Vor einem Jahr erschien im ZEITmagazin als Titelgeschichte eine weit ausgreifende Radrecherche: Ich war durch 14 große europäische Städte geradelt, um die Fortschritte und Rückschläge des urbanen Radverkehrs am eigenen Leib zu erfahren. Wie geht es in Nimwegen und in Karlsruhe voran? Was ändert sich gerade in Paris? Warum ist es in Hamburg und Köln immer noch so schlimm? Am Ende konnte ich feststellen: Radverkehr ist derzeit in allen Metropolen ein Thema, aufgekommen durch zu viele Autos, zu schlechte Luft und eine wachsende Zahl schneller E-Bikes, für die herkömmliche Radwege zu eng und zu unsicher sind. Überall ist Bewegung in der Sache.

Kurz nach dem Erscheinen der Reportage erhielt ich Post aus Buchholz in der Nordheide, einem Hamburger Vorort: Ob ich meine Erlebnisse nicht einmal in einem Vortrag vorstellen könne?

Als ich dann an einem Montagabend im September in die Waldschule kam, staunte ich nicht schlecht: Da hatte der Verein Buchholz fährt Rad e. V. eingeladen, und an die 60 Leute hatten sich eingefunden, um zu hören und zu sehen, wie man sich an der Seine durch Einbahnstraßen quält und welche Lust man auf dem Hovenring in Eindhoven verspürt, jenem schwebenden Fahrradkreisel, der zu einer Touristenattraktion geworden ist. Radverkehr scheint auch in Buchholz in der Nordheide ein großes Thema zu sein.

In der angeregten Diskussion schlug mir dann jemand vor, nach Ljubljana, Essen und Berlin, doch auch Buchholz einem Test zu unterziehen: Wie fährt es sich Rad in der kleinen Stadt? Ganz offenbar nicht so, wie die Radfahrerinnen und Radfahrer es sich wünschen.

Meine Vermutungen vorab waren diese: In einer kleinen Stadt ist Radfahren etwas Selbstverständliches. Die Distanzen sind geringer, der Autoverkehr fließt nicht dreispurig oder gar vierspurig. Der ÖPNV spielt keine so große Rolle. Öffentlicher Raum ist nicht so teuer, also sollten mehr Radwege drin sein.

Dem entgegen steht die Mentalität der Provinz: Man hat hier zu Zeiten noch Straßen verbreitert, als andernorts der Verkehr schon beruhigt wurde. Man ist in vielem hinterher, auch weil es am Selbstbewusstsein fehlt, etwas Neues zu versuchen.