Das Wort Wahlduell besteht aus zwei Teilen, Wahl und Duell. Die Wahl wird es in Hamburg in gut einem Monat geben, am 23. Februar, das ist gewiss. Weniger gewiss war vor dem heutigen Spätnachmittag, ob es im Helmut-Schmidt-Auditorium der Hamburger Bucerius Law School wirklich zu einem Duell kommen würde, schließlich regieren die beiden größten Kontrahenten seit fast fünf Jahren gemeinsam – Peter Tschentscher von der SPD als Bürgermeister und Katharina Fegebank von den Grünen als seine Stellvertreterin. 

Nach der Länge eines Fußballspiels mit Nachspielzeit kann man sagen: Die Sorge war unbegründet. Die beiden Spitzenkandidaten wirkten nicht wie Regierungspartner, die ein gemeinsames Programm verkündeten, sondern wie zwei Politiker, die alles daran setzten, sich voneinander zu unterscheiden.

Grob zusammengefasst kam beim ersten öffentlichen Aufeinandertreffen von Tschentscher und Fegebank im Wahlkampf, das von der ZEIT organisiert wurde, heraus: Der Bürgermeister preist sich für seinen Realitätssinn, für seinen Blick auf die gesamte Stadt und sieht in seiner Kontrahentin eine Frau, die mit wolkigen bis blumigen Visionen daherkommt. Die zweite Bürgermeisterin will mit Freude am Ausprobieren und Mut begeistern; sie stört an ihrem derzeitigen Chef vor allem, dass er aus ihrer Sicht zu kühl und rational analysiert und so Hamburgs Möglichkeiten nicht wirklich ausschöpft.

Konkret sieht das dann, etwa beim Thema Verkehr, so aus: Katharina Fegebank und die Grünen planen in der Hamburger Innenstadt einen großen Wurf. Sie wollen die City weitestgehend von Autos befreien. "So viel zum Thema Mut", sagt sie auf der Bühne. Dann erzählt sie, dass es ihr nicht so sehr um die Verbannung der Autos selbst gehe, sondern um die Verbesserung der Lebensqualität. Sie habe zwei kleine Kinder, mit denen sie nur ganz selten in der Innenstadt sei, weil es dort weder Spielplätze gebe noch irgendeine Grünfläche. Fegebank gibt sich großdenkend und lebensnah. Ganz anders Peter Tschentscher. Er ist kein Freund von schillernden Plänen, er sagt lieber, dass die Realität kompliziert sei, und gibt den verantwortungsbewussten Ersten Bürgermeister, der nichts Wildes verspricht, sondern besonnen handelt: "Gerade im Zentrum sollten und dürfen wir keine Fehler machen", sagt er. "Das ist die Visitenkarte Hamburgs."

Oder beim Thema Wirtschaft: Katharina Fegebank will, dass die norddeutschen Bundesländer noch viel enger zusammenarbeiten, dass sich die Wissenschaft vernetzt, dass eine Innovationsagentur gegründet wird. Peter Tschentscher erwidert, dass sich das alles schön anhöre, es die Zusammenarbeit allerdings längst gebe. Fegebank kritisiert, dass die SPD nicht richtig mit dem Hafen umgehe, dass sie bei der Industrie die Bereitschaft verspüre, schnell und mehr zu tun, weshalb sie nicht verstehe, "warum wir manchmal so ängstlich vorangehen." Sie spricht davon, dass Hamburg "Global Leader" im Bereich erneuerbare Energien werden könne, ärgert sich, dass Potentiale nicht genutzt würden. Tschentscher kontert: "Das ist aber ungewöhnlich, wenn eine Spitzenkandidatin jetzt den Rückgang des Containerumschlags im Hamburger Hafen beklagt, nachdem es zehn Jahre das erklärte Ziel der Grünen war, die Elbvertiefung zu verhindern."