Mit einigem Recht kann man sagen: Das ist ein Paradigmenwechsel. Seit Dienstagmittag hat Hamburg einen Klimaplan – ein Programm für den Senat, das beschreibt, wie das Land bis zum Jahr 2030 seine anspruchsvollen Klimaziele erreichen soll.

Bisher fand Klimapolitik statt in einer Welt der wolkigen Phrasen, in der die fossilfreie Zukunft des Jahres 2050 farbig ausgemalt wurde, während der Weg dorthin unklar blieb und sich nur eine klimapolitisch interessierte Minderheit daran störte, dass Etappenziele regelmäßig verfehlt wurden.

Nun hat das Land einen Plan, nun gibt es Zahlen, präzise Beschreibungen des Status quo und der zu erreichenden Einsparungen. Wohn- und Gewerbegebäude, Verkehr, Industrie – jeder dieser Bereiche bekommt Vorgaben und mal mehr, mal weniger konkrete Maßnahmenpakete, wie diese zu verwirklichen seien. Minus 55 Prozent, gemessen am Stand von 1990, nachdem in den vergangenen 29 Jahren nur etwa 20 Prozent eingespart wurden – sollte dieses Ziel auch nur annähernd erreicht werden, wäre das eine umweltpolitische Spitzenleistung.  

Natürlich wird die Wirklichkeit sich diesem Plan nicht einfach fügen. Es gibt in Deutschland keine Planwirtschaft und es kann schon darum auch keine Klimaplanwirtschaft geben. So wichtig wie der neue Plan ist darum das Prestige der beiden Hamburger Regierungsparteien, der SPD und der Grünen, das diese nun mit ihrem Konzept verknüpfen.

Angesichts der Umfragen ist es wahrscheinlich, dass nach der Bürgerschaftswahl im Februar eine dieser beiden Parteien den Hamburger Senat führen wird. Sowohl Sozialdemokraten als auch Grüne haben die Klimapolitik zu einem ihrer wichtigsten Anliegen erklärt. Die achselzuckende Gleichgültigkeit, mit der in Hamburg in der Vergangenheit Klimaziele verfehlt wurden, kann keine der beiden Parteien sich in Zukunft leisten, will sie nicht ihre Glaubwürdigkeit und künftige Wahlerfolge gefährden.