Florian Zinnecker © Maria Feck für DIE ZEIT

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu den Harley Days am letzten Juniwochenende kamen rund 130.000 Besucher, beim Schlagermove zwei Wochen später waren es 350.000. Überraschen dürften diese Zahlen niemanden, der an jenen Wochenenden in Hamburg auch nur einen Fuß vor die Tür gesetzt hat. Ganz im Gegensatz zu zwei anderen Zahlen, die jetzt in diesem Zusammenhang publik wurden:  die Anzahl der eingereichten Beschwerden über die beiden Veranstaltungen (ein Abgeordneter der Linken hatte den Senat danach gefragt). Bei den Harley Days waren es elf, beim Schlagermove 15. So wenige?, fragten gestern fast alle Kollegen im Chor, als die Meldung am Morgen über den Ticker lief. Das hieße ja, die durchaus umstrittenen Großveranstaltungen wären in der Bevölkerung gar nicht so umstritten – so die oberflächliche Deutung. Würde mich wundern, wenn das wirklich so wäre – und mich wundert auch, dass ausbleibende Beschwerden jetzt schon als Zeichen der Akzeptanz gelten. Für mich riecht das eher nach Resignation. Ich selbst käme im Übrigen auch nicht auf die Idee, der Polizei oder dem Bezirksamt mein Nichteinverständnis mitzuteilen, wenn mich die Schlager stören – ich sehe einfach zu, an den fraglichen Wochenenden möglichst nicht in Hamburg zu sein, in der Hoffnung, dass ich nicht schon im Bahnhof auf kostümierte Horden stoße, die "Griechischer Wein" singen, ohne auch nur eine einzige Strophentextzeile zu kennen. Wenn meine Flucht allerdings ab jetzt als stillschweigendes Einverständnis gedeutet werden kann, bleibt mir wohl nichts anderes, als künftig in der Stadt zu bleiben und aus Protest teilzunehmen, mit betont schlechter Laune, versteht sich.

Wir müssen an dieser Stelle aber auch noch über eine (sehr berechtigte) Beschwerde anderer Art sprechen. Die Hamburger Hochbahn wies uns darauf hin, dass – anders als von uns berichtet – zwar die Baustelle an der U-Bahn-Station Mönckebergstraße im Januar beginnt, die einjährige Sperrung der U3 sehr wahrscheinlich aber erst später folgt. Genaueres wisse man noch nicht, nur dass das, was wir geschrieben haben, nicht stimmt. Wir bitten für den Fehler um Entschuldigung.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Florian Zinnecker

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Aktuelles

Selbstfahrender Elektro-Kleinbus erstmals auf Testfahrt in Hamburg unterwegs

Das Fahrzeug ist fünf Meter lang und bewegt sich wie von selbst: Der fahrerlose Elektro-Kleinbus, mit dem ein neues Mobilitätsangebot für Hamburg getestet wird, ist am Mittwoch auf dem Großen Grasbrook erstmals auf Testfahrt gegangen. Konkret geprobt wird dort die Einfahrt in die Kreuzung zum Dalmannkai. Dabei kommuniziert der Shuttlebus mit acht mit Technik vollgepackten Masten, darunter Radar und Geschwindigkeitsmesser. Die Testphase dauert zwei Jahre, der Kleinbus ist zunächst mit einem Fahrzeugbegleiter und einer Geschwindigkeit von 15 km/h unterwegs, aber ohne Fahrgäste. An dem Projekt haben sich unter anderem die Stadt, die Hochbahn, Siemens Mobility und IAV Automotive Engineering beteiligt.

Fischer freuen sich über Krabben-Rekordjahr

Die Hamburgerinnen und Hamburger sind Deutschlands größte Fischliebhaber. Im Jahr 2018 kauften sie im Einzelhandel pro Kopf durchschnittlich rund 6,4 Kilogramm Fisch und lagen damit um rund 1,3 Kilogramm über dem Bundesmittel. Das teilte das Fisch-Informationszentrum (FIZ) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in den Fischauktionshallen mit. Außerdem hatte die Fischereiwirtschaft noch einen weiteren Rekord zu vermelden: Im Jahr 2018 holten Fischer rund 17.000 Tonnen Krabben und Krebse aus der Nord- und Ostsee, mehr als doppelt so viel wie in den beiden Vorjahren. Grund dafür ist, dass der Wittling, der wichtigste Fressfeind der Nordseekrabbe, in den Jahren 2016 und 2017 von den Fischern geschont wurde, erklärte Matthias Keller vom Fisch-Informationszentrum. Im letzten Jahr habe sich der Wittling jedoch neue Nahrungsgründe gesucht, weshalb sich die Krabbenbestände erholen konnten.

                                                                                                  Alisa Swoboda

In einem Satz

Hamburg ist auch im September 2021 wieder Schauplatz der deutschen Meisterschaften im Halbmarathon, teilte gestern der Veranstalter mit +++ Ein dementer Patient ist zwei Wochen nach seinem Verschwinden während eines Klinikaufenthalts in Hamburg tot im Keller des Krankenhauses gefunden worden; er hat den Ausgang nicht mehr gefunden 

Was heute auf der Agenda steht

Das Unternehmen Otto feiert das 70-jährige Bestehen seines Versandhandels, die in Hamburg gegründete Buchhandlung Thalia ihren 100. Geburtstag +++ Die Hamburg Port Authority stellt Halbjahreszahlen zu Umschlag und Verkehrsentwicklung vor +++ Ein ehemaliger Justizvollzugsbeamter steht vor Gericht, weil er unter Einsatz von Pfefferspray ein Juweliergeschäft überfallen haben soll

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Der Bahn-Mitarbeiter im Service-Center

Ich kann Englisch und etwas Schulfranzösisch. Wenn mich das bei den ausländischen Reisenden nicht weiterbringt, braucht man Geduld. Meist klappt es, sich mit Händen und Füßen irgendwie zu verständigen. Auch eine Landkarte hilft. Oft halten mir die Kunden in so einer Situation ein Handy hin. Ich kenne das schon. Da ist dann jemand dran, der Deutsch oder zumindest Englisch kann. Dann wird munter drauflosübersetzt, das Handy wandert hin und her – bis das passende Ticket gebucht ist.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburgerinnen und Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Miniaturwunderland

Südamerika liegt bald in der Speicherstadt

Das Miniaturwunderland, eine der spektakulärsten Attraktionen der Stadt, wird Ende 2021 deutlich wachsen. Dann soll eine Brücke vom bisherigen Gebäude in der Speicherstadt zu einer 3000 Quadratmeter großen Erweiterungsfläche auf der anderen Seite des Fleets eröffnet werden. Bereits seit einem Jahr werden dafür in Buenos Aires heimlich neue Modelllandschaften gebaut. Es entsteht Südamerika mit Rio de Janeiro, Patagonien und der Antarktis, unter anderem mit echten Wasserfällen. Per Schiff sollen die zerlegten Kunstwerke dann nach Hamburg transportiert werden. Wegen des Brexits verzichten die Braun-Brüder vorerst auf ihren ursprünglichen Plan, England zu bauen. Gestern erhielten sie auch zwei neue Einträge im Guinness Buch der Rekorde: einen aktualisierten für die längste Modellbahn der Welt (mit dem gerade entstehenden Monaco sind es jetzt 15.715 Meter). Und einen neuen Weltrekord für die vom kleinen Maßstab auf echte Kilometer umgerechnete Strecke von 1367 Kilometern. "Da sind wir ganz, ganz stolz drauf", rief Frederik Braun und warf Konfetti in die Luft.

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Wenn "Fridays for Future"-Aktivisten auf Parlamentarismus treffen

"Exklusive Abfertigung von klimaneutraler Schifffahrt im Hamburger Hafen ab 2035" – mit dieser und 17 weiteren Forderungen haben die Delegierten von "Fridays for Future" die Grenzen dessen gesprengt, was im Umweltausschuss der Bürgerschaft bisher als denkbar galt. Dabei traten die fünf jungen Aktivisten alles andere als rebellisch auf: Brav hielten sie sich an das Prozedere der "Anhörung nach Paragraf 58", widerlegten geduldig steile Thesen, betonten ihr Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der Parlamentarier. Die meisten reagierten dennoch überaus skeptisch und sträubten sich dagegen, von der Jugend Hausaufgaben aufgedrückt zu bekommen. So entwickelte sich der Termin im Laufe seiner fünf Stunden zum Sparring zweier politischer Kulturen, die nicht miteinander, aber auch nicht ohneeinander können. Annabel Trautwein war im Rathaus dabei, ihren Text lesen Sie hier auf ZEIT ONLINE.

Was Sie heute erleben können

Mittagstisch:

Entspannung in Övelgönne

Ein schöner Ort, um bei angenehmen Außentemperaturen draußen sein Mittagessen einzunehmen, ist das Restaurant Süßwasser. Es liegt in Övelgönne, schräg oberhalb der Strandperle, und ist über den Weg durch die Vorgärten der Kapitäns- und Lotsenhäuschen zu erreichen. Während man auf der schattigen Terrasse mit Blick auf die Hafenkräne des Burchardkais auf sein Essen wartet, gleiten Barkassen und Containerschiffe die Elbe entlang, und eine entspannte Ruhe überkommt den Gast. Zum Glück ist das Lokal nur mäßig besucht. Auf der Karte steht vor allem Hamburger Kost: Pannfisch, Labskaus, Matjes, Scholle, Fischfilet. Leider gibt es kein spezielles Mittagstischangebot, die Gerichte bewegen sich preislich zwischen 17 und 25 Euro. Klar, hier gibt es quasi keine Büros, hier kommt her, wer den Ausblick genießen will, und das darf einem schon mal ein paar Euro wert sein. Die Qualität des Essens rechtfertigt die Preise jedenfalls nicht, die ist durchschnittlich. Das Labskaus war zu schwach gewürzt, das Eigelb zu hart. Doch der eingetretene innere Frieden lässt einen milde darüber hinwegsehen.

Othmarschen, Süßwasser, Övelgönne 38, Do–So, täglich außer in den Wintermonaten ab 12 Uhr

 

Thomas Worthmann

Was geht

Fischmord: Jeder fünfte Fisch auf deutschen Tellern stammt aus illegaler Fischerei, sagt Autor Wolfram Fleischhauer. Bei seiner Lesung aus "Das Meer" geht es um industrielle Fischfangflotten, das Versagen der EU und Millionen Tonnen Meerestiere. Im Anschluss diskutiert Fleischhauer unter anderem mit Katja Hockun (Deutsche Umwelthilfe) und Aktivistin Valeska Diemel (FishAct).

Speicherstadtmuseum, Am Sandtorkai 36, heute, 19 Uhr, Eintritt frei

Altona Slam: "Ihr Rhythmus ein Beat aus Sätzen, ihre Geschichten ein Feuerwerk aus Wortschätzen, sie rennen durch Gehörgänge und zünden Köpfe an, jeder von ihnen rast mit 180 auf der Gedankenautobahn" – der Sommer in Altona trifft auf den Kampf der Künste.

Zirkuszelt, Nobistor 42, heute, 20 Uhr, 18 Euro

Tipps für Kids

MiniMedi I: Darf ich bitte, bitte ein Haustier haben? "Unsere Wohnung ist viel zu klein!", sagen Mama und Papa. Aber "Platz ist in der kleinsten Hütte" – das weiß doch jeder. Bilderbuchkino von Rieke Patwardhan für Kids ab vier Jahren.

Bücherhalle Winterhude, Winterhuder Marktplatz 6, Sa, 11.30–12.30 Uhr, Eintritt frei

MiniMedi II: Der Elefant hat eine krumme Nase und deswegen einen Sprachfehler. "Kamfu mir helfen?", fragt er den Ameisenbär und das Schwein. Die beiden tun ihr Bestes, aber es nützt nichts. Erst die kleine Fliege hat eine gute Idee. Tierisches Vergnügen beim Open-Air-Hörspiel für Jung und Alt.

Wendebecken Langenfort, Langenfort/Elligersweg/Steilshooper Straße, Sa, 14–14.30 Uhr, Eintritt frei

MediMaxi I: Raspeln ratschen über Fasern, Öl versiegelt Oberflächen. Ein Schütze spannt den Flachbogen, zielt – Treffer! Beim Bogenbaukurs und beim Intuitiven Bogenschießen lernen Kids ab sechs Jahren mit ihren Eltern alles über Handwerk und Technik rund um die Waffe.

Gut Karlshöhe, Karlshöhe 60 d; Bogenbau: So, 10–15 Uhr, 140 Euro; Bogenschießen: So, 13–16.30 Uhr, 25 Euro; Buchungsanfrage unter info@flowbow.hamburg

MediMaxi II: Vinyl, Sneaker, seltene Run-DMC-Shirts – "YO! Der Hip Hop Flohmarkt" verspricht das Rundumpaket für Rap-Freunde. Während kleine und große Gäste stöbern, legen DJs feine Beats auf.

Knust, Lattenplatz, Neuer Kamp 30, So, ab 12 Uhr, 3 Euro

Hamburger Schnack

Neulich an der S-Bahn Sternschanze: Wir hetzen die Treppe hoch, unsere S-Bahn steht bereit, doch schließen sich kurz vor Erreichen die Türen. Wir wenden uns ab und wollen auf die nächste Bahn warten, da ertönt plötzlich über Lautsprecher eine Stimme: "Wollen Sie jetzt noch mit oder nicht?!" Wie nett von der S-Bahn!

Gehört von Silke Pastoors

Meine Stadt

Beeindruckend durch Seltenheitswert: Ein leerer Bahnhof (Dammtor, 22 Uhr) © Anna Alenitsyna-Herber

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Was passiert, wenn Klimaaktivisten auf routinierte Politiker treffen? In Hamburg ist genau das jetzt geschehen. Aber die Profis wollten keine Hausaufgaben von der Jugend