Das Gebiet sei ein "komplexes Stück St. Pauli, in jeder Hinsicht", erklärte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Es geht um das Paloma-Viertel, das auf dem Areal der ehemaligen Esso-Häuser am Spielbudenplatz geplant ist: Ein Grundstück in Toplage mit einem sozial und kulturell interessanten neuen Konzept, das die sogenannte Planbude-Initiative gemeinsam mit dem Bezirk dem Eigentümer des Areals abgetrotzt hat. 

60 Prozent Sozialwohnungen, keine Eigentumswohnungen, dafür Gewerbe- und Community-Einrichtungen mit Bezug zum Stadtteil – so soll das Grundstück, auf dem einst die heiß geliebte Kieztanke stand, bebaut werden. Der Eigentümer, die Bayerische Hausbau, soll im Gegenzug ein Hotel bauen können. Hunderte von Gestaltungsvorschlägen aus der Nachbarschaft flossen in die Entwürfe mit ein, bundesweit galt das Planbude-Konzept als wegweisend für eine Stadtentwicklung mit Ortsbezug und echter Bürgerbeteiligung. 

Trotzdem drohte ein herber Rückschlag: Die Kosten für das sogenannte Baufeld 5, auf welchem Baugemeinschaften und nachbarschaftliche Nutzungen – unter anderem eine Stadtteilkantine und ein "Fablab" für Jugendliche – unterkommen sollten, liefen aus dem Ruder. Eine enge, komplizierte Baustelle, eine aufwendige Unterkellerung: Laut Informationen der ZEIT hätte die Mitglieder von Baugruppen allein als genossenschaftliche Einlage 2.000 Euro pro Quadratmeter bezahlen müssen, um den Bau zu finanzieren. Das war für sämtliche Interessenten aus der Genossenschafts- und Baugemeinschaftsszene viel zu viel.

Acht Mal ausgeschrieben, acht Mal kein Verkauf

Acht Mal schriebt die städtische Agentur für Baugemeinschaften das Projekt aus, acht Mal fand sich niemand, der die Kosten stemmen konnte. Hätte der Bebauungsplan die sogenannte Vorweggenehmigungsreife erlangt, wären die im städtebaulichen Vertrag vorgesehenen Vorgaben Makulatur gewesen, die Bayerische Hausbau hätte das Baufeld jeweils zur Hälfte mit geförderten und frei finanzierten Wohnungen bebauen können. Damit wäre ein Kernstück des Vorzeigeprojektes Makulatur gewesen.

Dass es nicht dazu kommt, war der Stadt offensichtlich einiges wert. Am Donnerstag verkündeten Finanzsenator Dressel und Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD), man habe mit der Bayerischen Hausbau "eine Einigung über den Erwerb von Baufeld 5 erzielt und damit den Weg für das Paloma-Viertel geebnet". Man setze auf eine "soziale Stadtentwicklung" rechtfertigte Dressel den Schritt auf einer Pressekonferenz im "Landesbetrieb Immobilienmanagement", einer Abteilung der Finanzbehörde. Gerade in einem Stadtteil, wo mit Immobilien viel Rendite gemacht werde, sei die Stadt gefordert, ihren Beitrag zu einer sozialen Bodenentwicklung zu leisten, zumal dann, "wenn sich ein Stadtteil organisiert, um zu zeigen, dass ein anderer Weg möglich ist", so Dressel.

"Das ist ein Projekt, das sehr viel Erwartungen ausgelöst hat, und ein wichtiges städtebauliches Projekt", ergänzte Stadtentwicklungssenatorin Stapelfeldt. Man müsse erreichen, dass es nach den Empfehlungen der Bürgerbeteiligung gebaut wird. Die Stadt werde die Häuser schlüsselfertig erwerben, erklärte Stapelfeldt und dann über die Agentur für Baugemeinschaft vergeben. 30 Wohnungen sollen auf dem Baufeld für Baugemeinschaften gebaut werden, dazu kommen die gemeinwirtschaftlichen Nutzungen im Erdgeschoss, die städtischen Kreativgesellschaft vermietet werden sollen – zu 12,50 Euro Kaltmiete.

Eine "Ultima Ratio"-Entscheidung

Der Finanzsenator stritt ab, dass die Stadt diese Intervention teuer zu stehen komme – die Lösung sei "wirtschaftlich vernünftig" so Dressel. "Die Stadt hat einen Betrag gezahlt, der sich auf 30 Jahre rechnet." Wie sich das genau rechnet – immerhin erwirbt die Stadt hier ein Areal, das für private Gesellschaften zu teuer ist, um es bezahlbar zu vermieten – blieb am Donnerstag ein Geheimnis der Finanzbehörde. Über den Kaufpreis wollte man nicht sprechen, der Geschäftsführer von Landesbetrieb Immobilienmanagement, Thomas Schuster, deutete nur an, dass sich die öffentliche Hand eben günstiger refinanzieren könne als Private und dass die Bayerische Hausbau sich in den Verhandlungen auch auf die Stadt zubewegt hätte.

Ein gutes Geschäft dürfte die Transaktion keinesfalls gewesen sein. Dass der Deal mit der Bayrischen Hausbau Modellcharakter haben könne, davon wollte man jedenfalls am Donnerstag in der Finanzbehörde nichts wissen. Die Einigung mit der Bayerischen Hausbau sein eine "Ultima Ratio"-Entscheidung gewesen, so Dressel. Wäre das Projekt auf Grund gelaufen, hätte das für "viel Frust" auf St. Pauli gesorgt. "Die Stadt kann jetzt nicht in jedem Fall der Ausfallbürge von zu teuer gewordenen Projektentwicklungen sein", erklärte der Finanzsenator.

Geschäftsführer Schuster warb dafür, den Deal als "Extremfall eines Portfolios" zu sehen – im Gesamtportfolio des städtischen Eigentums sei der Erwerb der Paloma-Häuser eben eine Kaufentscheidung, die die Ausnahme bleiben müsse. "Das Geld muss an anderer Stelle finanziert werden", so Schuster.