Kurz bevor die Landesregierung von Schleswig-Holstein die Insel Sylt sowie die anderen Inseln des Landes in Nord- und Ostsee für den Tourismus abriegelte, hatten sich zahlreiche Urlauber erst auf den Weg dorthin gemacht. Seit Montag ist Sylt für Urlauber nun gänzlich gesperrt, inzwischen sind Urlaubsreisen im Inland generell verboten – wer als Tourist noch auf der Insel ist, soll schnell wieder runter. Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel weiß, dass diese Entscheidung harte Einschnitte für die Bewohner bedeutet. 

ZEIT ONLINE: Herr Häckel, seit Montagfrüh ist Sylt – wie auch alle anderen Inseln in der Nord- und Ostsee – für Touristen gesperrt. Wie haben Sie die Situation in den vergangenen Tagen erlebt? 

Nikolas Häckel: Allen Empfehlungen zum Trotz sind in den vergangenen Tagen immer mehr Urlauber nach Sylt gekommen, die Autozüge und Bahnen waren voll. Besonders von Freitag an haben wir, womöglich auch durch die Schulbefreiung in den Ländern, viele Neuankünfte registriert. Das hat uns in der Form tatsächlich ein bisschen überrascht. Denn der Appell, auch von Gesundheitsminister Jens Spahn, war doch ziemlich eindeutig: Bleiben Sie zu Hause, verreisen Sie nicht. Trotzdem war es an der Autoverladung und auf dem Zubringer voll. 

Nikolas Häckel (parteilos), Bürgermeister von Sylt © Carsten Rehder/​dpa

ZEIT ONLINE: Haben Sylt-Reisende den Ernst der Lage nicht erkannt? 

Häckel: Das könnte man so interpretieren. Einige Reisende, das kam in Gesprächen heraus, haben offenbar die gute Luft zum Anlass genommen, zu uns zu kommen. Aber natürlich kann es auch dann zu einer Tröpfcheninfektion kommen. Das Problem ist: Die medizinische Versorgung auf Sylt ist begrenzt, sie ist nicht auf große Besucherzahlen ausgelegt – zumal dann nicht, wenn wir einer großen Pandemie ins Auge blicken. 

ZEIT ONLINE: Haben Sie einen Überblick darüber, wie viele Reisende noch vor Ort sind?
 
Häckel:
Durch die jüngsten Abreisen habe ich dazu aktuell keine Zahlen, aber zumindest haben nun viele Menschen doch vorzeitig, wie empfohlen, die Heimreise angetreten. Zum Glück haben all diejenigen erkannt, dass es an der Zeit ist, den Aufrufen zu folgen und nach Hause zu fahren.

ZEIT ONLINE: Wie stellen Sie sicher, dass sämtliche Besucher die Insel verlassen?

Häckel: Das basiert derzeit noch auf Appellen und Vertrauen. Wir haben zwar ein Zutrittsverbot durch das Land erhalten, aber wir haben kein Abreisegebot. Das reguliert sich jetzt durch Aufrufe und durch die Informationen darüber, wie es um die medizinische Versorgung auf Sylt bestellt ist. Das lässt dann doch einige erkennen, dass sie zu Hause bei ihrer Familie und in der bekannten Struktur besser aufgehoben sind – dort, wo dann eben auch Nachbarschaftshilfe möglich ist.

ZEIT ONLINE: Wie viel Prozent der Bewohner gehören auf Sylt altersbedingt zur Risikogruppe? 

Häckel: Zur Risikogruppe gehören hier schon sehr, sehr viele. Es ist etwas schwierig mit den hier gemeldeten Zahlen, das sind nicht die Echtzahlen. Es gibt eben auch einige, die sich hier mit Erstwohnsitz anmelden, obwohl sie als Senior nur sporadisch auf der Insel sind. Aber dennoch spüren wir auf Sylt natürlich den demografischen Wandel und auch sonst haben wir sehr viele ältere Menschen. Auch solche, die mit Lungenerkrankungen hier sind, weil ihnen die Sylter Luft guttut. Hier haben sie etwa mit ihrem Asthma weniger Probleme. Insofern haben wir auf der Insel schon ein sehr, sehr großes Potenzial an Risikogruppen. 

ZEIT ONLINE: Wie viele begründete Verdachtsfälle haben Sie derzeit?