Den eingetragenen Verein Buchholz fährt Rad e.V. gibt es seit dem April 2018. Er ging aus einer lockeren Initiative hervor, die eine juristische Form annahm, um Fördermittel für die Anschaffung von Lastenrädern zu bekommen. 75 Mitglieder; monatlich gibt es Vorträge. Die Liste der Vortragenden liest sich wie ein Who is Who der Mobilitätsexperten. Der Fahrradpapst Heiner Monheim war schon da, zum Berliner Zukunftsforscher Stephan Rammler –  er schrieb Volk ohne Wagen – kamen 150 Besucher; am 15. Januar 2020 wird Maja Göpel von Scientists for Future erwartet.

Der Verein kümmert sich inzwischen um das Stadtradeln, das in diesem Jahr zum fünften Mal stattgefunden hat. Bei der dreiwöchigen Aktion geht es darum, bewusst mehr Wege mit dem Rad zurückzulegen und dies auch zu dokumentieren. Die Zahl der Teilnehmer wächst von Jahr zu Jahr, 2018 waren es 1.037 ("erstmals vierstellig"), in diesem Jahr 1.206.

Orientierung in der Fußgängerzone: Tester Stock im Gespräch mit Aktivist Eckhoff im Kreise Buchholzer Fahrradfreunde. Der Wegweiser in Richtung Ehestorf hängt schon etwas durch. (v. l. n. r.: Jürgen Dee, Ulrich Stock, Peter Eckhoff, Thomas Winkelmann, Oliver Kröger) © Jan-Henrik Plackmeyer

"Wir sind 185.000 Kilometer mit dem Rad gefahren und haben 26 Tonnen CO2 vermieden", sagt Peter Eckhoff, "ein spürbarer Beitrag zum Klimaschutz."

Vom Herbst 2019 an soll es fünf elektrische Lastenräder in Buchholz zum Ausleihen geben, wenn denn die beantragten Bundesmittel aus der Nationalen Klimaschutzinitiative bewilligt werden. Es wäre eine Mobilitätsmöglichkeit für jene, die kein Auto haben oder die ausprobieren wollen, wie es ohne geht. Man wird sehen müssen, ob dieses Angebot besser angenommen wird als die E-Bike-Ladestation.

50 Prozent aller Autofahrten in Buchholz seien kürzer als fünf Kilometer, 20 Prozent sogar unter zwei, sagen die Aktivisten, auf eine Erhebung der Stadt verweisend: Hier gebe es fürs Rad eindeutig Potential.

Einen Radfahrverein sollte jede Kleinstadt haben

Dem bürgerschaftlichen Engagement des Vereins und dem persönlichen Umdenken der Bürger steht das Verhalten der Kommune gegenüber, die mehr tun könnte. 50.000 Euro im Jahr sind im Haushalt explizit für den Radverkehr ausgewiesen, das entspricht 1,25 Euro pro Einwohner oder – wie Peter Eckhoff ausgerechnet hat – 150 Metern Radweg. Damit kommt man nicht weit.

In der Stadt wird zudem an der Umsetzung eines geradezu fossilen Plans gearbeitet: endlich die Umgehungsstraße zu bauen, die seit den Siebzigerjahren in Planung ist. Weniger Autos in der Stadt durch mehr Straße? Daran glaubt im Fahrradverein niemand. "Das ist wie Übergewicht mit einer größeren Hose zu bekämpfen", frotzelt Eckhoff. Mehr Radverkehr durch ein besseres Wegenetz und Lastenräder, darauf setzen die Aktivisten.

Am Ende sind wir dreieinhalb Stunden durch Buchholz geradelt, und das Resümee meines Tests fällt eher nüchtern aus. Buchholz in der Nordheide könnte anderen kleinen Städten in einer Hinsicht allerdings Vorbild sein: So einen Fahrradverein sollte jede Stadt haben, damit Politik und Verwaltung beim Radverkehr künftighin stärker in die Pedale treten, statt  immer nur auf der Bremse zu stehen.