Nicht nur in Hamburg steigen die Mieten. Die Sorge, sich irgendwann nicht mehr die eigene Wohnung leisten zu können, treibt viele Menschen um. Auf dieser Karte sehen Sie, wo die Mieten in Deutschland besonders drastisch steigen – und wo die Lage vergleichsweise entspannt ist. 

Die gute Nachricht ist: Der Mietenanstieg hat sich in Hamburg halbiert. Durchschnittlich um 2,6 Prozent sind die Nettokaltmieten in Hamburg in den letzten zwei Jahren gestiegen. Das ist die zentrale Erfolgsmeldung, mit der Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt am Dienstag den neuen Mietenspiegel präsentierte. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass wir nicht die Steigerungsraten der vergangenen Jahre haben", sagte die Senatorin. Zwischen fünf und sechs Prozent waren die durchschnittlichen Teuerungsraten bei den vorherigen Mietenspiegeln.

Stapelfeldt rechnete vor: Die Verbraucherpreise seien seit 2017 um 3,3 Prozent gestiegen, die Mietenentwicklung läge also unterhalb der allgemeinen Preissteigerung. Ein "Beweis dafür, wie wichtig unser Wohnungsbauprogramm ist", so die Senatorin.

Die Neubauoffensive von 10.000 Wohnungen jährlich und die verschiedenen Instrumente zur Mietbegrenzung – die Mietpreisbremse, die sogenannte Kappungsgrenze, die Erhöhungen auf 15 Prozent in drei Jahren festschreibt, sowie die Ausweisung von "sozialen Erhaltungsgebieten", in denen die Stadt zum Beispiel Vorkaufsrechte ausüben darf: All das sei "die richtige Strategie" und ursächlich dafür, dass die Mieten in Hamburg weniger als in den Jahren vor 2017 gestiegen sind. Seit 2011 hätte der Senat sich konsequent an die Ziele gehalten, die er im "Bündnis für das Wohnen" mit der privaten Wohnungswirtschaft und den Mieterverbänden vereinbart hätte, so Stapelfeldt, und: "Natürlich" mache sich die Entspannung des Marktes langsam bemerkbar.

Hamburgs Bauoffensive zeigt Wirkung

Beharrlichkeit siegt? Ja, allerdings im doppelten Sinn. Nicht nur hat sich der SPD-geführte Senat beharrlich an seine "Bauen, bauen, bauen"-Politik gehalten. Auch viele Mieterinnen und Mieter setzen sich beharrlich in ihren Wohnungen fest. Die Zahl der Neuvertragsmieten sei von 43 auf 32 Prozent zurückgegangen, erklärt Nele Dröscher von der Stadtentwicklungsbehörde. Die Fluktuation, die unter normalen Verhältnissen bei 12 Prozent läge, sei in Hamburg etwa auf der Hälfte stehengeblieben, rechnet Siegmund Chychla vom Mieterverein vor. Nur etwa 7 Prozent der Mieterinnen und Mieter seien in den letzten zwei Jahren umgezogen.

"Wenn die Menschen wegen des angespannten Wohnungsmarktes nicht mehr umziehen, fallen die Mietensteigerungen natürlich etwas gedämpfter aus", so der Mieterverein-Vorsitzende. "Ausziehen? Besser nicht", lautete die Überschrift der letzten Mietenspiegel-Analyse vor zwei Jahren auf ZEIT ONLINE. Offensichtlich haben sich nicht wenige Hamburgerinnen und Hamburger an den Ratschlag gehalten.