Der Frühling kommt, die Temperaturen steigen, doch Spargelbauer Matthias Beeck bereitet das alles gerade schlaflose Nächte. In rund drei Wochen, kurz vor Ostern, beginnt traditionell das Spargelstechen. Auf 26 Hektar Land muss dann die Ernte eingeholt werden, die einen Großteil des jährlichen Einkommens von Beecks Familienbetrieb sichert.

Seit vielen Jahren arbeitet er mit einem festen Team von 24 Erntehelfern aus Polen, bei denen jeder Handgriff sitzt. Die Hälfte davon ist schon auf dem Hof bei Reinfeld, einem Ort zwischen Bad Oldesloe und Lübeck, und bereitet alles vor. Doch ob und wann die andere Hälfte kommt, das ist unklar. "Alle Saisonkräfte wollen zu uns", sagt Matthias Beeck, "doch die Lage ändert sich täglich." Denn in der Corona-Krise haben viele europäische Staaten ihre Grenzen wieder dichtgemacht. Es gibt Reisewarnungen, Kontrollen und kilometerlange Staus zwischen Deutschland und Polen.

Wenn der Spargel nicht rechtzeitig abgeerntet wird, kann das auch die Ernte im kommenden Jahr gefährden. Zugleich droht Matthias Beeck sein zweites Standbein wegzubrechen: Sein Spargelrestaurant, ein beliebtes Ausflugsziel der Region, muss in dieser Saison wohl geschlossen bleiben.

So wie Matthias Beeck geht es gerade vielen Landwirten im Hamburger Umland. "Etwa 300.000 geschulte Erntehelfer aus den Balkanländern kommen pro Jahr nach Deutschland", sagt Fred Eickhorst von der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer.

Christoph Werner, dessen Familie seit 40 Jahren in Deinste im Alten Land Spargel anbaut, charterte sogar ein Flugzeug und ließ 100 rumänische Erntehelfer nach Hamburg einfliegen. "Jetzt sind wir erst mal gut versorgt und werden unsere Ernte zumindest vom Feld holen können", sagte Werner. Auf 100 weitere Kräfte aus Polen warte er noch: "Wenn die Erntehelfer nach der Saison zurück nach Polen reisen, müssen sie dort 14 Tage in Quarantäne. Ich hoffe, dass ich deshalb keine Absagen erhalten werde."

Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, hat Werner die Hygienemaßnahmen in seinem Betrieb verschärft. Schon am Flughafen wurde die Temperatur der Arbeitskräfte gemessen. "Wir arbeiten alle viel im Freien, meist in festen Kleingruppen mit ausreichend Mindestabstand", sagt der Landwirt. Neben Spargel baut Werners Familientrieb Beeren und Kirschen an und sichert zusätzliches Einkommen durch Photovoltaik und Windenergie. Doch schon die Ernte in den letzten Jahren war problematisch, zu viel Nässe in 2017, Hitzewellen in 2018, letztes Jahr dann ein kurzes Durchschnaufen. Und nun Corona.