Rückzug in die eigenen vier Wände? Wohl kaum möglich. Ehrenamtliche Helfer? Leider aus Selbstschutz nicht mehr da. Ein warmes Mittagessen, eine Dusche? Gibt’s dadurch leider auch nicht mehr. Wohin jetzt? Diese Frage stellen sich derzeit viele der geschätzt 2.000 Obdachlosen in Hamburg. Die Ärmsten der Stadt trifft die Coronakrise besonders heftig – und ihre Lage wird von Tag zu Tag problematischer.

Johan Graßhoff betreut für die Diakonie Obdachlose auf der Straße. "Für obdachlose Menschen bricht die Infrastruktur zusammen", sagt er. Seit Anfang der Woche sind soziale Einrichtungen und Beratungsstellen für Besucher geschlossen, auch mobile Hilfsangebote stellen nach und nach den Dienst ein. Es gebe lediglich noch eine Notversorgung. Julian Thiele, Straßensozialarbeiter der Caritas, bestätigt das und berichtet von Obdachlosen, die verzweifelt eine Dusche suchen.

Ein großes Problem für viele Einrichtungen: Sie müssen freiwillige Helfer nach Hause schicken. Ein Großteil von ihnen ist im Rentenalter und im Fall einer Erkrankung besonders gefährdet. Viele Hilfsangebote für Menschen, die auf der Straße leben, sind schon im regulären Betrieb auf die Unterstützung von Ehrenamtlichen angewiesen. Die Tagesaufenthaltsstätte "Alimaus" am Nobistor etwa arbeitet fast ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften, das CaFée mit Herz nahe der Reeperbahn wird von einem spendenbasierten Verein getragen, selbst die Einrichtungen großer sozialer Träger werden von freiwilligen Helfern unterstützt. Sie fehlen jetzt.

Die Liste der geschlossenen Einrichtungen ist lang: Die Tagesaufenthaltsstätte der Diakonie ist wegen der Infektionsgefahr weitgehend geschlossen, ebenso das Herz As in der Nähe des Bahnhofs und die "Alimaus" am Nobistor. Für hunderte Obdachlose bedeutet das: Vorerst kein warmes Mittagessen mehr, keine Möglichkeit zum Wäschewaschen. Und keine Duschen. Selbst der Duschbus "Go Banyo" fährt nicht mehr. Und die öffentlichen Duschen am ZOB sind bereits seit Anfang Januar abgeschafft, aus Überlastung, ganz unabhängig von Corona.

Auch andere Hilfsmobile wurden gestoppt. Normalerweise versorgt der Mitternachtsbus jeden Abend bis zu 160 Obdachlose in der Innenstadt. Die Ehrenamtlichen schenken heiße Getränke aus, verteilen Brötchen, Schlafsäcke und Isomatten. Nun ist der Betrieb eingestellt. Auch der Kältebus, der hilfsbedürftige Obdachlose nachts ins Winternotprogramm bringt, rückt vorerst nicht mehr aus. "Wegen des zu großen Risikos einer Ansteckung für unsere Fahrgäste als auch für unsere Mitarbeiter", schreibt das Team.