Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

in dieser Woche ändert sich etwas bei Ihrer Elbvertiefung. Ab morgen begrüßt Sie an dieser Stelle Florian Zinnecker, den viele von Ihnen als unseren Kulturredakteur schon kennen. Florian ist einer meiner Lieblingskollegen, geborener Bayreuther, überzeugter Hamburger und kluger Alltagsbeobachter. Ich freue mich daher sehr, dass er hier in den kommenden Monaten das Ruder übernimmt und Ihnen gemeinsam mit Annika Lasarzik und Sigrid Neudecker jeden Tag das Neueste aus der Stadt präsentiert. Ich darf mich von Ihnen vorerst verabschieden, ich gehe bis Februar in Elternzeit.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Ihr Oliver Hollenstein

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

Schnauzbart tauft Schnauzbart

Der Fernsehkoch Horst Lichter hat am Freitag im Tierpark Hagenbeck das drei Monate alte Walrossjunge auf den Namen Fiete getauft. Lichter (im Bild rechts) durfte sich den Namen von einer Liste aussuchen, die vom Tierpflegerteam zusammengestellt worden war. Getauft wurde Fiete mit Elbwasser.

                                                                                                                       SN

CSD-Demozug mit Schreckmoment

90.000 Menschen nahmen am Samstag an der Christopher-Street-Day-Demo teil, 110.000 weitere feierten entlang der Strecke mit. Der Demonstrationszug musste eine Stunde lang unterbrochen werden, da der Wagen der Initiative "Queer Refugees Support" vermutlich aufgrund eines technischen Defekts in Brand geraten war. Vier Personen wurden dabei verletzt, zwei von ihnen wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung sicherheitshalber in Krankenhäuser gebracht.

                                                                                                                           SN

© Hauptzollamt Hamburg/​dpa

Hamburger Zoll entdeckt Drogen im Wert von einer Milliarde Euro

So sehen 4,5 Tonnen Kokain aus. Diesen bundesweiten Rekordfund machte der Hamburger Zoll bereits vor mehr als zwei Wochen auf einem Containerschiff im Hafen. Die 4200 Pakete waren in 211 schwarzen Sporttaschen versteckt und als Sojabohnen deklariert. Das aus Uruguay kommende Rauschgift sollte nach Antwerpen weitergeleitet werden. Die Meldung vom Fund wurde erst jetzt bekannt, nachdem die Drogen bereits vernichtet worden waren. Sie hatten einen Straßenverkaufswert von einer Milliarde Euro. Welche Rolle Hamburg im internationalen Drogenschmuggel spielt, können Digitalabonnentinnen und -abonnenten hier noch einmal nachlesen.

                                                                                                                          SN

In einem Satz

Fünf Personen, darunter ein Kleinkind, konnten am Samstag gerettet werden, nachdem ihr Sportboot auf der Norderelbe gekentert war +++ Das bevorstehende Ferienende im Norden hat am Wochenende zu langen Staus auf den Autobahnen A7 und A23 geführt, hinzu kam der Rückreiseverkehr vom Wacken-Festival, alles zusätzlich erschwert durch Unfälle sowie einen Fahrzeugbrand zwischen Schenefeld und Itzehoe-Nord +++ Das Verwaltungsgericht hat einen Eilantrag der AfD-Fraktion abgelehnt, mit dem diese sich Zugang zum Bürgerhaus Wilhelmsburg für die Durchführung einer politischen Diskussionsveranstaltung verschaffen wollte +++ Bei der 1:3-Niederlage des FC St. Pauli gegen Greuther Fürth zog sich Kapitän Christopher Avevor einen Wadenbeinbruch zu und muss für längere Zeit pausieren

Was heute auf der Agenda steht

Am Oberlandesgericht beginnt der Prozess gegen eine 41-Jährige wegen Unterstützung der Terrormiliz IS +++ Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer präsentiert weitere Maßnahmen, um den Hamburgern eine größere Transparenz in Sachen Baustellen zu bieten, darunter eine virtuelle Baustellenkarte +++ Der HSV spielt auswärts gegen Nürnberg

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Die Kita-Erzieherin

Es gibt Kinder, die den Rahmen sprengen. Ein Junge, der nicht mehr bei uns ist, schrie in einem Wutanfall eine Kollegin an: "Du blöde F....!" Der war damals noch keine drei Jahre alt. Das geht natürlich gar nicht. Bei solchen Schimpfwörtern aus dem Mund eines kleinen Kindes falle ich fast vom Stuhl. Das gibt einem echt zu denken.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburgerinnen und Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Jan-Henrik Plackmeyer

Radeln in einer Kleinstadt – der knallharte Test

Wer in Hamburg mit dem Fahrrad unterwegs ist, blickt oft sehnsüchtig Richtung Umland: Weniger Lkw, mehr Platz, bessere Luft – so zumindest stellen wir Städter uns das Radeln in Kleinstädten vor. ZEIT-Reporter Ulrich Stock, europaweit ausgewiesener Radfahrexperte (warum, lesen Sie hier) hat Traum und Wirklichkeit miteinander verglichen. Auf Einladung des Vereins "Buchholz fährt Rad" hat er sich in die Nordheide begeben, um die 38.000-Einwohner-Stadt einer "knallharten Testfahrt" zu unterziehen, wie Stock es formulierte. Am dortigen Bahnhof mit seinem Faltrad angekommen, hat er sich gleich wie zu Hause gefühlt. Aber lesen Sie selbst.

© Roman Pawlowski für DIE ZEIT

Unser Mensch des Monats rettet Kinderleben

Samia Martin ist Mutter von zwei Kindern, sieben und zehn Jahre sind sie alt. Sie ist aber auch Mutter von Babys, deren leibliche Mütter sie nicht mehr betreuen können. Martin nimmt die schutzbedürftigsten Bewohner der Stadt in ihrem Haus in Harburg auf und kümmert sich einige Monate lang um sie. Die 39-Jährige hat dafür sogar ihren Job als Bankerin aufgegeben. Wie sehr sie ihre neue Aufgabe liebt, warum sie aber nicht weiß, wie lange sie die Bereitschaftspflege noch machen kann, lesen Sie mit einem Digital-Abo gleich hier.

Was Sie heute erleben können

Mittagstisch:

Französische Gourmetwelt

Man könnte jetzt 100 Gramm Kaviar bestellen, für 175 Euro, einen halben Hummer, Weinbergschnecken oder Gänsestopfleber. Die "volle Bandbreite der französischen Gourmet-Welt" bietet die brasserie im vor einem Jahr eröffneten Boutique-Hotel Tortue an der Stadthausbrücke für einen besonderen Anlass oder all jenen, die auf Firmenkosten geschäftlich essen gehen können. Durch eine dunkle Lobby gelangt man in ein elegantes Restaurant und freut sich über einen Platz auf dem Balkon mit Blick in den Innenhof des 1899 erbauten Gebäudes. Der geröstete Mittelmeerpulpo der Begleitung, eigentlich eine Vorspeise, kommt als ordentliche Portion, dazu etwas undefiniert in Konsistenz und Geschmack die "Caponata orientalisch" (20 Euro). Die Gnocchi à la Parisienne mit gebratenem grünem Spargel, wildem Brokkoli, Cherry-Tomaten, Parmesan und Haselnüssen indes überzeugen (26 Euro) – nicht angebraten wären sie vielleicht sogar noch schmackhafter. Ob man hier weiß, dass die flanierenden Dandys im Paris der 1840er-Jahre, auf die man Bezug nimmt und denen Walter Benjamin Schildkröten (französisch: tortue) andichtete, einst leise gegen die aufkommende Industrialisierung protestierten?

Neustadt, brasserie im Tortue, Stadthausbrücke 10, Mittagstisch Mo–Fr 12–15 Uhr, Sa 14–15 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was bleibt


Reich der Worte: Lesen ist in der Regel ein einsamer Genuss. Dem will der Literaturtreff "wortreich" begegnen. Bücherfreunde stellen einander Werke vor, philosophieren und diskutieren ganz nach dem Vorbild des Literarischen Quartetts.

KulturWerk Rahlstedt, Boizenburger Weg 7, jeden zweiten Monat, erster Termin heute, 17 Uhr

Chorkino: Während einer Urlaubsreise nach Jugoslawien strandet ein Gesangsverein in einem Partisanendorf. Unvermittelt sehen die Sänger sich mit der deutschen Geschichte im Zweiten Weltkrieg konfrontiert. "Pendelnd zwischen politischer Satire und Schicksalstragödie" sei der Film "Herrenpartie" "ein bemerkenswerter Beitrag zur unbewältigten Vergangenheit beider Völker", loben Kritiker. Konzertkinoabend mit Livemusik von Mitgliedern des Bachchors.

St. Petri, Bei der Petrikirche 2, heute, Di, Mi: Einlass 19.30 Uhr, Beginn 20.30 Uhr, 12 Euro inkl. Imbiss, Reservierungen unter reservierungen@flexiblesflimmern.de

Was kommt 

Star über Nacht: Manchmal löst ein einziges Lied eine Sensation aus; als der Schotte Lewis Capaldi vor zwei Jahren seinen allerersten selbst geschriebenen Song "Bruises" veröffentlichte, hörten ihn allein auf Spotify in kurzer Zeit zehn Millionen Menschen. Jetzt bringt der 22-Jährige sein Debütalbum mit auf Tour: "Divinely Uninspired To A Hellish Extent".

Stadtpark, Freilichtbühne, Saarlandstraße 69, morgen, 19 Uhr, VVK 36,30 Euro 

Zirkus Grebe: Einst machte er sich einen Namen als Fan von Brandenburg, heute singt er über Desinteresse und Alterungsprozesse. Kritiker warnen: Hier ist ein Grenzgänger "zwischen musikalischem Kleinod und kabarettistischem Freitod" am Werk! Rainald Grebe beehrt mit dem Orchester der Versöhnung den Sommer in Altona. 

Zirkuszelt, Nobistor 42, Fr, 20 Uhr, VVK 34,15 Euro

Hamburger Schnack

p>Oma sitzt mit ihren beiden Enkeln (Grundschulalter) in der Eisdiele. "Ich freue mich so sehr, dass ihr aus dem Urlaub zurück seid. Und danke für die schönen Fotos aus den Bergen." Zum Jüngeren gewandt: "Aber du bist gar nicht auf allen Fotos zu sehen." Der antwortet: "Nein Oma, ich habe in Schottland eine Wander-Allergie bekommen."
 

Gehört von Sonja Diekmann

Meine Stadt

Eine Fahrt mit der »62« ist auch bei Hamburger Schietwetter immer faszinierend! © Katja Eschmann

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Welche Rolle Hamburg im internationalen Drogenschmuggel spielt, wie der Handel funktioniert, wie die Polizei ihn bekämpft und wen er reich macht. (Abo, Archiv) 

Ulrich Stock hat Buchholz in der Nordheide einem knallharten Test unterzogen: Radelt es sich in einer Kleinstadt wirklich so viel entspannter? 

Stocks ursprüngliche, europaweite Testfahrt können Sie hier noch einmal nachlesen. (Archiv) 

Unser Mensch des Monats rettet Kinder. Samia Martin nimmt die schutzbedürftigsten Bewohner Hamburgs bei sich zu Hause auf. (Abo)