Hamburg (dpa/lno) - Im Prozess um den gewaltsamen Tod der kleinen Yagmur hat ein Polizist von einem überraschend passiven Verhalten der Mutter am Tatort berichtet. Der 31-jährige Beamte schilderte am Freitag vor dem Hamburger Landgericht, wie er am 18. Dezember 2013 in der elterlichen Wohnung war, als das schwer verletzte Mädchen noch reanimiert wurde. Als die Notärztin den Tod der Dreijährigen feststellte, sei der mitangeklagte Vater weinend zusammengebrochen. Die Mutter habe weder geweint noch geschrien. "Sie war überraschend abgeklärt", sagte der Beamte.

Bei seiner Aussage geriet der erfahrene Polizist immer wieder ins Stocken und rang sichtlich um Fassung. Gewundert habe ihn, dass sich die Eltern während der Reanimation keines Blickes gewürdigt hätten, sagte der Beamte.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter Mord aus Hass auf ihre Tochter vor. Der Vater soll tatenlos mitangesehen haben, wie seine Frau die Dreijährige immer wieder misshandelte. Yagmur starb an inneren Blutungen infolge eines Leberrisses.

Im Kinderbett habe er am Tattag frisches Blut entdeckt, berichtete der Polizist. Die Mutter habe die schwere Kopfverletzung sowie die vielen blauen Flecken an Yagmurs Körper damit erklärt, dass das Kind auf den Kopf gefallen sei, ins Wohnzimmer lief und dort bewusstlos wurde. Verdächtig erschien dem Polizisten, dass die Verletzungen nicht zu einem Sturz passten und es keine Blutspur zum Wohnzimmer gegeben habe.

Im Wohnzimmer habe ein Kollege ein Schreiben vom Jugendamt gefunden, in dem die Behörde davon abriet, der Familie das Kind zurückzugeben. Yagmur lebte erst seit wenigen Monaten bei ihren leiblichen Eltern; zuvor war sie bei einer Pflegemutter und in einem Kinderschutzhaus untergebracht gewesen.

Eine Beamtin, die die Mutter am Tattag vernommen hatte, berichtete, wie ruhig und gefasst die 27-jährige auf die Fragen antwortete. Die Angeklagte stritt demnach ab, Yagmur schwer geschlagen zu haben, räumte jedoch "leichte Schläge auf den Po" ein. Auch ihr Mann habe das Kind nicht geschlagen. Als Grund für die Verletzungen habe die Angeklagte häufige Stürze des Mädchens sowie Streit mit anderen Kindern angegeben. Dass sie die blauen Flecken des Kindes überschminkt habe, stritt die Mutter bei der Polizei zunächst ab, räumte es aber nach Aussage der Beamtin später ein.