ZEIT ONLINE: Wie finden Sie heraus, ob die Bewerberinnen und Bewerber dem gewachsen sind?

Rebbe: Wir lassen uns für die Bewerbungsgespräche viel Zeit. Die fachliche Qualifikation ist ja nur ein Faktor, es muss auch menschlich passen – von beiden Seiten. Wenn wir uns dann dafür entscheiden, diesen Weg zusammen zu gehen, dann tun wir viel dafür, dass es auch klappt.

ZEIT ONLINE: Wie geht SOS-Kinderdorf mit den leiblichen Eltern um?

Rebbe: Das kommt auf die jeweilige Situation an. Dass Kinder anonym untergebracht werden, ist sehr selten. In der Regel haben sie regelmäßigen Kontakt zu den leiblichen Eltern. Das ist auch ganz wichtig. Wo es nötig ist, begleiten wir die Kinder bei Treffen mit ihren Eltern, manchmal geht das auch so. Es kommt auch vor, dass die leiblichen Eltern im Alltag unterstützen und zum Beispiel ihre Kinder selbst zum Arzt oder zum Sport bringen.

ZEIT ONLINE: Das heißt, die Trennung zwischen Elternhaus und SOS-Kinderdorf verschwimmt im Idealfall?

Rebbe: Nein. Uns ist es aber wichtig, dass die Kinder nicht komplett aus ihrem Umfeld gerissen werden. Das ist auch ein Vorteil von einem Kinderdorf mitten in der Stadt: Die Wege sind kurz, die Kinder können weitgehend in ihrem Sozialraum bleiben. Das erspart ihnen weitere Traumatisierungen, etwa weil nach dem Auszug aus dem Elternhaus auch noch Freundschaften zerbrechen, weil die Kinder aus der Schule genommen werden. Wenn wir das erhalten können, haben wir viel gewonnen.