Am 19. Juli entscheidet eine Kommission, welche deutschen Unis als "Exzellenz-Universität" ausgezeichnet werden, zu der Kommission gehören auch die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern. 19 Bewerber stehen in der Endrunde, aber nur 11 können den Titel bekommen. Die Universität Hamburg ist dabei und könnte den Titel zum ersten Mal bekommen. Es geht um eine Fördersumme von insgesamt 148 Millionen Euro pro Jahr, die sieben Jahre lang an alle Sieger verteilt wird. Dieter Lenzen, der Präsident der Uni Hamburg, erklärt, was das für Hamburg und seine Hochschule bedeuten würde.

ZEIT ONLINE: Herr Professor Lenzen, sind Sie aufgeregt vor Entscheidung?  

Dieter Lenzen: Nein. Schlicht deswegen nicht, weil ich glaube, dass wir einen guten Antrag abgeliefert haben. Alles andere ist stark abhängig vom Schicksal. Es ist nicht so wie beim Warten auf den Weihnachtsmann. Der bringt immer Geschenke. Hier kann es für jede Uni anders kommen.

ZEIT ONLINE: Sie haben vier Exzellenz-Cluster. So viele hat unter ihren Konkurrenten als Einzeluni nur noch die Uni Bonn. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Lenzen: Statistisch gesehen stehen unsere Chancen 11:19. Die wissenschaftliche Begutachtung ist abgeschlossen, die Ergebnisse sind vertraulich. Jetzt geht es um die politische Bewertung und das wird sicher eine harte Auseinandersetzung werden.

ZEIT ONLINE: Womit haben sie versucht zu überzeugen?

Lenzen: Anders als bei den Exzellenz-Clustern geht es hier um die ganze Uni. Wir haben zu fünf Leistungsdimensionen Vorschläge gemacht. Das erste ist die Forschung, da wollen wir Schwerpunkte herausbilden, zum Beispiel in der Infektionsforschung. Das zweite ist die Lehre: Wir wollen den Aspekt der Bildung stärken und einen neuen Studiengang "Liberal Arts" aufbauen und ein Studium generale für alle Studiengänge. Das dritte ist der Transfer, die Zusammenarbeit in gemeinsamen Projekten mit Kultur, Wirtschaft und Politik. Das vierte ist die Forschungsinfrastruktur, wir wollen zum Beispiel eine Geräteplattform aufbauen. Das fünfte ist die Internationalität. Wir möchten mehr Studierenden ein Auslandssemester ermöglichen, aber auch mehr Studierende aus dem Ausland zu uns einladen.

ZEIT ONLINE: Was hat Hamburg davon, wenn die Uni den Titel bekommt?

Lenzen: Das wichtigste wäre der Reputationsgewinn. Die Stadt hat sich lange schwer getan mit der Förderung der Hochschulen. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Es wäre noch mal eine Bestätigung, dass der Weg, den sie eingeschlagen hat, richtig ist.

ZEIT ONLINE:  Was hat die Uni von dem Titel?

Lenzen: Auch hier gilt das, was ich für den Reputationsgewinn gesagt habe. Die Uni ist sehr groß, mit den Studierenden und den Mitarbeiten kommen wir auf mehr als 60.000 Menschen, die über die Stadt verteilt sind. Der Titel kann dazu beitragen, dass die Angehörigen der Uni näher zusammenrücken.

ZEIT ONLINE: Würden die Studenten überhaupt etwas vom Titelgewinn merken?

Lenzen: Die Studierenden werden es da merken, wenn wir neue Studiengänge schaffen, aber auch, wenn wir Freiräume in der Lehre schaffen und nicht nur in den verschulten Studiengängen unterrichten, die uns die Bologna-Reform aufgezwungen hat.

ZEIT ONLINE: Und was passiert, wenn die Uni Hamburg nicht gewinnt?

Lenzen: Ohne Geld kann man keinen neuen Studiengang einführen, keine neuen Professoren bezahlen. Vieles wird also nicht gemacht. Einige Dinge kann man vielleicht auf kleinerem Niveau anfangen.

ZEIT ONLINE: Die Vorbereitung hat schon viel Geld gekostet, von mehreren Millionen war die Rede. War das umsonst, wenn Sie nicht gewinnen?

Lenzen: Nein, allein die gemeinsamen Gespräche, das ganze Konzept, das Nachdenken über das Profil der Universität, das fällt nicht wieder weg. Das ist unbezahlbar. Ein solcher Prozess wäre sonst in dieser Form nicht zustande gekommen.

ZEIT ONLINE: Die Politik in Hamburg war zu den Hochschulen lange geizig. Ist das ein cleverer Schachzug, um mehr Geld von der Stadt zu bekommen?

Lenzen: Das ist eine interessante Frage: Wenn man den Titel gewinnt, kommen Dreiviertel der Fördersumme vom Bund, ein Viertel muss jedes Bundesland selbst bezahlen. Also auch Hamburg. Unabhängig davon haben die Länder natürlich im Vorfeld schon selbst investiert, um die Unis auf den Stand zu bringen, sich bewerben zu können. Und wenn man dann erfolgreich sein sollte, wird es nötig sein, die Uni auf einem höheren Niveau weiter zu finanzieren. Zum einen, damit sie in sieben Jahren wieder antreten kann, zum anderen, damit es keine Zweiklassen-Gesellschaft gibt zwischen den Bereichen, die schon gefördert werden und den anderen. Ich werde deutlich machen, dass wir aufstocken müssen.

ZEIT ONLINE: Sie haben als Präsident der Freien Universität Berlin schon einmal den Titel Exzellenz-Uni für ihre Hochschule geholt. Erhöht das die Erwartungen an Sie?

Lenzen: Das weiß ich nicht, ich hoffe nicht. Eine solche Entscheidung hat viele Faktoren. Sicher würde sich viele freuen, wenn es so kommt. Ich natürlich auch. Aber es geht in erster Linie um die Zukunft der Universität.