Stuttgart (dpa/lno) - Für Huub Stevens ist es ein "normales Spiel". Aber nur bezüglich seiner erfolgreichen Zeit als Retter des damals ebenfalls stark abstiegsgefährdeten Hamburger SV. Rein sportlich bezeichnete der neue Trainer des VfB Stuttgart dieses richtungweisende Kellerduell des Tabellenvorletzten gegen seinen nur drei Plätze und zwei Punkte besser dastehenden Ex-Verein als ein "Endspiel". Aber auch dem wollte der routinierte Niederländer nicht zu viel Bedeutung beimessen. "Wir haben noch neun Endspiele", sagte Stevens am Donnerstag. "Aber egal, wie das Ergebnis ist, haben wir danach noch acht Endspiele."

Sportvorstand Fredi Bobic beurteilte die Lage vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) ebenso. "Es ist ein Endspiel für uns und den HSV. Aber danach geht es genauso weiter. Keiner kann sich sicher sein", meinte der VfB-Manager.

Unterschiede gibt es aber doch: Gewinnen die Stuttgarter, können sie sich nicht nur an den Norddeutschen vorbeischieben, sondern auch einen direkten Abstiegsplatz wieder verlassen. Im Fall einer Niederlage bleibt der VfB auf Rang 17, dann aber mit bereits fünf Zählern Rückstand auf den HSV. Stevens ist dies natürlich bewusst, aber er "möchte keine extra Spannung auf die Truppe legen".

Druck haben die seit zehn Spieltagen sieglosen Schwaben eh genug. Und Stevens ist fest davon überzeugt, auch mit dem VfB den Klassenerhalt zu schaffen. "Wenn ich das Vertrauen in die Mannschaft nicht hätte, wäre ich nicht hier", versicherte er. "Dann darf man gar nicht anfangen." Der VfB habe genügend Qualitäten.

Noch nie in seiner langen Laufbahn ist der 60 Jahre alte Fußballlehrer mit einem Verein abgestiegen. Als er den HSV im Februar 2007 übernahm, stand der Traditionsverein sogar auf dem letzten Platz. Stevens schaffte es - in allerdings 15 Partien - die Hamburger noch in den UI-Cup zu führen. Bei seiner heiklen Mission mit dem VfB geht es ausschließlich um den Klassenverbleib.

Dazu beitragen könnte auch wieder Torjäger Vedad Ibisevic nach Ablauf seiner Rot-Sperre. Stevens ließ allerdings offen, ob er den bosnischen Nationalstürmer in der Startelf aufbietet oder erst im Verlauf der Partie einwechselt. "Vedo ist ein Spieler, der Tore schießt, aber er war jetzt fünf Spiele nicht dabei", sagte Stevens. Allerdings ist kaum vorstellbar, dass der Coach auf Ibisevic verzichtet, der mit zehn Treffern bei 20 Einsätzen eine beachtliche Quote aufweist.

Ob es erneut einige personelle Überraschungen wie bei seiner Premiere gegen Bremen geben oder er die Mannschaft bis auf den gelb-gesperrten Martin Harnik unverändert lassen wird, ließ Stevens offen. Er werde weiter "analysieren und observieren und dann gucken, was am besten ist für die erste Elf", sagte er. Zu den Stärken und Schwächen des HSV könne er nicht so viel sagen: "Ich beschäftige mich mit dem VfB."

Voraussichtliche Aufstellung des VfB Stuttgart: Ulreich - Schwaab, Rüdiger, Niedermeier, Sakai - Gentner, Boka - Traoré, Cacau (Leitner), Rausch - Ibisevic.