ZEIT ONLINE: Hi Carlos, Du musstest heute ohne mich auf der Tribüne stehen. 

Carlos: Kein Problem, es gab andere, die mir zuhören mussten. 

ZEIT ONLINE: Wie war das Spiel? 

Carlos: Wir haben das 1:0 über die Zeit gebracht. 

ZEIT ONLINE: Das habe sogar ich mitgekriegt, über AFM-Radio. Mich interessiert, wie es sich von der Gegengeraden aus anfühlte. 

Carlos: Das Mittelfeld: Erschütttttternd. Keine Ruhe im Spiel. Jeder Ball wurde weggekloppt. 

ZEIT ONLINE: Aber wir haben doch gewonnen! 

Carlos: Braunschweig war schwach. 

ZEIT ONLINE: Drei Punkte sind drei Punkte. 

Carlos: Die weitere Saison wird hartes Brot.

ZEIT ONLINE: Jetzt sei mal still. In der Ferne habe ich das Spiel als Erfolgserlebnis genießen können. Matchwinner war Lasse Sobiech, dem immerhin ein Zahn fehlte, und der mit gebrochener Rippe und gebrochenem Finger spielte… 

Carlos: Fussball ist sein Beruf. Da hängt man sich rein. 

ZEIT ONLINE: Trotzdem würde ich jetzt gerne etwas Positives hören, sogar von Dir. 

Carlos: Ich habe Positives gesehen, in der Tat. Zum Beispiel Christopher Nöthe als tief hängende Spitze, der hat gute Vorstöße gezeigt. Und beide U-23er machten ihre Sache gut, sowohl Okan Kurt auf der "Sechs" als auch Andreaj Startsev in der Verteidigung: Starke Präsenz, beide sind robust. Chapeau! St. Pauli hat verdient gewonnen, die Jungs haben das ganz ordentlich gemacht. Aber … 

ZEIT ONLINE: Ich spüre es, du willst schon wieder meckern. 

Carlos: Schöner Fußball sieht anders aus. Und warum Ante Budimir und Enis Alushi eine Stunde lang auf der Bank sitzen, das versteht doch keiner. 

ZEIT ONLINE: Sieht man denn eine Handschrift des Trainers? 

Carlos: Kaum. Ein System ist nicht erkennbar. Aber alle haben Einsatz gezeigt. 

ZEIT ONLINE: Vielleicht ist das die Handschrift. Oder die Handschrift von Co-Trainer Schulle. Schließlich saß Ellbogen-Meggie ja wieder einmal auf der Tribüne. 

Carlos: Das könnte sein: Die Abwehrarbeit schien mir sehr solide, typisch Schulle. Wo Schulle zu Aktivzeiten auf dem Platz gestanden hatte, da wuchs anschließend auch kein Gras mehr. Aber nach vorn: Ein Offenbarungseid nach dem anderen. John Verhoek kann nicht zehn  Meter mit dem Ball gehen, Marc Rzatkowski schafft nix nach vorn. Daube ist ein guter Fußballer, besser als die anderen, braucht aber Spielpraxis, die er nicht kriegt, weil er bald wieder verletzt ist. Ganz ehrlich: Das war eine grundsolide "Platz-10-bis-14-Leistung". 

ZEIT ONLINE: Immerhin. 

Carlos: Immerhin.