Florian Zinnecker © Maria Feck für DIE ZEIT

Liebe Leserin, lieber Leser,

falls Sie Wetten darauf abgeschlossen haben, dass das Wort "Bürgerschaftswahl" auch heute gleich im ersten Satz auftaucht, haben Sie hiermit gewonnen.

Zwar mag der Kollege Heinrich Wefing in seinem Leitartikel der ZEIT-Silvesterausgabe den Termin als eine "eher unbedeutende Landtagswahl" bezeichnet haben. Das war allerdings rein auf die bundespolitische Wirkung bezogen (wobei man auch da durchaus anderer Meinung sein kann).  Für uns hier in Hamburg geht es jedenfalls nicht nur um die nächsten fünf Jahre, sondern um eine Zukunft, die weit darüber hinausragt – zumindest dann, wenn man dem Anspruch der Wahlprogramme folgt.

Aber das wissen Sie natürlich längst. 

Deshalb haben wir beschlossen, heute noch einmal mit einem besonderen Fokus auf das vor uns liegende Jahr zu blicken. Nämlich: Was kommt auf uns zu, abgesehen von der Wahl? Wo ballen sich die Baustellen, was macht die Kunst, werden der Triathlon und der Schlagermove wieder am selben Wochenende durch die Stadt rollen? Meine Kollegin Annabel Trautwein hat einen Blick in die Zukunft geworfen, ihre Erkenntnisse können Sie hier lesen.

Und damit wäre sie fast geschafft, die erste volle Arbeitswoche des Jahres 2020. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen erging, aber wenn das so weitergeht, werden wir uns über Langeweile jedenfalls nicht beklagen können.

Ist das nicht hervorragend?

Ich wünsche Ihnen ein schönes, ruhiges und, wenn Sie mögen, ganz und gar unbedeutendes Wochenende!  

Ihr Florian Zinnecker

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de

WAS HEUTE WICHTIG IST

© Christian Charisius/​dpa

Laut der NDR-Wahlumfrage von Infratest dimap holen die Hamburger Grünen in der Wählergunst weiter auf und liegen gleichauf mit der SPD – bei 29 Prozent. Ein ganz anderes Bild ergibt sich aus der Wahlumfrage, die Radio Hamburg bei Trend Research in Auftrag gab: Hier erzielt die SPD 32 Prozent, die Grünen liegen bei 23 Prozent. In den Zustimmungswerten für die Spitzenkandidaten liegt Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in beiden Umfragen mit Abstand vor Katharina Fegebank (Grüne).

Der frühere Hamburger Innensenator und AfD-Spitzenkandidat Dirk Nockemann will sich auf einem Parteitag am Wochenende als Landesvorsitzender seiner Partei wiederwählen lassen. Gegen die Veranstaltung, die ab heute Abend in einer Hamburger Berufsschule stattfindet, hat das "Bündnis gegen Rechts" zu einer Protestkundgebung aufgerufen.

Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hat Eilanträge von Anwohnerinnen gegen den Bau des Einkaufszentrums im südlichen Überseequartier der HafenCity zurückgewiesen.  Die Anwohnerinnen wollten vor allem gegen Lärm- und Luftschadstoffbelastungen vorgehen. Es kann somit weiter gebaut werden.

In aller Kürze

Weil er Raketentechnik nach Moskau lieferte und damit das Russland-Embargo missachtete, ist ein 69-Jähriger vom Oberlandesgericht Hamburg zu sieben Jahren Haft verurteilt worden  •  In einer Grundschule in Rahlstedt hat es in der Nacht zu Donnerstag gebrannt, die Polizei geht von Brandstiftung aus  •  Rund 2000 Wahlhelfer fehlen noch für die Bürgerschaftswahl am 23. Februar, vor allem in den Bezirken Nord, Altona und Wandsbek  •  Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ist beim Neujahrsempfang der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Hamburg zu Gast  •  Die CDU ehrt den Unternehmer Michael Otto für sein Engagement im Umweltschutz mit dem Bürgerpreis 2019  •  Der HSV empfängt den FC Schalke 04 zum Testspiel im Volksparkstadion  •  Der FC St. Pauli bricht am Sonntag mit verkleinerter Mannschaft zum Trainingslager nach Valencia auf

THEMA DES TAGES

© moka-studio 2017

Jeder Meter zählt

Um das Gelände der alten Holsten-Brauerei in Altona haben Investoren und Verwaltung lange gerungen. Wo einst Bier gebraut wurde, sollen nun 1400 Wohnungen entstehen. Das klingt nach einem glücklichen Ende – doch endgültig ist die Übereinkunft noch nicht, lieber spricht man in der Verwaltung von einem "konsistenten Zwischenstand". Immer wieder war auch gar nicht klar, wer hier eigentlich mit wem verhandelt – weil das Areal fast schneller den Besitzer wechselte, als sich die Verwaltung den neuen Namen merken konnte. Christoph Twickel hat zum Kampf um das Gelände recherchiert: Das Projekt zeigt, wie der heutige Immobilienmarkt funktioniert. Lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Text aus der ZEIT:Hamburg.

Fast vier Jahre lang haben sie verhandelt, im November war es endlich so weit: Die Stadt und die Eigentümer des Holstenareals präsentierten ein Konzept, wie es einmal aussehen soll auf dem 86.000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Stresemannstraße und Max-Brauer-Allee, wo rund 1400 Wohnungen entstehen sollen. Altonas Baudezernent Johannes Gerdelmann spricht von einem "konsistenten Verhandlungszwischenstand". War es ein harter Kampf? Oder haben sich die Investoren schnell auf die Forderungen der Stadt eingelassen? Die Antwort kommt ohne Zögern: "Ersteres."

Mit wem er genau verhandelt, war zwischenzeitlich nicht ganz klar. Es gab Joint-Ventures, Eigentümerwechsel und Übernahmen, drei Gesellschaftsnamen mussten Gerdelmann und sein Mitarbeiter lernen.

Am Holstenareal lässt sich ablesen, wie die Immobilienwirtschaft derzeit funktioniert. Seit der Carlsberg-Konzern 2016 das frühere Gelände der Holsten-Brauerei verkauft hat, wird es als Teil von Immobilienpaketen international gehandelt. Der letzte Käufer heißt Consus AG, eine Aktiengesellschaft, die ein Immobilienportfolio im Wert von 10,3 Milliarden Euro vor sich herschiebt, bei vielen Projekten steht der Baubeginn noch aus. Auch auf dem Holstenareal ist der erste Spatenstich frühestens Ende 2020 zu erwarten.

Das Geschäftsmodell der Consus AG heißt "Forward Sales": Sie verkauft Tranchen aus ihren Projekten schon vor der Fertigstellung und baut sie für die Käufer schlüsselfertig. Die Käufer sind Versicherungen, Pensionskassen oder Versorgungswerke, die sichere Anlagen suchen. Das Risiko übernehmen Aktiengesellschaften wie Consus: Sie leihen sich Hunderte Millionen Euro zu hohen Zinsen, zum Teil über sogenannte Junk-Bonds ("Schrottanleihen"), um sich in Projekte einzukaufen. Damit sie dabei nicht in Schieflage kommen, müssen zügig Tatsachen geschaffen werden. Das heißt: Sie müssen sich mit der Kommune einigen, damit sie das Baurecht bekommen. Erst wenn sie einen städtebaulichen Vertrag haben, können sie die künftigen Wohnlagen lukrativ verkaufen. Und diese müssen dann genügend Quadratmeter haben, damit sich die Investitionen rechnen. Darum geht es auch im Kampf um das Holstenareal: Wie viele Quadratmeter sogenannter Bruttogeschossfläche darf der Investor bauen? Je mehr, desto besser für ihn.

Der Kaufpreis für das Grundstück dürfte im Fall des Holstenareals sehr hoch gewesen sein. Mehrere Bieter konkurrierten 2016 um das Filetstück in Altona, einer davon berichtete der ZEIT anonym: Man habe Carlsberg einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geboten und sei sich fast handelseinig gewesen, bis dann ein neuer Käufer auf den Plan getreten sei. Die Düsseldorfer Gerchgroup habe "mehr als den doppelten Preis akzeptiert". Die Gerchgroup übertrug das Areal im Juni 2018 vollständig an eine Aktiengesellschaft namens SSN Group, die vier Monate später von der Consus AG geschluckt wurde.

Mit welchen Tricks die Investoren verhandelten und welchen Preis die Einigung für alle Beteiligten hat, lesen Sie in der vollständigen Fassung des Textes auf ZEIT ONLINE.

DER SATZ

© David Maupilé für DIE ZEIT

"Ich frage mich aber, ob es für diese Tiere nicht vielleicht besser wäre, gar nicht erst geboren zu werden, anstatt als lebende Museumsstücke in irgendeinem Zoo herumstehen zu müssen."

Colin Goldner, Tierrechts-Aktivist

Der verheerende Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos in der Silvesternacht hat einer kontroversen Frage neue Aufmerksamkeit verschafft: Ist es vertretbar, Menschenaffen in Zoos zu halten? Hilft es sogar, die Tiere vor dem Aussterben zu bewahren – oder handelt es sich um nichts anderes als Quälerei? Der Aktivist Colin Goldner, den Katharina Menne und Urs Willmann aus dem Wissen-Ressort für die aktuelle ZEIT-Ausgabe befragt haben, vertritt eine klare, wenn auch radikale Position – das Interview können Sie hier auf ZEIT ONLINE nachlesen.

Aus Hamburger Sicht kommt dem Thema eine ganz eigene Bedeutung zu: Im Tierpark Hagenbeck lebt Bella (Foto), mit 80 Jahren die älteste Orang-Utan-Dame der Welt.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Kinderkino: Obwohl der kleine Max nicht aussieht wie ein Indianer, muss er als Häuptling die Familie zusammenhalten. Wochenend-Kino für Kids ab acht Jahren: "Winnetous Sohn".

Verschiedene Orte: Villa Dulsberg, Alter Teichweg 200, heute, 17 Uhr; Stadtteilhaus Neuwiedenthal, Stubbenhof 15, Sa, 15 Uhr; Kulturhaus Serrahn, Serrahnstraße 1, So, 14 Uhr

Diskussion: Ob Nachhaltigkeit Sinn macht, steht nicht zur Debatte; wohl aber, wie die Stadt sie politisch umsetzt. Wahlkampf-Gespräch: "Wie viel Bio will Hamburg sich leisten?"

GLS Bank, Düsternstraße 10, heute, 19.30 Uhr

Konzert: Die Musik von "Dota" sei wie Trampolinspringen und Parolenpinseln, schreiben ZEIT-Kollegen; auf ihrer Tour "In großer Besetzung" macht sie Station in der Markthalle, Klosterwall 11, heute, 20 Uhr, VVK 24 Euro

Debatte: Was erwarten Sie von einem Museum? Diskussion in englischer Sprache: "Bridging the Gap. Museen in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs – zwischen Ästhetik und sozialer Verantwortung: Wo liegt die Zukunft?"

Bucerius Kunst Forum, Alter Wall 12, Sa, 17.30–20 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung online

Tanz: Die "Swinging Feetwarmers" heizen im Stil der Eddi Condon Band den Kreislauf an. Für Paartänzer gibt es zuvor einen schnellen Kurs mit der Swingwerkstatt.

Nochtspeicher, Bernhard-Nocht-Straße 69a, Sa, 21 Uhr, 12 Euro

MEINE STADT

Die Docklands in Bewegung © Ingrid Charlotte Kurschat

HAMBURGER SCHNACK

Ein etwa zehn Jahre altes Kind beim Betrachten eines im Schaufenster hängenden Gemäldes: "Wenn das Bild ein anderes wäre, könnte es gut aussehen."

Gehört von Christiane Reiners

DIE HEUTIGE AUSGABE ZUM VERTIEFTEN LESEN

Was uns 2020 erwartet (außer der Bürgerschaftswahl) – Wo wird es Stau geben? Was macht die Kunst? Hier sind die wichtigsten Neuerungen, auf die wir uns in diesem Jahr gefasst machen sollten.

Wächst hier eine Gefahr für die Innenstadt? – Ein Weltkonzern baut in der HafenCity ein ganzes Viertel mit Büros, Hotels und einem riesigen Einkaufszentrum. Das zwingt die Händler im Zentrum zu Veränderungen.

Jeder Meter zählt – Um die Zukunft des alten Holsten-Brauereigeländes in Altona wurde lange gerungen. Daran lässt sich ablesen, wie heute der Immobilienmarkt funktioniert.

Lebenslänglich ausgestellt – Nach dem verheerenden Brand im Krefelder Zoo fordern viele den raschen Wiederaufbau des zerstörten Affengeheges. Der Tierrechts-Aktivist Colin Goldner sieht dagegen den Zeitpunkt gekommen, allen Menschenaffen ihre Freiheit zu schenken. Ein Interview

Bella – Als sie nach Hamburg kam, war Helmut Schmidt noch Senator. Jetzt hat die älteste Orang-Utan-Dame der Welt wieder Geburtstag.