Sollte man nicht erwarten, dass Politiker vor wichtigen Wahlen ihr Bestes geben? Vor allem dann, wenn sie die Chance sehen, von einer kleinen Partei zur politischen Großmacht aufzusteigen – wie jetzt die Hamburger Grünen?

Umso bemerkenswerter ist die Leistung, die der Landesvorstand der Hamburger Ökopartei gerade im Konflikt im Hamburger Bezirk Mitte abgeliefert hat.

Am Anfang standen dürftig begründete Islamismusvorwürfe gegen zwei Nachwuchspolitiker mit Migrationshintergrund, die durch den erdrutschartigen Erfolg der Grünen bei den Bezirkswahlen im Mai in den Bezirksrat Mitte gewählt worden sind. Einer der beiden neuen Abgeordneten gehörte sogar dem Kreisvorstand der Partei an. In den Verdacht, insgeheim radikale und verfassungsfeindliche Ansichten zu hegen, geriet der Mann aber erst, nachdem es ihm gelungen war, im Kampf um begehrte Listenplätze Vertreter des grünen Establishments hinter sich zu lassen. Nach der Wahl ging der Landesvorstand der Grünen dann so weit, die Hamburger in einer Lokalzeitung vor den angeblichen Islamisten in der eigenen Partei zu warnen.

Am Ende blieb von diesen Vorwürfen so gut wie nichts mehr übrig. Da hat man aber schon sechs der eigenen Bezirksabgeordneten regelrecht vertrieben, worauf sie sich der SPD anschlossen – die nun als stärkste Fraktion der Bezirksversammlung in einem Bündnis mit CDU und FDP in Mitte den Ton angibt. Nichts spricht dafür, dass der Landesvorstand der Grünen versucht hat, diese Eskalation des parteiinternen Konflikts zu verhindern.

Sollten die Grünen die Hamburger Bürgerschaftswahl gewinnen, wollen sie die Innenstadt des Stadtstaats in eine autofreie Zone verwandeln. Im Bezirk Mitte, zu dem die Innenstadt gehört, haben sie nun ein Parteienbündnis stark gemacht, das sich gegen dieses Vorhaben stellt. Selten haben Politiker den eigenen Zielen so sehr geschadet.

Gerade noch Wahlsieger, nun Opposition – müssten die Grünen nicht wenigsten versuchen, ihren Wählern dies Desaster zu erklären? Auf der Website des grünen Kreisverbands ist die letzte Meldung der Rubrik "Was gibt es Neues in Mitte?" belanglos und sechs Wochen alt. Es gebe, spotten sie bei der SPD, aufseiten der Grünen "noch nicht einmal eine Verschwörungstheorie", die ihr seltsames Agieren erklären könne.