Wer ein Denkmal kauft, muss in seine Erhaltung investieren. Diese Erfahrung macht gerade Mareike Janssen. Ihr gehört die Schilleroper auf St. Pauli – oder das, was davon übrig ist. Die Kulturbehörde hat ihr eine "Anordnung von Sicherungsmaßnahmen" zugeschickt, im Klartext: Bis zum Jahresende muss Janssen nachweisen, dass sie die denkmalgeschützte Stahlkonstruktion des historischen Zirkusbaus baulich schützt, damit sie nicht weiter bei Wind und Wetter verrottet.

Mehrere Gespräche mit der Eigentümerin, so lässt die Kulturbehörde verlauten, hätten nichts ergeben – daher nun die "Sicherungsverfügung", wie es auf Amtsdeutsch heißt. Gutachten hätten bewiesen, dass das Stahlgerüst zu retten sei, wenn das zum Teil eingefallene Dach der Schilleroper abgesichert werde. Wenn trotz Anordnung nichts passiert, wird das Denkmalschutzamt Ende Februar die erforderlichen Maßnahmen selbst beauftragen – und die Eigentümerin bekommt die Rechnung. Ob und wann es dazu kommt, wird wahrscheinlich ein Gericht entscheiden.

Das Denkmalschutz-Ultimatum ist nur der letzte Akt in einem langjährigen Drama um den Rundbau von 1889.

Schon die Vorbesitzer, eine zerstrittene Erbengemeinschaft, hatten das das Zirkusrondell verfallen lassen, in dem einst der Circus Busch Elefanten auftreten ließ. Janssen erwarb die Immobilie 2014 und hatte große Pläne: Die Originalsubstanz sei nicht zu retten, befand die neue Eigentümerin und ließ den Schweizer Stararchitekten Max Dudler Neubauentwürfe machen, denen zufolge das Denkmal durch eine nachempfundene Rotunde ersetzt werde sollte – "als Anlehnung und Hommage an die alte Schilleroper", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Flankierend wollte sie Wohngebäude mit bis zu zehn Etagen bauen lassen. Dem zuständigen Bezirksamt Mitte war das zu hoch – und das Denkmalschutzamt legte sich quer.
Andere Gebäude konnte der Denkmalschutz nicht vor dem Abriss retten – etwa die City-Höfe, das Allianz-Hochhaus und die Industriedenkmäler auf der Peute. Diesmal soll es anders laufen.