Unmittelbar vor der Bürgerschaftswahl ist nun klar, wie sich die Sozialdemokraten in Hamburg die Umgestaltung der Innenstadt vorstellen. Seit Längerem wird diese Frage in der Stadt kontrovers erörtert. Wie andere Teilnehmer der Debatte möchte die SPD den Autoverkehr in der Innenstadt zurückdrängen und zentrale Parkplätze aufgeben, um Aufenthalts- und Erholungsräume für Fußgänger zu gewinnen. Allerdings gehen sie in ihren Vorstellungen etwas weniger weit als die Grünen, die ein ähnliches Konzept schon im Sommer vorgelegt hatten.

Vorgestellt wurde der Plan der Sozialdemokraten nicht bei einer Parteiveranstaltung, sondern am Freitag im Rathaus durch Peter Tschentscher, den Ersten Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidaten, die scheidende SPD-Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt und Oberbaudirektor Franz-Josef Höing. Es gehe darum, sagte Tschentscher, "die Innenstadt attraktiver zu machen und zugleich dafür zu sorgen, dass sie gut erreichbar bleibt".

Zuletzt hatten mehrere Umfragen ergeben, dass eine deutliche Zurückdrängung des Autoverkehrs in der Innenstadt wahrscheinlich die Zustimmung einer Mehrheit der Bürger finden würde. Zudem plädiert eine Volksinitiative für eine komplette Sperrung eines großen innerstädtischen Areals für den motorisierten Verkehr. Wie immer die Bürgerschaftswahlen in knapp zwei Wochen ausgehen, das Thema dürfte also Gegenstand der Koalitionsverhandlungen werden. Ausdrücklich betonte der Bürgermeister, die eigenen Vorschläge seien als Beitrag zur Debatte zu verstehen und könnten durchaus auch verändert werden.

Die Grünen, deren Pläne im Sommer die Diskussion um die Neugestaltung der Innenstadt in Gang gesetzt hatten, kommentierten den Entwurf ihres Koalitionspartners erfreut und leicht ironisch: "Wir freuen uns wirklich sehr, dass die SPD unser Konzept für eine weitestgehend autofreie Innenstadt quasi eins zu eins übernommen und dazu auch noch so schön illustriert hat", teilte der Grünenfraktionschef Anjes Tjarks mit.

Ein neuer Park am Hauptbahnhof?

Ähnlich wie die Grünen wollen nun auch die Sozialdemokraten den Jungfernstieg an der Binnenalster für den privaten Autoverkehr sperren und die angrenzenden Einkaufsstraßen Große Bleichen und Neuer Wall teilweise ständig und teilweise nur für bestimmte Zeiträume zu Fußgängerzonen machen. Eine weitere Fußgängerzone im Rathausquartier, die in einem Verkehrsversuch bereits erprobt worden war, soll nun dauerhaft eingerichtet werden.

Ein Unterschied zwischen den Konzepten beider Koalitionsparteien ist der Autoverkehr an der Binnenalster. Die Grünen würden ihn auf Teilen des Ballindamms und dem Neuen Jungfernstieg gerne weitergehend beschränken als es die SPD beabsichtigt.

Unklar ist offenbar noch, wie die zentrale Einkaufsstraße der Stadt, die Mönckebergstraße, vom Busverkehr entlastet werden soll. Die Pläne sehen vor, möglichst viel Busverkehr auf die parallel verlaufende Steinstraße zu verlagern, die in diesem Fall wahrscheinlich Busspuren und "eine bessere Lösung für den Radverkehr" bekommen würde – wie das aussehen soll, ist einstweilen aber noch nicht klar.

Ein wenig utopisch mutet eine Gestaltungsidee der SPD für die Gleisflächen südlich des Hauptbahnhofs an. Unmittelbar an der bestehenden Bahnhofshalle sehen die Pläne der Bahn eine Erweiterung der Bahnhofshalle vor. Das daran angrenzende Gleisfeld bis zur Altmannbrücke vor der Stadtbücherei stellen sich die Sozialdemokraten überdacht und begrünt vor, eine kleine zusätzliche Parkanlage in der Innenstadt. Es gebe da aber, sagte Baudirektor Höing bei der Vorstellung dieser Idee, "eine Vielzahl technischer Fragestellungen, die alles andere als trivial sind".