Es ist fünf nach zwölf. Auf der Willy-Brandt-Straße in Hamburg, auf der normalerweise lange Autokolonnen entlangziehen, stehen Zehntausende Menschen – so weit das Auge reicht. Viele haben bunte Plakate dabei, manche tragen Megafone und Trommeln. Es ist laut, die Stimmung friedlich und familiär. Eine Frau strickt im Gehen eine Socke. Viele Kinder und Jugendliche sind unter den Demonstranten – doch längst sind es nicht mehr nur Schülerinnen und Schüler, die sich den Fridays-for-Future-Protesten anschließen. Sondern auch Studierende, Eltern und Senioren. Insgesamt 30.000 Menschen, schätzt die Polizei, gingen an diesem Tag allein in Hamburg auf die Straße. Die Veranstalter sprechen von 55.000 Menschen. Wer sind diese Menschen, die in Hamburg für den Klimaschutz streiken? ZEIT Hamburg hat einige von ihnen auf der Großdemo getroffen.

"Ich lebe seit sieben Jahren vegan"

Michelle, 18 Jahre, Studentin aus Hamburg © Miguel Ferraz

"Ich lebe seit sieben Jahren vegan. Das ist mein Hauptanliegen. Ich finde, dass alle Menschen etwas für den Klimawandel tun müssen. Manche sehen vor allem die Politik in der Pflicht, aber ich bin da anderer Meinung. Inzwischen werden in meinem Umfeld immer mehr Freunde zu Veganern, sogar meine Eltern ernähren sich seit zwei Jahren vegan. Ich selbst versuche zu jeder größeren Demo zu kommen. Insgesamt war ich schon mehr als zehn Mal dabei. Das ist gar nicht so einfach, weil ich ein duales Studium mache. Da kann ich nicht einfach schwänzen. Heute baue ich Überstunden ab."

"Ich achte viel mehr auf Mikroplastik"

Olivio, 27 Jahre, Auszubildender aus Hamburg © Miguel Ferraz für ZEIT ONLINE

"Wir haben keine andere Welt und keine andere Möglichkeit, deshalb ist es wichtig, dass viele Leute auf die Straße gehen. Ich habe einen entspannten Chef, er hat uns freigegeben. Im September war er auch selbst mit auf der Demo dabei. Ich mache gerade eine Ausbildung. In der Berufsschule habe ich ein Referat über Mikroplastik gehalten. Es ist echt erschreckend, wie viele normale Produkte damit belastet sind. Das hat mich noch mal mehr wachgerüttelt. Mikroplastik schadet uns und der Umwelt. Seitdem achte ich da viel mehr drauf."

"Wir machen Druck auf unseren Arbeitgeber"

Frank, 47, und Sebastian 37, und arbeiten im Hamburger Airbus-Werk © Miguel Ferraz für ZEIT ONLINE

"Wir arbeiten bei Airbus und haben uns für die Demo heute extra freigenommen, so wie schon im September. Wir fühlen uns als Gewerkschafter und als Familienväter verantwortlich. Als Individuen haben wir die Möglichkeit, eine kleine Bewegung zu einer großen zu machen. Deshalb sind wir hier. Natürlich ist das ein schwieriger Kontext für uns, weil wir bei einer Firma arbeiten, die nicht unbedingt klimafreundliche Produkte herstellt. Wir wollen mit unserem Engagement auch Druck ausüben auf unseren Arbeitgeber. Zum Beispiel könnte ein Unternehmen wie Airbus seine Gewinne sinnvoller einsetzen."

"Wir sind mit dem Bus in den Urlaub gefahren"

Christiane, 39, mit ihrer Tochter Toni, 20 Monate © Miguel Ferraz für ZEIT ONLINE

"Ich habe es das erste Mal zur Klimademo geschafft. Ich bin mit ein paar anderen Müttern hier. Wir haben alle kleine Kinder. Ich glaube, das schärft noch mal das Bewusstsein dafür, wie wichtig Klimagerechtigkeit ist. Es geht schließlich um die Zukunft unserer Kinder. Wenn wir ihnen ein gutes Leben ermöglichen wollen, müssen wir jetzt nachhaltige Lebensmodelle entwickeln. Ich versuche das auch im Kleinen schon. Ich habe meinen To-go-Becher dabei, kaufe viel Kleidung secondhand und wir fliegen nicht mehr, sondern sind dieses Jahr mit dem Bus in den Urlaub gefahren."

"Ich fahre viel mit dem Rad"

Carla, 14, Schülerin aus Hamburg © Miguel Ferraz für ZEIT ONLINE

"Ich hätte gerne eine Zukunft, deshalb bin ich dabei. So einfach ist das. Ich war schon ziemlich oft bei den Klimastreikdemos, bestimmt zwanzigmal. Ich sage zwar meinen Lehrern vorher Bescheid, aber die Abwesenheit zählt trotzdem als Fehlstunden. Was ich für den Umweltschutz mache? Ich esse kein Fleisch, kaufe Bioprodukte und fahre viel mit dem Rad."