ZEIT ONLINE: Das klingt alles erstaunlich einfach. Wieso kommt man erst jetzt darauf?

Fröba: Die Brennstoffzelle ist überhaupt nichts Neues, die gibt es im Prinzip schon seit mehr als 150 Jahren. Man hat es nur nicht für nötig gehalten, die Technologie zu nutzen. Man hatte ja Holz, Kohle und Erdöl. Diese Brennstoffe lagen – vereinfacht gesagt – herum und man brauchte sie nur anzuzünden. Erst später ist die Menschheit darauf gekommen, Energie aus Wind oder Sonne zu erzeugen. Der Witz an der Sache ist: Jetzt, wo wir regenerative Energiequellen nutzen, haben wir plötzlich riesige Mengen an Strom und wissen gar nicht, wohin damit. Für die Wasserelektrolyse können wir den jetzt wunderbar gebrauchen. Frei nach Jules Verne könnte man sagen, "die Zukunft unserer Energie ist nicht Kohle, sondern Wasser".

ZEIT ONLINE: Bei der Brennstoffzelle hieß es doch immer, die Technologie sei umständlich, deshalb setze sie sich als Antrieb für Autos beispielsweise nicht durch.

Fröba: Die Brennstoffzelle treibt einen Elektromotor an, und der ist technisch viel einfacher als ein Verbrennungsmotor. Es liegt eher am Widerstand der deutschen Autoindustrie. Die Hersteller haben die vergangenen 50 Jahre ihre Verbrennungstechnologie weiterentwickelt – und auch sehr gute Motoren gebaut, das muss man wirklich sagen. Inzwischen ist aber allen klar: Wir haben ein CO2-Problem und müssen dekarbonisieren. Jetzt wird die klimaneutrale Brennstoffzellentechnologie interessant. Da haben die deutschen Autohersteller nun einiges aufzuholen. Das geht jetzt los, aber in Asien ist man schon lange viel offener.

ZEIT ONLINE: Noch eine praktische Frage: Wenn Wasserstoff als flüchtiges Gas vorliegt, wie bekommt man es dann in den Tank rein?

Fröba: Mit Druck. Das Gas wird komprimiert, so wie Campinggas zum Beispiel auch. In den Stahltank eines Pkw passen etwa vier bis fünf Kilo Wasserstoff. Der ist in ein paar Minuten voll, anders als die Batterien von Elektrofahrzeugen, die mehrere Stunden an der Ladestation stehen müssen. Je nach Größe des Tanks kommt man mit einer Füllung 400 bis 700 Kilometer weit.

ZEIT ONLINE: Wann werden wir soweit sein, dass das Wasserstofftanken alltäglich ist?

Fröba: Die Entwicklung nimmt Fahrt auf. Bis Ende des Jahres sollen in Deutschland mehr als 100 Wasserstofftankstellen entstanden sein. In Hamburg gibt es schon drei Stück, drei weitere sind im Bau. Auch Autos mit Brennstoffzellen gibt es schon auf dem Markt zu kaufen, die sind richtig gefragt. Da gibt es teils lange Wartelisten. Ich verfolge das, weil bei mir nächstes Jahr auch ein neues Auto fällig wird. Gut möglich, dass das ein Brennstoffzellenauto wird.