Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute ist Erdüberlastungstag, das heißt: Wir haben für dieses Jahr unsere natürlichen Ressourcen aufgebraucht. Was wir jetzt bis Jahresende noch an nachwachsenden Rohstoffen verbrauchen, übersteigt die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Ressourcen. Das hat die Organisation Global Footprint Network ausgerechnet, und damit nicht genug. In den vergangenen Jahren ist der Verbrauch immer weiter gestiegen, vor 20 Jahren lag der Tag, ab dem die Menschen aus ökologischer Sicht über ihre Verhältnisse leben, noch im September. Noch mieser wird die Bilanz, wenn wir das nicht auf die Weltbevölkerung, sondern auf uns Deutsche beziehen. Die Weltbevölkerung beansprucht derzeit die Ressource von 1,75 Erden, wir Deutschen verbrauchen drei Erden. Würden also alle wie wir leben, wäre der Erdüberlastungstag schon am 3. Mai gewesen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche!

Ihr Oliver Hollenstein

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Aktuelles

© Georg Wendt/​dpa

HSV gleicht in letzter Minute aus, Däne gewinnt Ironman, Georgier siegt am Rothenbaum

Dieses Wochenende stand ganz im Zeichen des Sports. Die wichtigsten Ergebnisse:

Ein erst nach Videobeweis gegebener Foulelfmeter in der 8. Minute der Nachspielzeit rettete dem HSV den Saisonstart. Kapitän Aaron Hunt erzielte damit das verdiente 1:1 gegen Darmstadt 98.

Der Däne Kristian Hogenhaug hat den Ironman gewonnen, in 8:11:26 Stunden schaffte er es, 3,8 Kilometer zu schwimmen, 180 Kilometer Rad zu fahren und einen Marathon zu laufen. Bei den Frauen gewann die Britin Susie Cheetham mit einer Zeit von 8:58:02 Stunden.

Mit 7:5, 4:6, 6:3 hat der Georgier Nikolos Bassilaschwili den Russen Andrej Rubljow im Finale des Tennisturniers am Rothenbaum besiegt. Der in Hamburg geborene Alexander Zverev war im Halbfinale gegen Bassilaschwili gescheitert.

© Hochbahn

Haltestelle Sengelmannstraße wird Knotenpunkt

Die U-Bahn-Haltestelle Sengelmannstraße in Alsterdorf am Rand der City Nord soll künftig eine wichtigere Rolle im Nahverkehrsnetz spielen. Für 25 Millionen Euro wird die Station ausgebaut, künftig soll man dort zwischen der U1 und der geplanten U5 umsteigen können, teilte die Hochbahn mit. Gleichzeitig hat die Hochbahn den Antrag auf Planungsgenehmigung für den ersten Abschnitt der U5 eingereicht, er führt von Bramfeld über die Sengelmannstraße in die City Nord. Die 5,8 Kilometer lange Strecke soll etwa 1,75 Milliarden Euro kosten, die Bauarbeiten starten 2021, 2030 soll sie in Betrieb gehen. Die Sengelmannstraße ist dabei die einzige oberirdische Haltestelle. Bis zum 29. August liegen die Planungsunterlagen öffentlich aus und können eingesehen werden.

In einem Satz

Zum Ferienbeginn in Süddeutschland gab es zahlreiche Staus auf den Autobahnen +++ In Tatenberg ist ein 25-jähriger Student aus Indien auf einer Studienfahrt in der Dove Elbe ertrunken +++ Ein Unbekannter hat in Farmsen-Berne bei einem Streit zwei 17-Jährige mit einer Stichwaffe schwer verletzt, einen der beiden lebensgefährlich +++ Bei einem Verkehrsunfall in Rahlstedt wurden vier Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren, ihr Fahrer und ein weiterer Autofahrer verletzt

Was heute auf der Agenda steht

Zum heutigen Erdüberlastungstag planen Umweltschützer eine große Demonstration ab 16 Uhr am Gänsemarkt +++ Schulsenator Ties Rabe (SPD) verleiht heute den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an Wilhelm Simonsohn, der im September 100 Jahre alt wird und regelmäßig Schülern aus seinem bewegten Leben als Adoptivsohn jüdischer Eltern und Wehrmachtssoldat erzählt +++ Zum 300. Todestag des Orgelbauers Arp Schnitger gibt es einen Senatsempfang +++ Der FC St. Pauli startet mit einem Spiel in Bielefeld in die Saison der Zweiten Bundesliga

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Der Rohrreiniger

Vor Kurzem bekam ich einen Auftrag am Ende der Welt. Der Kunde hatte Schwierigkeiten mit den Abwasserleitungen eines Objektes, das er mit seinem Handwerksunternehmen saniert hatte. Als ich dort ankam, war ich baff: Vor mir stand ein Kumpel aus uralten Tagen. Das gab ein großes Hallo und eine Kurzzusammenfassung der vergangenen 35 Jahre. Wir vereinbarten ein klassisch bargeldloses Geschäft: Ich löste das Problem mit den Abwasserleitungen, und er wird mir als Trockenbauer helfen, mein Wohnzimmer zu spachteln und zu verputzen.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburgerinnen und Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Boris Laewen/​Degeto Film

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Zum Gespräch über die Komödie "Und wer nimmt den Hund?" begrüßte der Schauspieler Ulrich Tukur unseren Redakteur Florian Zinnecker mit freudigem Jauchzen: "Sie kommen aus Hamburg, nicht wahr?" Das Interview fand im Café Einstein in der Kurfürstenstraße in Berlin statt – einer Gründerzeitvilla mit weißen Sonnenschirmen im Garten, an einem herrlichen Sommertag. Kein Anlass eigentlich, irgendwo anders sein zu wollen. Aber Tukur ließ sich davon nicht abhalten, ausgiebig von seiner Herzensstadt zu schwärmen. Er steckte schließlich auch seine Filmpartnerin Martina Gedeck an – welche Verbindung die beiden zu Hamburg haben, lesen Sie im Interview in der August-Ausgabe der ZEIT:Hamburg oder als Digitalabonnentin oder -abonnent direkt hier. Unser Redakteur freut sich derweil immer noch über Tukurs Begrüßung; in Hamburg nämlich glaubt niemand, dass er aus Hamburg kommt – sein fränkisches R ist nicht zu überhören.

© Boris Laewen/​Degeto Film

"Man soll erkennen können: Das ist eine Kunsthallen-Ausstellung"

Im Februar verlor die Kunsthalle nach nur zwei Jahren ihren Direktor Christoph Martin Vogtherr, ausgerechnet im Jahr ihres 150. Jubiläums. Seinen Nachfolger Alexander Klar bezeichnete Kultursenator Carsten Brosda als einen Mann, "der aus dem 19. Jahrhundert kommt und zuletzt fast ausschließlich in der Moderne und der Gegenwart gearbeitet hat". Das Museum neben dem Hauptbahnhof hat frischen Wind jedenfalls dringend nötig. 

Elbvertiefung: Ihr erster Arbeitstag in Hamburg ist der 1. August – tatsächlich hat die Arbeit aber vermutlich längst begonnen, oder?

Alexander Klar: Das hat sie. Ich bin niemand, der mit 17 Ausstellungen im Gepäck ankommt und sagt: Das ist meine Handschrift, so machen wir das jetzt. Ich sehe meine Aufgabe eher darin, die Rahmenlinien des Ausstellungsprogramms zu skizzieren und dann gemeinsam mit den Kuratorinnen und Kuratoren ein kluges Programm zu entwickeln. Dafür muss man viel miteinander reden, weswegen wir uns bereits zweimal getroffen haben, um über die bisher geplanten Ausstellungen zu sprechen.

EV: Können Sie über Ihre Rahmenlinien des Ausstellungsprogramms schon etwas mehr verraten?

Klar: Es wird viel mit Integration der Sammlungen zu tun haben, mit einer Bezugnahme aufeinander. Und es soll das Profil der Kunsthalle und ihrer Schwerpunkte herausmeißeln.

EV: Wenn man Ihnen nun unterstellte, Sie wüssten tatsächlich noch nicht genau, was Sie vorhaben – täte man Ihnen unrecht?

Klar: Für die ersten zwei Jahre ist alles mit großem Vorlauf durchgeplant, was gut ist, weil ich mich ja auch erst in die Sammlungen en détail einarbeiten muss. Ein Ausstellungsprogramm, wie es mir vorschwebt, kann also ab 2022 stattfinden. Mein Ziel liegt darin, die einzelnen Sammlungsteile künftig stärker aufeinander zu beziehen, und auf das Haus selbst. Man soll erkennen können: Das ist eine Kunsthallen-Ausstellung.

Ob ihm gleich klar war, dass Hamburg eine Option wäre, und wie er die vielen Probleme der Kunsthalle angehen möchte, verrät Alexander Klar im vollständigen Interview mit Florian Zinnecker auf ZEIT ONLINE.

Entschädigungen für zwangssterilisierte Trans-Menschen

Bis 2011 mussten sich Menschen, die im Personenstandsregister ihr Geschlecht ändern lassen wollten, sterilisieren lassen. Diese Regelung galt bis 2012 auch in Schweden, dort werden jedoch mittlerweile Entschädigungen an Betroffene gezahlt. Cathrin Ramelow und Tsepo A. Bollwinkel, die noch vor 2011 das Verfahren durchliefen, setzen sich dafür ein, dass auch in Deutschland gezahlt wird. Gemeinsam mit Ulrika Westerlund, der ehemaligen Vorsitzenden des schwedischen Verbands für die Rechte von LSBTIQ-Menschen, und Eike Richter, Professor für öffentliches Recht an der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg, diskutieren sie heute bei der gemeinsamen Veranstaltung der Bundesvereinigung Trans* und des Magnus-Hirschfeld-Centrums im Rahmen der Pride Week.

Pride House, IFZ, Rostocker Straße 7, 18 Uhr.

Plattdeutsch-Autoren für Literaturpreis gesucht

Widmen Sie sich der Pflege der niederdeutschen Sprache? Dann können Sie sich für den Fritz-Reuter-Preis der Reuterstadt Stavenhagen (Mecklenburgische Seenplatte) bewerben. Zum 20. Mal schreiben das Fritz-Reuter-Literaturmuseum und die Geburtsstadt des Dichters einen Literaturpreis aus. Einsendeschluss ist der 15. September. Eingereicht werden können Prosatexte, Lyrik, aber auch wissenschaftliche Arbeiten oder andere Veröffentlichungen "up Platt" aus den vergangenen drei Jahren. Der Preis wird seit 1999 jährlich vergeben, ist mit 2000 Euro dotiert und wird traditionell am Geburtstag des Dichters – dem 7. November – überreicht. Reuter (1810–1874) ("Kein Hüsung", "Ut mine Stromtid", "Ut de Franzosentid") gilt als bekanntester Plattdeutsch-Dichter seiner Zeit. Stavenhagen ist seine Geburts- und Kindheitsstadt.

Was Sie heute erleben können

Essen im Freien:

Entenwerder

Manche Hamburger glauben tatsächlich, dass die Stadt an den Elbbrücken endet, dass dahinter nur noch brachiale Gewerbeareale folgen. Wer zu diesen Hamburgern gehört, darf sich gerne mal aufs Rad schwingen und das schwimmende Café Entenwerder1 im gleichnamigen Elbpark besuchen. Es glänzt golden, liegt auf einem Ponton in der Norderelbe und ermöglicht gleich vielfachen Genuss: der Weite, der Ruhe, der Natur und ja, auch der sehr feinen Kuchen und kleinen Gerichte. Für Radfahrer empfiehlt sich ein alkoholfreies Störtebeker-Weizen, das vermutlich einige Elektrolyte enthält. Und dann kann man weiterfahren nach Osten, immer an der Dove Elbe entlang und schließlich nach Norden zum Boberger See. Oder natürlich auch andersrum. Dann ist das Café Entenwerder1 der Schlusspunkt einer Tour, und man schaut von hier aus erschöpft und zufrieden zu, wie die Abendsonne das Wasser und die Wiesen in ein zauberhaftes Licht … Sie wissen, schon, was ich meine.

Rothenburgsort, Entenwerder1, Entenwerder 1, 20539 Hamburg, So, Mo 10–19, Di–Do 10–20, Fr, Sa 10–21.30 Uhr

Marc Widmann

Was geht

Verrat auf Leinwand: Die 87-jährige Joan lebt in England ein unauffälliges Rentnerdasein – bis der MI5 vor der Tür steht und sie festnimmt. Als junge Frau studierte sie Physik, verliebte sich in den attraktiven wie manipulativen Kommunisten Leo. Hat sie in "Geheimnis eines Lebens" ihr Land für die Liebe verraten?

Alabama Kino, Jarrestraße 20, heute, 18 Uhr

Was bleibt

Hamburg ist bunt: Pride Week und Christopher Street Day kommen fröhlich daher, verfolgen aber ernsthafte Ziele. Unter dem Motto "Grundsätzlich gleich – für eine bessere Verfassung" fordern sie die Ergänzung des Diskriminierungsverbots in Artikel 3 des Grundgesetzes, wollen die Merkmale "sexuelle Orientierung" und "geschlechtliche Identität" in der Verfassung verankert wissen. Außerdem gibt’s Musik, Konfetti und Sonne (zumindest im Herzen).

Pride Week: Jungfernstieg, bis So; CSD-Straßenfest: Binnenalster, Fr, 15 Uhr, bis So, 22 Uhr; CSD-Demo: Sa, Start um 12 Uhr an der Langen Reihe

Was kommt

Max on Air: Viele kennen Max Herre als Sänger von Freundeskreis. Allerdings feiert der Deutsch-Hopper schon lange solo Erfolge: "Hallo Welt" von 2012 etwa wurde vergoldet, 2013 heimste er mit seinem MTV-Unplugged-Album Platin und Echo ein. Ende August kommt das neue Album raus, von hinten wie von vorn: "Athen".

Stadtpark, Freilichtbühne, Do, 19 Uhr, VVK 47,95 Euro

Der Mond ist aufgegangen: Wir drehen die Zeit 50 Jahre zurück, sehen ihn ganz nahe vor uns, den silbrig grauen Mond. "Erleben Sie die Mondlandung, als wären Sie selbst dabei: aus der Perspektive der Astronauten, des Kontrollzentrums, der Zuschauer am Cape Canaveral", fordern die Macher des Films "Special Screening: Apollo 11". Die Originalfassung setzt sich zusammen aus bisher unveröffentlichten 70-mm-Aufnahmen und über 11.000 Stunden Audiomaterial.

Savoy Filmtheater, Steindamm 54, So, 4.8., 18 Uhr, 10,50 Euro 

Hamburger Schnack

Schulpicknick in den Boberger Dünen. Plötzlich sagt ein 14-jähriger Schüler:

"Shit, ich habe ein Brexit verloren." Schweigen, vereinzeltes Gelächter. "Äh, ich meinte, ein Bracket" (von einer festen Zahnklammer).

 

Gehört von Nina Stiewink

Meine Stadt

Pfand gehört daneben © Lara Ahlefelder

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Der neue Direktor der Hamburger Kunsthalle kommt aus Wiesbaden. Am 1. August tritt Alexander Klar seinen Posten an, doch seine Arbeit hat er schon längst begonnen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Martina Gedeck und Ulrich Tukur haben ihren neuen Kinofilm in Hamburg gedreht – wo beide schon viel erlebt haben.