Rund 63.000 Hamburgerinnen und Hamburger (und natürlich auch Hamburgbesucher) fahren jeden Tag mit der U3 zwischen Rathaus, Mönckebergstraße und Hauptbahnhof, rund 16.000 Fahrgäste steigen an der Haltestelle Mönckebergstraße ein oder aus. Ab Januar 2020 wird das erst einmal nicht mehr möglich sein – die Hochbahn hat angekündigt, die Haltestelle zu sanieren, und will die U3 in der Innenstadt für ein Jahr sperren. Warum das nicht anders geht, erklärt Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum im Interview.

ZEIT ONLINE: Herr Kreienbaum, wie wird der U-Bahnhof Mönckebergstraße aussehen, wenn er fertig ist? 

Christoph Kreienbaum: Er wird barrierefrei sein, das ist das Entscheidende. Es gibt dann zwei Aufzüge, die von der Mönckebergstraße aus direkt auf die Bahnsteige führen. Außerdem bauen wir einen zusätzlichen Zugang in Richtung Hauptbahnhof.

ZEIT ONLINE: Aus Sicherheitsgründen?

Kreienbaum: Wir erschließen damit zunächst einmal den östlichen Teil der Mönckebergstraße. So ein neuer Zugang bringt eine erhebliche Menge neuer Fahrgäste – das glaubt man gar nicht, aber man konnte das etwa beim Ausbau der Station Rödingsmarkt gut sehen, die ursprünglich auch nur einen Aufgang hatte. Und natürlich brauchen wir den Zugang als Fluchtweg.

ZEIT ONLINE: Im Moment führt von jedem Bahnsteig nur ein Weg nach oben.

Kreienbaum:
Die Station ist über 100 Jahre alt und relativ eng konstruiert, heute würde man die so nicht mehr bauen. Deshalb müssen wir hier auf die Sicherheit ein besonderes Augenmerk legen. Künftig gibt es an beiden Enden beider Bahnsteige Treppenzugänge – die bisherigen neben den Mönckeberg-Grills und zwei weitere in Richtung Hauptbahnhof.

ZEIT ONLINE: An der Strecke selbst ändert sich nichts?

Kreienbaum:
Die Strecke bleibt so, wie sie ist, nur die Haltestelle wird komplett modernisiert.

ZEIT ONLINE: Warum muss man dafür die Strecke in der Innenstadt ein ganzes Jahr lang sperren?

Kreienbaum:
Weil es so lange dauert, ganz einfach.

ZEIT ONLINE: Was dauert da so lange?

Kreienbaum:
Wir müssen die Haltestelle öffnen. Die Bahnsteige werden komplett abgerissen, das hat mit der Bausubstanz zu tun, aber auch damit, dass sie zu niedrig sind. Wir müssen insgesamt mehr Luft schaffen – und wir müssen die Aufzüge einbauen. Eine Komplettsanierung geht nie ohne Streckensperrung. Die Baumaßnahme selbst dauert noch länger, ab welchem Punkt die Züge wieder durchfahren und wann sie auch wieder anhalten, ist jetzt eine Frage der Feinplanung. Wir wollen aber gar keinen Hehl daraus machen: Es wird eine Sperrung geben, und die wird auch lange dauern.

ZEIT ONLINE: Ein Jahr hört sich sehr lang an.

Kreienbaum:
Natürlich, und es ist auch lang. Man muss aber auch sehen: Die Sache ist alternativlos, die Mönckebergstraße muss barrierefrei ausgebaut sein, da gibt es keine zwei Meinungen. Und wenn man sich überlegt, dass wir hier in der Innenstadt ein sehr gutes Busangebot haben und auch die Schnellbahnlinien in relativer Nähe liegen, dann ist die Einschränkung vielleicht am Ende kleiner, als man zuerst denkt. Und weil wir vergangenes Jahr eigens eine Weiche eingebaut haben, müssen wir – anders als früher – nicht den kompletten Abschnitt ab Berliner Tor sperren, der Hauptbahnhof bleibt also erreichbar.

ZEIT ONLINE: Die Strecke eingleisig zu befahren, ist wahrscheinlich auch nicht möglich?

Kreienbaum:
Wenn Sie eine Haltestelle abbrechen und komplett neu bauen, dann fahren Sie da nicht eingleisig durch. Sicher, es wäre theoretisch möglich – aber dann dauert die Baumaßnahme so richtig lange. Da sprechen wir aus Erfahrung: Lieber groß und schnell als in kleinen Schritten. 

ZEIT ONLINE: Apropos groß und schnell: All die Fahrgäste, die etwa von den Stationen Saarland- oder Kellinghusenstraße, Schlump oder Sternschanze in die Innenstadt fahren wollen, kommen auch jetzt schon nicht durch – wegen der Sperrung an den Landungsbrücken. Warum haben Sie die beiden Großbaustellen nicht zusammengelegt?

Kreienbaum: Wir können ja nicht die ganze Innenstadt stilllegen, wir brauchen bestimmte Kapazitäten, um das Netz aufrechtzuerhalten. Wenn wir das ganze Stück zwischen Hauptbahnhof und St. Pauli sperren, gibt es buchstäblich von allen Seiten Probleme. Das würde die Mobilität in der Stadt schwer einschränken.

ZEIT ONLINE: Was raten Sie den Fahrgästen, die sich ab Januar schon wieder umstellen müssen?

Kreienbaum:
Sie können mit anderen Linien zum Berliner Tor fahren und dort umsteigen, zum Hauptbahnhof oder zum Jungfernstieg, von dort aus ist die Mönckebergstraße fußläufig gut zu erreichen. Außerdem gibt es ein gut ausgebautes Busnetz. In der Innenstadt haben wir tatsächlich eine Menge Alternativen.

ZEIT ONLINE: Mit dem Umbau der Station Mönckebergstraße ist dann aber alles erledigt?

Kreienbaum:
Nicht zwingend, wir wollen auch die Station am Rathaus barrierefrei ausbauen, und es gäbe auch am Rödingsmarkt noch etwas zu tun. Wir sind gerade in der Abstimmung, wie wir diese Maßnahmen bündeln. Deshalb ist der Streckenabschnitt, den wir sperren, noch nicht fix. Ich denke, im September wissen wir Genaueres.

Korrekturhinweis: In der ersten Fassung des Textes wurde im Vorspann berichtet, die Sperrung beginne bereits im Januar 2020. Dann beginnt auch tatsächlich die Baumaßnahme, die Sperrung dagegen folgt zu einem späteren Zeitpunkt – wann genau, steht noch nicht fest.  Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.