Die Sicherheitsvorkehrungen sind so streng, dass der Prozess erst nach fast zwei Stunden Verspätung beginnen kann. Die Zuschauenden dürfen das Gerichtsgebäude nur über einen Nebeneingang betreten. An der Einlassschleuse sind die Kontrollen so akribisch, dass die rund 100 Zuschauerplätze auch eine halbe Stunde nach dem geplanten Verhandlungsbeginn erst zur Hälfte gefüllt sind. Die Vorsitzende Richterin unterbricht daraufhin die Verhandlung, ehe sie offiziell eröffnet wurde. Das verlangt der Grundsatz der Öffentlichkeit. 

Einige Zuschauenden nutzen die Gelegenheit, die beiden angeklagten Männer mit Beifall und Jubel zu begrüßen, als sie in den Saal geführt werden. Ingmar S. (27) und Felix R. (31) sitzen seit einem halben Jahr in Haft. "Schön, euch zu sehen", ruft ein Zuschauer. Die angeklagte Frau hingegen ist in Freiheit, sie betrat das Gericht zusammen mit ihren Anwälten.

Die drei sind die "drei von der Parkbank". So werden sie in der linken Szene genannt, weil sie vorigen Juli auf einer Bank in einem Eimsbütteler Park festgenommen wurden. Es war kurz nach Mitternacht in der Nacht auf den 8. Juli, dem zweiten Jahrestag der G20-Proteste. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Trio zu dem Anlass vier Brandanschläge begehen wollte. In den Taschen von Felix R. hatte die Polizei vier Brandsätze und Adressen gefunden: eines Maklerbüros, einer Immobilienfirma, von deren Dienstwagen-Parkplatz sowie vom Wohnhaus der Hamburger Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD). Eindeutig Anschlagsziele, sagt die Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten sagen dazu erst einmal nichts. Für den kommenden Prozesstag aber hat die Verteidigung eine Erklärung angekündigt. 

Als Hauptakteur des Trios gilt Felix R. Der 31-Jährige ist ein schlanker, auffallend aparter Mann. Nach Überzeugung der Polizei soll er in der Szene eine herausragende Stellung gehabt haben – er stand offenbar schon lange unter Beobachtung der Polizei. Vor dem G20-Gipfel soll er in Italien gewesen sein, um dort Protestler anzuwerben. 

Am Abend des 7. Juli vorigen Jahres dann beobachteten Polizisten, wie Felix R. an einer Tankstelle Benzin in einen Kanister füllte. Sie blieben ihm auf den Fersen, verfolgten ihn bis zum späten Abend in den Park. Dort hätten er und die anderen beiden sich auffällig verhalten, hieß es später. Die Polizei griff zu. 

Felix R. und Ingmar S. haben in Hohenfelde zusammengewohnt. Sie sind in Haft, weil sie in ihrer Wohnung nicht gemeldet sind – das Gericht sieht Fluchtgefahr. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sich mit der mitangeklagten 28-jährigen Frau zu einem Verbrechen verabredet zu haben: Brandstiftung, in einem Fall sogar schwere Brandstiftung. Die Anklage geht davon aus, dass ein Brandsatz auf das Wohnhaus der Senatorin geworfen werden sollte. Den dreien droht lange Haft.

Unter dem Label "Die drei von der Parkbank" hatte es seit Monaten Solidaritätsbekundungen für sie gegeben. Deshalb auch die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen: Das Gericht fürchtet Protest- und sogar Störaktionen. Die Kundgebung, die zum Prozessauftakt vor dem Gerichtsgebäude stattfand, blieb jedoch harmlos. 

Die Verhandlung dürfte sich über Monate hinziehen. Das Gericht hat bislang 28 Termine bis April festgesetzt. Danach, heißt es bereits, könnte man zweimal die Woche weiterverhandeln.