Annika Lasarzik © Melina Mörsdorf

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein Journalist trifft eine Schauspielerin zum Interview, um sie zu ihrer neuen Rolle zu befragen. Doch dann reden die beiden noch über ein anderes Thema: die Anfeindungen, die die Schauspielerin im Internet abbekommt. 

Es passiert in diesen Tagen ziemlich oft, dass Interviews eine derartige Wendung nehmen – und man nach dem Lesen einigermaßen fassungslos vor dem Text sitzt, den Kopf voller Fragen, die eigentlich alle auf das Gleiche hinauslaufen: Woher kommt er bloß, dieser Hass? 

Zuletzt ging es mir so mit dem Interview, das mein Kollege Kilian Trotier mit der Schauspielerin Sibel Kekilli führte. Kekilli war schon Tatort-Kommissarin und Kurtisane in "Game of Thrones", und sie positionierte sich mehrfach gegen Gewalt an Frauen und Rechtsextremismus. Im Interview erzählt sie, wie sie für ihr jüngstes Engagement in die Rolle einer Terroristin geschlüpft ist. Und sie erzählt eben auch, was ihr so im Netz widerfährt.

Nun ist es nichts Neues, dass einige Menschen das Internet für ein Paralleluniversum ohne Umgangsformen halten. Dass gerade Frauen dort oft Angriffen ausgesetzt sind. Und die Frage nach dem Ursprung dieses Hasses, na, die ist auch nicht neu. "Ignoranz ist eine bessere Waffe als Wut", sagt Kekilli an einer Stelle. Eine Plattform wolle sie den Angreifern nicht bieten, sie schalte meist gleich einen Anwalt ein. Sicher kein schlechter Ansatz – denn auch das Netz ist kein rechtsfreier Raum.

Das ganze Interview finden Sie in der aktuellen ZEIT:Hamburg, die ab heute am Kiosk liegt. Oder Sie lesen den Text mit Digitalabo gleich hier.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihre Annika Lasarzik

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

Jüdischer Tempel in der Poolstraße: Ein Denkmal zerfällt

Während über den Neubau einer Synagoge im Grindelviertel diskutiert wird, zerfällt in der Neustadt ein anderes jüdisches Denkmal: der Tempel in der Poolstraße. Er entstand 1844 und gilt als Wiege des Reformjudentums. Ein Teil wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, im Hinterhof einer Autowerkstatt sind heute noch Überreste zu sehen. Die Frage ist: Wie lange noch? Denn das Grundstück soll verkauft werden, die Zukunft der denkmalgeschützten Ruine ist ungewiss. Heute will sich die Liberale Jüdische Gemeinde in Hamburg mit einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit wenden. "Wir wollen unsere Besorgnis zum Ausdruck bringen, dass ein bedeutendes historisches Zeugnis akut gefährdet ist", sagte uns Gemeindesprecherin Larissa Giewer vorab. "Die Stadt muss jetzt den ersten Schritt machen und sich kümmern, bevor die Anlage weiter zerfällt." Unterstützung kommt von Miriam Rürup, Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, vom Historiker Wolfgang Kopitzsch und vom Lichtkünstler Michael Batz. Sie alle wollen heute für den Schutz des Kulturdenkmals eintreten und die Stadt zum Handeln auffordern. "Die Reste des Tempels sind ein wichtiges jüdisches Erbe, das für liberale Juden weltweit Bedeutung hat. Außerdem steckt darin viel Stadtgeschichte", sagt Giewer.

Über die Geschichte des Tempels und seine Bedeutung bis heute hat Markus Flohr, Redakteur bei ZEIT:Geschichte, geschrieben – während seiner Recherche hat er in einem alten Grundbuch eine besondere Entdeckung gemacht. Seinen Text lesen Sie in der aktuellen ZEIT:Hamburg, ab heute am Kiosk und hier auf ZEIT ONLINE.

Kathrin Fromm

Terrorhelfer aus Liebe: Bewährungsstrafen für ganze Familie

Das Oberlandesgericht hat eine vierköpfige Familie aus Neumünster zu Bewährungsstrafen verurteilt, weil sie die Terrormiliz "Islamischer Staat" unterstützt hat – mit Geld. Konkret geht es um mehr als 27.000 Euro, die die Familie der jüngsten Tochter über Mittelsmänner hat zukommen lassen. Die Familie habe gewusst, dass sie IS-Mitglied war, und trotzdem Geld geschickt, sagte der Vorsitzende des Staatsschutzsenats, Norbert Sakuth. Mit Bewährungsstrafen zwischen neun Monaten und einem Jahr und sechs Monaten blieb das Gericht deutlich unter der Forderung der Generalstaatsanwaltschaft. Diese hatte Haftstrafen von bis zu dreieinhalb Jahren gefordert. "Sie ist doch meine Tochter!", sagte die Mutter gestern bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal. Unsere Reporterin Elke Spanner war dabei, ihren Text lesen Sie hier. Und falls Sie mehr über die Hintergründe des Falls erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen hier noch einmal Spanners Text aus der Novemberausgabe der ZEIT:Hamburg.

In einem Satz

Die Hamburger Staatsschutzabteilung im Landeskriminalamt beobachtet laut Senat 17 extremistische "Gefährder" – darunter drei Linksextreme und 14 aus dem Bereich religiöser Ideologie, aber keine Rechtsextremen +++ Der 5000. digitale "Smart Meter"-Fernwärmezähler wurde an der Reeperbahn in Betrieb genommen; mithilfe dieser Zähler will Hamburg Energie und CO2 einsparen +++ Die legendäre HSV-Stadionuhr aus dem Volksparkstadion zieht bald ins Deutsche Fußball-Museum nach Dortmund um, wo sie ab 2021 einen Stammplatz haben soll +++ Neuer Höchststand an Hamburgs Hochschulen: Derzeit sind 112.088 Studierende eingeschrieben – zwei Prozent mehr als vor einem Jahr und rund 62 Prozent mehr als vor zehn Jahren, teilte das Statistische Bundesamt mit

Was heute auf der Agenda steht

Der Weihnachtsmarkt im Überseequartier wird mit einer Eistanz-Show eröffnet +++ Das "Hamburg Model United Nations" startet; bis zum 1. Dezember simulieren Studierende UN-Versammlungen +++ Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) spricht ein Grußwort bei der Grundsteinlegung für den Neubau der Stadtteilschule Altona im Recha-Ellern-Weg +++ Der Uwe-Seeler-Preis für besonders engagierte Fußballvereine wird verliehen

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Die Grundschullehrerin 

Die Eltern eines Jungen erwarten ein Baby, die anderen Kinder in der Klasse sind schon ganz aufgeregt. Eines Tages, wenige Wochen vor dem Geburtstermin, fragt eines der Kinder, ob er schon den Namen wisse. Der Junge darauf: "Ja, weiß ich, aber ich darf das auf keinen Fall verraten! Meine Eltern sagen, das ist ein Geheimnis! ... Aber er wird Tarik heißen."

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburgerinnen und Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Bach-Preis des Hamburger Senats für Komponistin Unsuk Chin

Zuletzt stand eine Komposition Unsuk Chins beim Antrittskonzert von Alan Gilbert als Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters auf dem Programm. "Frontispiece" hieß das Stück: Musik mit Ecken und Kanten, die bekannte Werke aus dem Repertoire zitierte – eine Verneigung vor den alten Meistern, aber mit eigener Note. Heute bekommt die 58-Jährige den Bach-Preis des Hamburger Senats verliehen. Ihr künstlerischer Werdegang ist eng mit Hamburg verbunden. Durch ein Stipendium bekam sie als junge Frau die Möglichkeit, bei dem Komponisten György Ligeti an der damaligen Hamburger Hochschule für Musik und Darstellende Künste zu lernen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, Unsuk Chin ist die dritte Frau, die ihn bekommt. Bei der Preisverleihung in der Elbphilharmonie werden Mitglieder des NDR Elbphilharmonie Orchesters einige ihrer Werke aufführen. Für das Konzert, das um 19.30 Uhr im Kleinen Saal stattfindet, sind noch Restkarten erhältlich. 

Florian Zinnecker

Im Scheinwerferlicht: Michael Frowin, Theaterschiff

© Bernd Brundert

Hamburgs Bühnen sind bekannt für Musicals und Sprechtheater, Travestie und Opern. Unsere Serie "Im Scheinwerferlicht" stellt ihre Darstellerinnen und Darsteller in den Mittelpunkt: Wie bereiten sie sich auf ihre Rolle vor, was tun sie gegen Lampenfieber? Michael Frowin spielt im Kabarett "Halleluja, Angela" den Chauffeur der Kanzlerin. 

"Die Figur des Chauffeurs ist für mich schon wie eine zweite Haut; sie ist vor rund zehn Jahren für meine MDR-Sendung entstanden. Die Herausforderung besteht darin, die Rolle all die Zeit lang frisch und interessant zu halten. Deshalb informiere ich mich permanent über Politik und Frau Merkel. Sowohl die Haltung des Chauffeurs als auch die des Publikums verändern sich dann je nach Lage: Zurzeit wünschen sich viele, die Kanzlerin würde das Feld räumen. Deshalb zeigt der Chauffeur eine kritische Distanz, das war aber auch mal anders. Während der Flüchtlingsthematik zum Beispiel hat er Merkel verteidigt. Trotz solch ernster Themen habe ich nichts gegen Klamauk. Kabarett muss die Balance wahren: Haltung zeigen und zugleich unterhalten. Lange Zeit war das wegen meines Lampenfiebers eine Herausforderung für mich. Mittlerweile fühle ich mich auf der Bühne frei: Ich will jetzt nicht mehr allen gefallen. Und wenn Angela Merkel geht, dann fährt der Chauffeur eben für den nächsten Chef."

Theaterschiff, Nikolaifleet, Holzbrücke 2, 29.11., 19.30 Uhr; 30.11., 16/19.30 Uhr, weitere Termine online, ab 29 Euro

Aufgezeichnet von Anna Heidelberg-Stein

Was Sie heute erleben können

Mittagstisch

Koreaner ohne Raffinesse

Nicht nur die vietnamesische, auch die koreanische Küche wird immer beliebter – zu finden etwa im Han-Mi. Das Restaurant hat sich der traditionellen koreanischen Küche verschrieben – zumindest steht es so über dem Eingang. Hinter der Tür liegt ein riesiger Raum mit dunkelbraunen Furnierholzelementen, einigen großformatigen Fotos und Tischen, auf denen eingelassene Gasgrills unter silbernen Abdeckhauben an Tische in Zugabteilen erinnern. Gemütlich geht irgendwie anders. Bestellt und bezahlt wird das Essen am Tresen. Dort muss man es sich auch selbst abholen, sobald ein Beeper ertönt. Der Anblick des Tagesangebots – Hanmi Bulgogi (Bulgogi auf Salat mit Rindfleisch und Reis, inkl. dreier Beilagen und einer Suppe für 7,90 Euro) – stimmt zunächst versöhnlich, doch sobald man den Reis und das Fleisch probiert hat, regt sich wieder Unmut. Auch die Suppe schmeckt äußerst fad, nur die dazu bestellten frittierten Gemüsetaschen (Yatsche Mandu für 3,90 Euro) sind fein und knusprig.

Han-Mi; St. Pauli, Kleine Seilerstraße 1, Mittagstisch: Mo–Fr 11.30-15 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Verlosung

Wie wäre es mit einem Adventsausflug in die Hansestadt Stade? Dort findet dieses Jahr zum ersten Mal der skandinavische Weihnachtsmarkt Nordlicht am historischen Hafen und am Fischmarkt statt – mit skandinavischen Köstlichkeiten und Geschenkideen sowie Kulturprogramm. Vom Anleger des Hamburger Fischmarkts geht es mit der Adventsfähre "Liinsand" in rund 90 Minuten auf der Elbe nach Stadersand. Ein HVV-Bus verbindet Fähranleger und Altstadt. Wir verlosen 3x 2 Karten für die Fahrt von Hamburg nach Stade am 15. Dezember um 10 Uhr inklusive Rückfahrt um 16.45 Uhr mit jeweils einem Beeren-Glögg-Gutschein pro Person. Senden Sie uns dafür einfach bis morgen 12 Uhr eine E-Mail mit dem Betreff "Liinsand" an hamburg@zeit.de. Viel Glück!

Was geht

Sicher online: TikTok? Fortnite? Die meisten Eltern sind vom digitalen Leben ihrer Kinder überfordert. Am Infostand "Kinderschutz im Internet" erfahren sie alles über Jugendschutzsoftware, Suchmaschinen für Kinder und den sicheren Einstieg ins Netz. 

Bücherhalle Holstenstraße, Norderreihe 5–7, heute, 15–18 Uhr, Eintritt frei

Turmflimmern: Maine im Jahr 1890. Leuchtturmwärter Thomas und sein neuer Gehilfe treten ihre vierwöchige Schicht auf einem Eiland an. Der alte Seemann aber lässt den Kollegen nicht zur Spitze des Turmes, es gibt Streit. Als die Wochen vorüber sind, zieht ein Sturm auf, der das Verlassen der Insel unmöglich macht. US-Thriller in Originalfassung mit Untertiteln: "Der Leuchtturm".

Studio Kino, Bernstorffstraße 93–95, heute, 21 Uhr, 8,50 Euro

Tipps für Kids

Mini: Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Erzählerin Elita Carstens entführt Kids ab vier Jahren in das Reich der Fantasie. Sie werden von einer ganz besonderen Katze hören, von einem Waldkind und einem Engel, dem das Fliegen schwerfiel. Lesung: "Bald schon, Kinder, wird’s was geben ...".

Bücherhalle Volksdorf, Eulenkrugstraße 55, Sa, 11–12 Uhr, Eintritt frei

MediMaxi I: Der Oberhafen lädt ein zur "Lieblings-Late-Night-Spielen-Sport-Party". Neben Julklapp und Glühwein für Ältere hüpfen Mama und Sohn bei Parkour-Family-Sessions durch die Halle. Anschließend bejubeln die DJs Batte, Ralph Logan & AKAFKK die Freitagnacht. "Hoch die Wände, Wochenende".

Die Halle, Stockmeyerstraße 43, Halle 4F, Fr, ab 19 Uhr (ab 22 Uhr nur für Volljährige), Warm-up für Family-Sessions: 19.30 Uhr, Erwachsene 12 Euro, Kids 9 Euro

MediMaxi II: Der Schreibtischstuhl dreht sich nicht mehr, im Lieblingspulli klafft ein Loch, und das Skateboard splittert am Rand. Beim "Repair Café Kids" zeigen Fachleute Kindern und Jugendlichen, wie sie kaputte Gegenstände selbst wieder flottmachen können.

Gut Karlshöhe, Seminarraum Gutshaus, Karlshöhe 60 d, Sa, 14–17 Uhr, Eintritt frei, Kuchenspende erbeten

Hamburger Schnack

Auf Kampnagel. Ich stehe mit einer älteren Dame vor dem Spiegel, kurz vor der Lesung von Matthias Brandt. Sagt sie auf einmal laut, mehr oder wenig zu sich selbst: "Oh Gott, ich habe einen Pickel – selbst in der Kindheit hatte ich keine." Da kommt vom anderen Ende der Toiletten die knackige Antwort: "Freu dich, ist ein Zeichen von Jugend!"

Gehört von Hanna Herzog

Meine Stadt

Sollten Sie heute Nachmittag an der Binnenalster vorbeikommen, halten Sie die Augen offen: Ab 16.30 Uhr leuchtet die Alstertanne wieder! Der Baum kommt aus der Nordheide und ist knapp 15 Meter hoch – darum braucht es auch einen großen Kran, um ihn zu schmücken. © Uwe Michelsen

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Sibel Kekilli war "Tatort"-Kommissarin und die erste Deutsche bei "Game of Thrones". Jetzt spielt sie eine Terroristin – und spricht darüber, wie sie mit Anfeindungen umgeht. (Abo) 

Eine ganze Familie wurde in Hamburg wegen Unterstützung des "Islamischen Staates" zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatte der Tochter Geld nach Syrien geschickt. 

Sie sammelten Geld, kochten für IS-Kämpfer oder heirateten sie. Deshalb stehen zunehmend Frauen vor Gericht. Wo beginnt Liebe, kriminell zu werden? (Abo) 

In der Neustadt steht ein weltweit einmaliges jüdisches Kulturdenkmal, von dem kaum jemand weiß. Jetzt soll die Ruine verkauft werden. (Abo)

Wagemutig oder wahnsinnig? – Alan Gilbert, der neue Chefdirigent des Elbphilharmonie Orchesters, hat sich viel vorgenommen. (Abo)