Es ist nicht das erste Mal, dass Moshe Peter Loth in diesem Prozess für Aufsehen sorgt. Im November waren Bilder seines Auftritts vor dem Hamburger Landgericht um die Welt gegangen: Nachdem er ausführlich über seine Leidenszeit als Baby im KZ Stutthof und die Trennung von seiner Mutter berichtet hatte, stand er auf, rief "Seht her, ich werde ihm verzeihen" in den Saal und umarmte den früheren SS-Wachmann, der dort auf der Anklagebank sitzt. Eine große Geste, wie es schien, vor allem aber: eine große Inszenierung.

Jetzt ist klar: Loth persönlich hatte nichts zu verzeihen. Er war niemals im KZ. Das hat ein Reporter des Spiegels recherchiert, und Moshe Peter Loth hat nun die Konsequenzen gezogen: Er hat seine Nebenklage im Hamburger Stutthof-Prozess zurückgezogen. "Im Interesse der Opfer", sagt Salvatore Barba dazu, der Anwalt des angeblichen Zeitzeugen aus den USA.

Mit dem Schritt ist Loth, der für seine Aussage im November extra aus den USA angereist war, dem Gericht zuvorgekommen. Die Strafkammer hätte dem 76-Jährigen die Nebenklage wohl ohnehin entzogen. Die Vorsitzende Richterin zeigte sich erleichtert, dass sich das nun erübrigt hat. Sie begrüße die Entscheidung Loths, sagte sie. Am vorigen Prozesstag, als die ungeheuerlichen Vorwürfe gerade bekannt geworden waren, hatte ein anderer Nebenklageanwalt davon gesprochen, dass nun "ein Schatten über diesem Prozess liegt". Nun hoffen alle, dass der Schatten sich verflüchtigt hat.

Aber ist das so?