Hamburg/Missoula (dpa/lno) - Mit einer Trauerfeier in einer Hamburger Moschee wollen Angehörige und Freunde aller Voraussicht nach an diesem Sonntag Abschied von dem in den USA erschossenen Austauschschüler Diren nehmen. Das kündigten der Vater und ein Sprecher der Türkischen Gemeinde in Hamburg an. Bereits am Freitagnachmittag wollten Bekannte und Mitschüler mit einem Trauermarsch zum US-Konsulat in der Hansestadt an den 17-Jährigen erinnern. Der Marsch sollte um 17.00 Uhr beginnen, rund 1000 Menschen wurden erwartet. Diren war in der Nacht zum Sonntag in Missoula im US-Bundesstaat Montana in der Garage eines Fremden erschossen worden. Er soll im türkischen Bodrum beerdigt werden.

Der Vater des 17-Jährigen sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Verwandte, Nachbarn, Kollegen - alle sind im Schock. So einem Jungen durfte so etwas nicht passieren." Die Monate in den USA seien für Diren "die schönste Zeit seines Lebens" gewesen. "Besonders eine Woche, die er in Hawaii war."

Der Jugendliche, der im August für ein Jahr in die USA gekommen war und eine High School besuchte, soll in der Nacht in die Garage gegangen sein, in der die Schüsse fielen. Was Diren dort machte, ist weiterhin unklar. Der 29 Jahre alte Hausbesitzer fühlte sich seinem Anwalt zufolge bedroht und schoss auf den Teenager. Der 17-Jährige wurde am Kopf und am Arm getroffen und starb im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 29-Jährigen vorsätzliche Tötung vor.

Direns Familie in Hamburg erhält weiterhin viel Unterstützung und Solidarität. Der FC St. Pauli will an diesem Mittwoch (18.30 Uhr) im Stadion Hoheluft zu einem Benefizspiel gegen den SC Teutonia 1910 - Direns Heimatverein - antreten. Die Einnahmen kommen der Familie des 17-Jährigen zu Gute, wie der FC St. Pauli mitteilte. Teammanager Christian Bönig erklärte am Freitag: "Sportdirektor Rachid Azzouzi und Cheftrainer Roland Vrabec haben keine Sekunde gezögert und sofort ihre Zusage gegeben. Wir freuen uns sehr, der Familie im Rahmen unserer Möglichkeiten weiterhelfen und sie unterstützen zu können."

Bereits am Mittwochabend hatten Freunde und Vereinskollegen ein emotionales Benefizspiel für Diren organisiert. Rund 1000 Zuschauer waren dabei, darunter auch seine Mutter und seine beiden Schwestern. Nach Informationen der "Hamburger Morgenpost" kamen dabei rund 25 000 Euro zusammen.

Auf der Facebook-Seite "RIP Diren" hieß es: "Eure Spendengelder, die wir bekommen haben, haben unsere Erwartungen weit übertroffen." Mit dem Geld sollten etwa die Rückführung der Leiche, Anwaltskosten sowie T-Shirts mit Direns Konterfei bezahlt werden. "Wir wollen, dass der Name "DIREN" Geschichte schreibt und nicht vergessen wird! Die ganze Welt soll erfahren, was passiert ist und wie man so etwas in Zukunft vermeiden kann, indem man vielleicht einen Stein ins Rollen bringt und dafür sorgt, dass in Amerika die Waffengesetze verschärft werden."

Die Opferhilfeorganisation Weißer Ring erklärte am Freitag, zwei ehrenamtliche Mitarbeiter kümmerten sich um Direns Mutter. Auch mit den Behörden - etwa dem Versorgungsamt - sei die Organisation im Gespräch: "Dort wurden Anträge nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) für die Hinterbliebenen eingereicht." Auch in die Formalitäten der Beerdigung in der Türkei sei der Weiße Ring eingebunden. Die Mitarbeiter hätten zudem zum amerikanischen Generalkonsulat Kontakt aufgenommen. "Wir leisten in diesem Fall intensiv seelischen Beistand und nutzen unsere Kenntnisse, um die Betroffenen über ihre Rechte aufzuklären", betonte die stellvertretende Landesvorsitzende Kristina Erichsen-Kruse.