Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

na, wenn das nicht der perfekte Hit für diesen Sommer ist: "I am lonely and I’m frozen", ich bin einsam und erfroren, singen David Hasselhoff und Blümchen gleich zu Beginn ihres neuen Songs You Made the Summer Go Away ("Du ließt den Sommer verschwinden"). David Hasselhoff und Blümchen? Ja, richtig gelesen, der US-Fernsehstar und Sänger aus den Achtzigern (Knight Rider, Baywatch, Looking for Freedom) hat sich mit dem Hamburger Teeniestar der Neunziger (Piep, piep, kleiner Satellit; Boom-Boom-Boom-Boom-Boomerang) zusammengetan, um das Gefühl all jener Hamburgerinnen und Hamburger in Worte zu fassen, die nicht im Urlaub weilen, sondern zu den letzten Fleißigen im Büro gehören. Leider ist der lieblos zusammengeschusterte Song wirklich nicht anzuhören und bietet daher keine Möglichkeit zur Kontemplation. Daher bitten wir Sie um Hilfe: Wo lesen Sie uns gerade? Schicken Sie uns doch ein paar Urlaubsgrüße, Fotos, Zeichnungen oder Geschichten aus Ihrem Urlaub, damit wir hier in der Redaktion ein bisschen Sommergefühl bekommen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Oliver Hollenstein

PS: Gerüchten zufolge soll der Sommer in den nächsten Tagen nach Hamburg zurückkehren. Wir werden das für Sie im Blick behalten!

AKTUELLES

© Marcus Brandt/​dpa

Umfrage der Handelskammer prognostiziert Abschwung

Seit Jahren boomt die Konjunktur in Deutschland. Auch Hamburg hat davon profitiert: Dank immer höherer Steuereinnahmen und niedriger Zinsen konnte die Politik ziemlich großzügig sein. Doch die Phase der Hochkonjunktur scheint gut sieben Monate vor der Bürgerschaftswahl vorbei. In einer Umfrage der Handelskammer bewerteten die Hamburger Unternehmen die Geschäftslage und die Aussichten weniger positiv als noch vor wenigen Monaten. "Besonders dramatisch sind die Angaben zu den Geschäftserwartungen", sagte Hauptgeschäftsführerin Christi Degen gestern. "Hier überwiegen zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder die pessimistischen Stimmen." Das sei eine besorgniserregende Entwicklung.

Verbraucherschützer warnen vor Mängeln bei E-Tretrollern

Die Verbraucherschutzbehörde hat bei der Einfuhr im Hafen seit Januar regelmäßig E-Scooter kontrolliert, die in Europa verkauft werden sollen. Ergebnis: Nur knapp jeder sechste Elektro-Tretroller erfüllte die Anforderungen an die Produktsicherheit und durfte überhaupt eingeführt werden. Wer E-Scooter auf dem deutschen Markt anbieten will, muss neben den Herstellerangaben auch eine CE-Kennzeichnung anbringen und der Bedienungsanleitung in deutscher Sprache eine EU-Konformitätserklärung beifügen. Darin bestätigt der Hersteller per Unterschrift, dass sein Produkt die EU-Maschinenrichtlinie mit ihren Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz einhält. Die Verbraucherschutzbehörde rät den Nutzern bei Kauf und Miete, auf die CE-Kennzeichnung und die EU-Konformitätserklärung zu achten.

Auch in Billbrook gibt es bald Elektro-Sammeltaxis

© Daniel Reinhardt/​dpa

In Osdorf und Lurup ergänzen die weißen Sammeltaxis des Betreibers Ioki den öffentlichen Nahverkehr schon seit einem Jahr. Gegen einen Euro Aufpreis zum HVV-Tarif kann man in den beiden eher schlecht mit Bahn und Bus versorgten Stadtteilen die Elektrotaxis per App bestellen. Die Taxen transportieren dann Fahrgäste mit gleichem oder ähnlichem Ziel zusammen. Dieses Konzept geht aus Sicht der Betreiber auf. Seit der Einführung hätten mehr als 215.000 Fahrgäste die Taxen genutzt; das übertreffe die Erwartungen, teilte Ioki, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, gestern mit. Täglich seien derzeit etwa 20 Fahrzeuge unterwegs. Nun wird der Dienst ausgeweitet: Ab August sollen die Ioki-Taxis testweise, ab Herbst dann dauerhaft in Billbrook unterwegs sein. Dort sollen sie vor allem Berufspendlern nützen.

Friederike Lübke

In einem Satz

60 Prozent der Hamburger sind laut einer Forsa-Befragung für das RTL/n-tv-Trendbarometer zufrieden mit der Arbeit von Peter Tschentscher (SPD), damit erreicht der Bürgermeister hinter Winfried Kretschmann (Grüne/Baden-Württemberg) und Daniel Günther (CDU/Schleswig-Holstein) gemeinsam mit Stephan Weil (SPD/Niedersachsen) den drittbesten Wert unter den Länderchefs +++ Ein 70-Jähriger hat gestern vor Gericht zugegeben, drei Sparkassen überfallen und einen Bankangestellten angeschossen zu haben +++ In Poppenbüttel ist ein 40-jähriger Radfahrer lebensgefährlich verletzt worden, als er mit einem 17-jährigen Radfahrer kollidierte, der ihm verkehrswidrig entgegenkam

Was heute auf der Agenda steht

Der FC St. Pauli absolviert ein Testspiel gegen SC Weiche Flensburg

WAS SIE INTERESSIEREN KÖNNTE

Alltagsreporter: Der Rohrreiniger

Wenn ein Gastronomiebetrieb ganz dringend Hilfe braucht, bin ich immer hellhörig. Grund ist ein Tipp meines ehemaligen Chefs: Mehrfach hat er erlebt, dass seine Rechnung unbezahlt blieb. Ein Restaurant, dem du heute aus der Patsche geholfen hast, kann es schon morgen nicht mehr geben. Diese Erfahrung habe ich zwar noch nicht gemacht. Aber neulich fühlte ich mich nach erledigter Arbeit in einem Lokal wie auf dem Basar. Da ging das große Feilschen um den Preis los, ein Gejammer, wie teuer alles geworden sei. Und vor der Ladentür glänzte in der Sonne das neue SUV.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Wie Architekten die Hamburger austricksen

Sanftes Abendlicht, schimmernde Lichtreflexe, grüne Bäume: Architekten zeigen ihre Gebäude in Computer-Visualisierungen oft stark geschönt. Die später Stein gewordene Wirklichkeit hat damit häufig nicht mehr viel zu tun. Unser Kollege Florian Zinnecker hat recherchiert, wie mit Perspektiven und Lichtverhältnissen getrickst wird, bis regelrechte "Architekturpornos" entstehen. Was das für die Hamburger bedeutet und warum sogar Milliardär Klaus-Michael Kühne deshalb schon einen Wutanfall bekommen hat, können Digitalabonnentinnen und -abonnenten hier nachlesen.

"Schon nach zwei oder drei Generationen geht das Wissen um die Herkunft verloren"

© Johann Hamann/​Landesbildarchiv Hamburg dpa

Rund 20 Jahre brauchten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts "LinkToYourRoots", um die Auswandererlisten des Staatsarchivs komplett zu digitalisieren. Nun stehen die Daten von knapp sechs Millionen Menschen im Netz zur Verfügung, die von 1850 bis 1934 über Hamburg ausgewandert sind. Wir haben mit dem Historiker Paul Flamme vom Staatsarchiv Hamburg gesprochen, der das Projekt geleitet hat.

Elbvertiefung: Wie schwierig war es, die alten Listen zu entziffern?

Paul Flamme: Sehr schwierig. Unterschiedliche Schreiber haben sie über einen sehr langen Zeitraum per Hand geschrieben. Teilweise war die Handschrift kaum zu entziffern. Die Akten waren außerdem in einem erbärmlichen Zustand, weil sie bisher immer per Hand durchsucht worden waren. Das Papier hatte eine schlechte Qualität und zerbröselte schon.

EV: Was ist das Besondere an diesen Listen?

Flamme: Solche Unterlagen sind nur in Hamburg erhalten, bei anderen Auswandererhäfen wie Rotterdam oder Bremerhaven sind sie verloren gegangen. In der Zeit von 1850 bis 1934 sind immerhin zehn Prozent aller europäischen Auswanderer über Hamburg ausgewandert. Das sind rund sechs Millionen Menschen. 

EV: Wer soll diese Daten jetzt nutzen?

Flamme: Es gab schon immer eine große Nachfrage von Familienforschern aus Südamerika und den USA. Schon nach zwei oder drei Generationen geht das Wissen um die Herkunft verloren. In den Listen kann man jetzt die Namen, Berufe und Herkunftsorte seiner Vorfahren nachschauen.

EV: Interessieren sich auch Einheimische für ihre ausgewanderten Angehörigen?

Flamme: In Deutschland wird Ahnenforschung zunehmend beliebter. Bis in die Achtzigerjahre war sie belastet durch die unglückliche Nähe zum Ariernachweis. Das hat sich jetzt etwas entspannt. Es besteht natürlich immer das Risiko, etwas anderes über seine Ahnen herauszufinden, als das, was man sich erhofft hatte. Aber ich sehe, wie das Interesse in starkem Maße wächst. Als ich anfing, saßen bei uns im Lesesaal überwiegend ältere Leute, heute sind es viele junge. Sie verbinden die Familienforschung mit Aspekten der Sozialforschung: Welche Berufe hatten meine Vorfahren, wie war das im damaligen Kontext?

Bei der Online-Plattform Ancestry.com kann man die Listen kostenpflichtig einsehen. Im Familienforschungszentrum Ballinstadt und im Lesesaal des Staatsarchivs ist es kostenlos möglich.

Friederike Lübke

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Sommerlektüre: Bücher fürs Freibad

Drei Buchempfehlungen fürs Wochenende ...

Roman Können wir unseren Ahnen entkommen? Im temperamentvollen Dreivierteltakt drehen sich Vea Kaisers Protagonisten durch Zeiten und Generationen. Auf dem Parkett: Lorenz, verhinderter Schauspieler in der Kein-Job-kein-Geld-keine-Frau-Krise. Sowie Hedi, Wetti und Mirl, Lorenz’ exzentrische Tanten. Wie ein Abend beim Heurigen: süffig, humorvoll, mit Schwung und Schmäh! Vea Kaiser: Rückwärtswalzer;Kiepenheuer und Witsch, 22 Euro

Sachbuch Digitalisierung, Datenökonomie und Demografie sind die bestimmenden Parameter heutiger und zukünftiger Generationen. Thomas Straubhaar, Professor für Volkswirtschaftslehre in Hamburg, plädiert für einen grundlegenden Perspektivenwechsel: "Disruption als Herausforderung und Chance". Thomas Straubhaar: Die Stunde der Optimisten;Edition Körber, 22 Euro

Kinderbuch Mein ultimatives, allzeit gültiges Lieblings-Ferienbuch! Bereits als Kind innig geliebt, hat die zauberhafte Geschichte um Pelle, Tjorven und Bootsmann nichts an sommerlicher Frische verloren. Astrid Lindgren: Ferien auf Saltkrokan; aus dem Schwedischen von Thyra Dohrenburg, Oetinger Verlag, 17 Euro

… ausgewählt von Annerose Beurich; Stories! Die Buchhandlung; Eppendorf und Mitte

Was geht

Klangwolke: Die Wiese vor dem Planetarium glänzt im Mondlicht. Elektronische Sounds verschwimmen mit Pianoklängen, Alexander Raychev und Cord Brandis schicken eine "Klangwolke zum Vollmond". Der muss jetzt (trotz partieller Mondfinsternis, siehe unten) nur noch scheinen.

Planetarium, Linnering 1, 21 Uhr, Eintritt frei

Flimmernde Originale: Mandy ist taub, ihre Mutter aber gibt die Hoffnung auf ein "normales" Leben für das Kind nicht auf. Als sie von einer Schule in Manchester hört, die große Erfolge in der Erziehung Gehörloser erzielt, unternimmt sie mit "Mandy" einen letzten Versuch. Originalfassung von 1952; in Großbritannien gehörte der Streifen damals zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres.

Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, 21.15 Uhr, 7,50 Euro

Schattige Sternwarte: Wenn Sonne, Erde und Mond sich auf einer annähernd geraden Linie befinden, streift ein Teil der Mondoberfläche den äußeren Rand des Erdschattens. Ob dieses Ereignis heute Abend von der Bergedorfer Sternwarte aus zu sehen ist? Beobachtung und Vortrag mit Professorin Gudrun Wolfschmidt: "Schatten auf dem Mond – partielle Mondfinsternis".

Hamburger Sternwarte, Zentrum Geschichte der Naturwissenschaft und Technik, August-Bebel-Straße 196, 22.30 Uhr

Hamburger Schnack

Eine Frau telefoniert bei strömendem Regen unter einer Ladenmarkise auf der Eppendorfer Landstraße. "Du hältst die Hitze in Miami kaum aus? Aber das Delfinschwimmen war super? Das freut mich. Ja, hier ist auch richtig Sommer. Ich muss Schluss machen, sonst vertrocknen meine Balkonblumen." Mit den Worten "So eine Angeberin" steckt sie das Handy weg und klappt ihren Regenschirm auf.

Gehört von Evelyn Holst

Meine Stadt

Kleine Erinnerung, wie schön es war: Hamburg paddelt in der Sommersonne … © Helga Schug

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Hinters Licht geführt. Warum neue Gebäude auf den Visualisierungen der Architekten selten aussehen wie in Wirklichkeit. Für Digitalabonnentinnen und -abonnenten