Berlin (dpa/lno) - Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), hat die Politik für den Umgang mit den Meinungsumfragen in Berlin und Hamburg zur möglichen Olympia-Bewerbung kritisiert. "Nach meinem Verständnis wähle ich Politiker, damit sie mir komplexe Entscheidungen abnehmen. Eine solch komplexe Entscheidung wie eine millionenschwere Bewerbung um Olympische Spiele, die im Erfolgsfall Milliarden-Investitionen mit sich bringt, muss man steuerlich, ökologisch, finanziell, sozial unter ganz vielen Gesichtspunkten abwägen", sagte Seifert der "Sport Bild".

Vier Wochen vor der Entscheidung über die deutsche Bewerberstadt sind die vom Deutschen Olympischen Sportbund initiierten Forsa-Umfragen unter jeweils 1500 Bürgern angelaufen, mit denen die Dachorganisation die Zustimmung in beiden Städten für die Spiele 2024 messen will.

"Grundsätzlich bin ich dafür, dass man die Bevölkerung mitnimmt", erklärte Seifert. "Aber wir leben in einer Zeit, in der Personenminderheiten Meinungsmehrheiten suggerieren können, auch durch den geschickten Einsatz sozialer Medien." Daher sei ein Meinungsbild nicht allein auf Umfragen zu reduzieren. "Wenn ich das delegiere auf eine Meinungsumfrage in der Fußgängerzone, überfordere ich erstens den Normalbürger und unterstütze zweitens die Tendenz, dass hinterher ganz viel zugespitzt wird."

Seifert bringt es auf den Punkt: "Es sollte die Stadt Kandidat werden, in der die meisten Leute Olympia wollen und nicht die, in der die wenigsten dagegen sind."

Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga, sieht das ähnlich. "Wir sollten auch nicht zu viel Rücksicht auf irgendwelche Abstimmungen nehmen", sagte er. "Mal ketzerisch gefragt: Warum sollen Leute befragt werden, die sich eh nicht für Sport interessieren?"