Hamburg (dpa/lno) - Nach dem Anschlag auf das Pariser Satire-Magazin "Charlie Hebdo" haben in Hamburg Tausende Menschen gegen Terror, Rassismus und Ausgrenzung demonstriert. Laut Polizei versammelten sich am Montagabend unter dem Motto "Liberté, Égalité, Fraternité! Hamburg steht auf für Freiheit und Demokratie!" rund 4000 Menschen in der Innenstadt. Die Redner, etwa Integrationsstaatsministerin Aydan Özoguz (SPD), Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit sowie Vertreter der Glaubensgemeinschaften, gingen auch mit der islamkritischen "Pegida"-Bewegung hart ins Gericht. Außerdem zeigten sie sich solidarisch mit der "Hamburger Morgenpost", auf die am Wochenende ein Brandanschlag verübt worden war. Das Blatt hatte Karikaturen des Satire-Magazins "Charlie Hebdo" nachgedruckt.

Frankreichs Generalkonsul Serge Lavroff verlas die Namen der 17 in Paris ermordeten Menschen - und fügte unter dem Beifall der Kundgebungsteilnehmer hinzu: "Ihr Tod soll nicht umsonst gewesen sein und eine bessere Welt möge nun folgen." Der Intendant des Thalia Theaters, Joachim Lux, betonte: "Die Freiheit der Kunst und der Medien ist unantastbar." Sie könne nicht weggebombt werden. Gleichzeitig warnte er davor, nun neue Mauern hochzuziehen. Die Antwort auf Paris könne nur heißen: "Wir öffnen uns noch mehr", sagte Lux unter dem Beifall der Demonstranten. Unter ihnen waren auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Kinder, die Transparente wie "Mein bester Freund heißt Ogün" oder "Meine Zukunft ist bunt" hielten.

Kein Verständnis zeigten die Redner für die nationalkonservative AfD und die islamkritische Pegida-Bewegung. "Hier müssen wir endlich mal eine deutliche Abgrenzung haben zu dem, was "Pegida" in Dresden veranstaltet. Das ist nicht akzeptabel", sagte Staatsministerin Özoguz. Dirk Ahrens vom Diakonischen Werk Hamburg und Mitglied der Kirchenleitung der evangelischen Nordkirche sprach von einem Missbrauch christlicher Werte: "Deshalb beschämt und beunruhigt mich auch ein schwarz-rot-gold angemaltes Kreuz auf einer Pegida-Demo oder "Weihnachtslieder singen gegen den Islam"."

Besonders eindringlich, aber auch kritisch gegenüber der Politik äußerte sich der Vorsitzende der Schura, des Rates der islamischen Gemeinschaften in Hamburg, Mustafa Yoldas: "Es ist an der Zeit, dass die Muslime hier und anderswo eine klare Linie ziehen zwischen denjenigen, die für ihre kriminelle Energie unsere Religion missbrauchen, und denjenigen, die seit einem halben Jahrhundert hier mit Ihnen in Frieden zusammenleben und arbeiten." Gleichzeitig setzte er das ideologische Gedankengut dieser "Banditen, Mörder und Terroristen" gleich mit jenem Rechtsextremer: "Für uns sind diejenigen, die die NSU-Morde begangen haben, in der Ideologie verwandt mit denjenigen, die den Islamischen Staat repräsentieren."

Yoldas redete aber auch der Politik ins Gewissen. In Richtung Bundesregierung sagte er, sie möge sich genau überlegen, mit welchen Regimes sie zusammenarbeite. So werde die Isis von Saudi-Arabien unterstützt. "Jeder Euro, den wir nach Saudi-Arabien schicken (...), ist irgendwann eine Kugel, die sich gegen uns richten wird."