfehlungen fürs Wochenende ...

SachbuchMit Stephan Orth auf der Couch 15.063 Kilometer durch China reisen, das ist Abenteuer pur. China ist ein Land der totalen Überwachung und der Apps für alle Lebenslagen. Ein Staat auf der Überholspur. Aber es gibt sie, die jungen Leute, die anders sind und sich trauen, ihre Träume zu leben. Eine spannende Reise. Stephan Orth: Couchsurfing in China;Malik Verlag, 16 Euro

Kinderbuch Virgil, Valencia, Kaori und Chet, vier sehr unterschiedliche Kinder, werden durch ein spannendes und lustiges Abenteuer zu Freunden. Meerschweinchen, die Mut machenden Geschichten einer Großmutter, japanische Mythen und die Liebe spielen dabei eine wichtige Rolle. Erin Entrada Kelly: Vier Wünsche ans Universum;Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann. DTV Reihe Hanser, 14,95 Euro, ab 11 Jahre

Roman Liebe, Heimat, Freundschaft und Krieg sind die Pfeiler, die einen Teil unseres Lebens ausmachen. Auf diesen 1200 Seiten werden sie wunderbar miteinander verwoben. "Max, Mischa und die Tet-Offensive" ist ein weltumspannender Roman darüber, dass Heimat vor allem in uns ist und Familie eine Frage der Interpretation. Johan Harstad:Max, Mischa und die Tet-Offensive; Aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein, Rowohlt, 34 Euro

… ausgewählt von Christiane Hoffmeister und Carola Nikschick; Büchereck; Niendorf-Nord

Was geht

Silvanas Soundtrack: Silvana Imam rappt politisch und schafft den Durchbruch. Für "Silvana – Eine Pop-Love-Story" haben drei Regisseurinnen die lesbische Künstlerin von ersten Auftritten in Underground-Clubs bis auf die große Bühne begleitet. Dem klassischen Erzählstrang vom Aufstieg und Fall eines Stars folgt der Film aber nicht; vielmehr widmet er sich Themen wie Homophobie und Rassismus. Schwedische Originalfassung mit Untertiteln.

Millerntorstadion, Südtribüne, Auf dem Heiligengeistfeld, heute, 21.45 Uhr, 9 Euro

Was bleibt

Grenzenlose Gala: Das "Theater ohne Grenzen" nimmt seinen Namen ernst – es setzt sich zusammen aus Menschen mit und ohne Beeinträchtigung aus drei Ländern (Deutschland, Russland, Schweiz). Das neue Stück "Lebensreise" nimmt das Publikum mit in die Vergangenheit, streift Glück, Sehnsucht, Abenteuer, Schmerz. 

Sprechwerk, Klaus-Groth-Straße 23, heute und morgen, je 19.30 Uhr, 15 Euro

Was kommt

Bühnenbeste: Die Shopping Queen flucht über Gläubiger, ein verliebter Träumer will zum Helden aufsteigen, und die Femme Fatale verführt schamlos den Saal. Die First Stage School präsentiert bei "Best of 2019" ihre Jahrgangstalente mit Solo-Programmen aus Tanz, Gesang und Schauspiel.

First Stage, Thedestraße 15, 20.-27.7., VVK ab 19 Euro

Hamburger Schnack

Im Bus der Linie 25, Richtung Rübenkamp: Der Bus ist fast leer. Außer mir nur zwei betagte Damen und ein junger Mann, der, laut hörbar, in sein Handy spricht. Offensichtlich ein Bewerbungsgespräch. Danach ruft er eine Freundin an und erzählt ausführlich, wie dieses Gespräch verlaufen ist. An der nächsten Station steigt er, immer noch telefonierend, aus. Die beiden älteren Damen schauen ihm fassungslos hinterher und prusten dann regelrecht los. Da sagt plötzlich der Busfahrer grinsend, als er in den Rückspiegel schaut: "Tja, meine Damen, wohl lange nicht Bus gefahren, was?"

Gehört von Heidi Schaffrath

Meine Stadt

Hamburg bereitet sich auf den Sommer vor… © Horst-Dieter Martinkus

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Das Le Canard hat neu eröffnet. Kein Grund zur Freude, findet unser Restaurantkritiker Michael Allmaier (Abo)

Früher sollten Ferien vor allem Spaß machen. Nun soll man auch auf die Umwelt achten. Sechs Autoren und Autorinnen über ihre Versuche, nachhaltig zu reisen

Das Streitgespräch: Es gibt kein Menschenrecht auf Fernreisen, sagt der Schriftsteller. Die Menschen wollen in die Sonne, sagt der TUI-Umweltmanager. Welche Reisen können wir uns in Zukunft noch leisten? (Abo)

Mit einer Spende zusätzlich zum Flugpreis soll man Emissionen einfach ausgleichen können. Wie diese CO2-Kompensationen funktionieren und was sie bringen