Der Deutsche Bundestag beschloss im November 2015, der Stadt Hamburg 120 Millionen Euro zukommen zu lassen, damit sie ein Deutsches Hafenmuseum errichtet. Es folgten: Schwierigkeiten – und eine vierjährige Suche nach einem geeigneten Standort. Der ist inzwischen gefunden – und nun könnten sich auch die weiteren Planungen beschleunigen. Den aktuellen Stand präsentierte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) am Freitag während einer Barkassenfahrt zu dem Ort, an dem das Museum errichtet werden soll. 

Wo genau will die Stadt das Deutsche Hafenmuseum bauen?

Am Holthusenkai auf dem Grasbrook, ein paar hundert Meter westlich der Elbbrücken. Das Grundstück am Südufer der Elbe ist etwa 5.700 Quadratmeter groß, die Barkassenfahrt von den Landungsbrücken dauert eine Viertelstunde. Direkt gegenüber liegen das Neubauquartier Baakenhafen und die MS Stubnitz, schräg gegenüber die U4-Station Elbbrücken. "Ein Sahnegrundstück", sagt Brosda. "Ein unglaublich markanter Ort." Bislang ragen dort noch gesichtslose Logistikhallen in den grauen Himmel, auf dem verwaisten Kai wuchert das Unkraut – der Blick aber reicht von hier über die Hafencity-Skyline bis zur Elbphilharmonie und darüber hinaus.

Wo soll das Museumsschiff Peking liegen?

Sobald der Neubau fertig ist, wird davor die "Peking" dauerhaft festmachen; der historische Viermaster liegt derzeit in der Werft. Der Holthusenkai ist jedoch nur einer von zwei Standorten des neuen Museums: Das derzeitige Hamburger Hafenmuseum im Hansahafen, auf dem Wasser nur zehn Minuten entfernt, soll erhalten bleiben und so ertüchtigt werden, dass ein ganzjähriger Betrieb möglich ist. Beide Standorte sollen mit einer Buslinie und, wenn möglich, einer museumseigenen Barkasse verbunden werden.

Wie wird das Museum für Besucher zu erreichen sein?

Laut Ursula Richenberger, Projektleiterin des Deutschen Hafenmuseums, wird der Standort gut angebunden sein: Die neue U4-Station Elbbrücken ist um die Ecke, von dort soll ein Bus zum Museum fahren. Auch ein Barkassen-Shuttle aus der Innenstadt sei denkbar, und wenn die Hadag sich überzeugen lasse, womöglich auch eine Fährverbindung. So solle das Museum auch dazu beitragen, dass Nord- und Südseite der Elbe zusammenwachsen.

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Die Stadt plant mit einem Baubeginn im Jahr 2023 und einem Eröffnungstermin rund zwei Jahre später – was deutlich früher wäre als zwischenzeitlich vorhergesagt. Das Museumsschiff Peking soll bereits im kommenden Sommer nach Hamburg zurückkehren und für einige Tage an der Überseebrücke festmachen, um sich den Hamburgern zu zeigen, bevor es für den Innenausbau in den Hansahafen kommt.

Wird die Stadt mit dem Budget auskommen? 

Von den 120 Millionen des Bundes sind noch 85 Millionen übrig. 35 Millionen flossen in die Peking, mehr als geplant. Dass am Ende Geld für das Museum fehlen könnte, glaubt Senator Brosda nicht: "Wir bauen ja kein Konzerthaus auf einem Kakaospeicher." Mit der Bauausführung beauftragt ist die städtische Immobiliengesellschaft Sprinkenhof, die einen Architekturwettbewerb ausschreiben wird. Davor allerdings muss erst das inhaltliche Konzept konkretisiert werden. Ursula Richenberger freut sich auf die Detailarbeit: "Es ist ein Geschenk, dass wir jetzt diesen Standort haben", sagt sie. "Das lange Gerede hat endlich ein Ende."

Warum hat das alles so lange gedauert?

Vor allem aufgrund der komplizierten Standortsuche. Mehrere Möglichkeiten standen im Raum, alle wurden verworfen: Ein Grundstück an den Landungsbrücken war zu klein, ebenso ein möglicher Standort am Baakenhöft. Auch neben den Musical-Theatern, gegenüber der Landungsbrücken, ging es nicht. Das Museum hätte dort nicht genehmigt werden können: In unmittelbarer Nachbarschaft liegt eine Chemiefirma, ein sogenannter Störfallbetrieb, zu dem ein Sicherheitsabstand eingehalten werden muss. Der Standort des bestehenden Hafenmuseums im Hansahafen schied aus dem gleichen Grund aus. In der Nähe lagern Gefahrgüter.

Was erwartet die Besucher, wenn das Museum fertig ist?

Das weiß bislang niemand ganz genau. Sicher ist: Das Deutsche Hafenmuseum soll die Geschichte der Globalisierung erzählen und die Frage ergründen, wie sich Städte verändern, wenn sie über einen Hafen mit der Welt verflochten sind. Hamburg wird zwar den meisten Platz einnehmen, aber nicht allen: Auch Exponate aus anderen Häfen sollen ausgestellt werden.

Um welche Themen wird es gehen?

Laut Hans-Jörg Czech, Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg, soll es fünf Schwerpunkte geben: Die Geschichte der See- und Binnenhäfen, der Hafen als Knotenpunkt der globalen und regionalen Wirtschaft, technische Innovationen sowie der Wandel der Arbeitswelt im Hafen, Schiffbau in Hamburg und den "Mythos Hafen". Auf jeden Fall solle kein elitäres Museum entstehen, sondern ein lebhafter Raum. Manche Außenbereiche sollen frei zugänglich sein und, wie der Hafen selbst, das ganze Jahr über geöffnet bleiben, 24 Stunden am Tag.

Wie sollen die beiden Standorte des Museums zusammenspielen?

Laut Richenberger soll der Neubau als "Diskursort" funktionieren, an dem Menschen ins Gespräch kommen über die Zukunft der Gesellschaft und die Verflechtung der Welt – dafür werde es sogar eigene Räume geben. Das bereits bestehende Hamburger Hafenmuseum hingegen, untergebracht im denkmalgeschützten Fünfzigerschuppen aus der Kaiserzeit, solle ein "authentischer Hafenort zum Anfassen" bleiben. Eine Ausstellung auf dem Museumsschiff Peking werde eine bestimmte Episode der Globalisierung erzählen: den Salpeterhandel zwischen Chile und Hamburg.