In der Neuen Straße hinterm Bahnhof fahren wir an schmucken Parkbuchten vorbei; einen Radweg gibt es nicht. Es ist ja für die Stadtplanung auch immer wieder überraschend, dass jemand vom Bahnhof mit dem Rad in die Stadt fährt. Weiter geht es in die Fußgängerzone, in der man (Pluspunkt!) nicht absteigen muss, vorbei am Budni-Drogeriemarkt, der werbewirksam ("mehr Rad, weniger CO2") einen Fahrradständer vor seinen Eingang gestellt hat. Stehen allerdings keine Räder drin, stehen alle daneben. "Kein Wunder", erläutern meine Wegbegleiter, "das ist ein Felgenkiller."

Diese kleine Beobachtung wird zum Leitmotiv alles Weiteren: die plakative Absicht, die scheitert.

Sie findet ihren vollendeten Ausdruck in der E-Bike-Ladestation in der Breiten Straße, die mit ihrer aufragenden Werbe-Stele wie ein Denkmal vergeblichen oder auch nur vorgeblichen Bemühens wirkt. Solarzellen und ein Windturbinchen spenden symbolische Energie, auf Gedenktafeln haben sich die Sponsoren des Ensembles verewigt: die Stadtwerke Buchholz, die AOK, sogar McDonald's und VW Köhnke.

Wie funktioniert die Ladestation? "Schlüssel erhalten Sie während der Öffnungszeiten an der Kundeninformation" steht drauf, was nicht hilft, wenn die Batterie so leer ist wie die Kundeninformation zu. Und was ist das überhaupt, die Kundeninformation, und wo wäre sie? Ah, im Rathaus. Was leider auch nicht hilft, wenn das Rathaus offen ist, denn eine zweite Aufschrift auf der Ladestation verkündet: "Leider außer Betrieb!"

"In den letzten zehn Jahren ist sie vielleicht dreimal benutzt worden", sagen die Buchholzer Fahrradaktivisten, teils feixend, teils ergrimmt.

Ich teile ihre gemischten Gefühle. Das groteske Energieversorgungsmonument war der gemeinsame Versuch von Stadt und Einzelhandel, mit minimalem Aufwand eine Zukunftsorientierung zu simulieren – ohne auf wirkliche Bedürfnisse einzugehen, die ein Konzept und ein vernetztes Denken brauchen. Die Buchholzer Radfahrer haben Strom zu Hause. Was bringt ihnen eine Ladesäule?

700 Meter über Hubbel ins Nichts

Ähnlich verhält es sich mit der einzigen Fahrradstraße der Stadt, die im Jahr 2015 sogar die erste im Landkreis Harburg war. Sie ist ein 700 Meter langer Solitär, fängt irgendwo an und hört irgendwo auf, ohne Plan, ohne Anbindung. Und was noch verrückter ist: Die Fahrradstraße war vor ihrer Umwidmung eine verkehrsberuhigte Zone, Tempo 30, mit Hubbeln und Verschwenkungen, die immer noch da sind, weil es Geld gekostet hätte, sie abzubauen. Man hat einfach nur ein paar weiße Rad-Symbole auf den Asphalt gemalt und ein paar Fahrradstraßen-Schilder aufgestellt: fertig! Somit dürfte Buchholz zu den wenigen Städten in Deutschland zählen, die unter einer Fahrradstraße einen Hindernisparcours verstehen. Sollte man gelegentlich unter Denkmalschutz stellen, als Anschauungsobjekt für kommende Generationen von Verkehrsarchäologen.

Ende der Fahrradstraße: Wo, bitte, geht es hier jetzt weiter? © Jan-Henrik Plackmeyer

Nun noch ein Höhepunkt des Buchholzer Planungswesens. Am Schulzentrum I wird eine verkehrsberuhigende Maßnahme zurückgebaut, damit die Autos wieder besser und schneller fahren können. Weil die Verengung der Fahrbahn die Pkw-gestützte Schüleranlieferung und -abholung durch die Eltern allzu sehr behinderte, hat man die vor Jahren gepflanzten Bäume abgesägt, um die Straße neuerlich zu verbreitern. Ihre Stümpfe ragen noch auf als stumme Zeugen eines Mobilitätsfrevels: Denn der Autoverkehr, liebe Eltern der Fridays-for-Future-Kiddies, führt in die Vergangenheit, nicht in die Zukunft.

So geht es weiter. Wir fahren über enge, zerklüftete Fußwege, die nur durch ihre Beschilderung als Radwege zu erkennen sind, lehnen unsere Räder an das schicke Buchholzer Einkaufszentrum ("Räder anlehnen verboten"), und immerhin kann ich in der Schafdrift einen herrlichen Radweg bestaunen, der vor sagenhaften 15 Jahren angelegt wurde, aber leider immer noch nur 300 Meter lang ist.