Hamburg (dpa/lno) - Hamburgs Grüne haben den geplanten direkten Wechsel von Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden scharf kritisiert. Das verstoße gegen die hanseatische Kaufmannstradition, sagte der Grünen-Wirtschaftsexperte Anjes Tjarks am Mittwoch. Gleichzeitig forderte er Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) auf zu erklären, warum die Grundsätze einer anständigen Unternehmensführung jetzt nicht mehr gelten sollen. Ursprünglich sollte zwischen Behrendts Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats ein Jahr liegen. Nun sind es nur noch wenige Monate. So soll der 62-Jährige, der im Juli aus der Hapag-Lloyd-Chefetage ausscheidet, bereits im Herbst den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen.

Eigentlich sieht der Deutsche Corporate Governance Kodex sogar eine Karenzzeit von zwei Jahren vor, innerhalb derer die Vorstandsmitglieder nicht in den Aufsichtsrat wechseln dürfen. Ein früherer Wechsel ist jedoch möglich, wenn mehr als 25 Prozent der Aktionäre dies wollen. Hamburg hält derzeit knapp 37 Prozent an der Hamburger Reederei. Nach der bereits unterzeichneten Fusion von Hapag-Lloyd mit der chilenischen CSAV werden es noch 23 Prozent sein. Der Zusammenschluss im Herbst gilt auch als Grund für den vorzeitigen Abschied des bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Weber.